Mittwoch, 12. August 2009

Nachbarschaftsstreit

Es ist ein seltsames Gefühl, in einem Land zu leben, in dem der Präsident so ganz offen über einen möglichen Krieg mit dem Nachbarland spricht. Ich hätte erwartet, dass hier alle den Atem anhalten, alles (wenigstens für einen Augenblick) still steht, irgendeine sicht- und/oder fühlbare Reaktion der Menschen um uns herum. Gut, mag sein, dass sie untereinander eher darüber sprechen, als das sie uns Expats, Fremde, einbeziehen. Aber der Eindruck, der sich eher aufdrängt, ist der, dass alles seinen gewohnten Gang nimmt.

Also doch nur Säbelrasseln, Machtdemonstration von Chávez? So richtig konnten weder Kollege Guillermo noch Büromitbewohner Francisco mir eine Antwort darauf geben. Besorgt schienen sie beide, aber WIE ernst die Androhung von Chávez ist, Krieg gegen Kolumbien zu führen, zu nehmen ist, das vermögen sie nicht zu beurteilen. Dass sich im Falle des Falles aber auch die jetzt noch Venezuela wohlgesonneren Nachbarstaaten wie z. B. Ecuador und Bolivien zurückziehen werden, vermuten beide. Brasilien und Argentinien kochen sowieso mehr ihre eigene Suppe und sind zu gross, als dass sie sich nach Hugo richten müssten.

Bleibt abzuwarten, wie sich das Verhältnis Kolumbien (mit den USA im Rücken) und Venezuela (mit einem Präsidenten, der sich für den Befreier des südamerikanischen Kontinents und die USA nicht nur für den größten Drogenabnehmer sondern überhaupt für die schlechteste Nation von allen hält - was ihn nicht daran hindert, Geschäfte mit den Yanks zu machen) entwickelt.

Amüsiert hat mich der Bericht, den ich kürzlich in einer Zeitschrift gelesen habe: Ein deutscher Süßwarenhersteller will ein Werk in Venezuela aufmachen, von dem aus er die USA zu beliefern gedenkt. Auf die Frage des Journalisten, ob er denn keine Sorge hätte ob der Launenhaftigkeit des Präsidenten (und seines Verstaatlichungswahns), antwortete er, er habe Sicherheit durch eine staatliche Finanzierungsgarantie. Ein Paradoxon in diesem Land, die Sicherheit durch staatliche Garantien. Ich hoffe, die Erfahrung wird nicht allzu schmerzhaft für den Gummibärchenproduzenten (nein, es ist nicht Haribo!)

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