Sonntag, 7. Februar 2010

Was sonst noch passierte...

Letzten November hatte ich für einige Wochen einen heimlichen Freund. Genau genommen hatte ich sogar zwei, der eine hat mich beschenkt und dem anderen habe ich - ganz untypisch - Geschenke gemacht. Ganz offiziell, mit Ulis Wissen ;-) Das gesamte Büro hat's gewusst (ok, nicht, wer es war), und fast alle haben das gleiche Spielchen getrieben wie ich auch...

In der Weihnachtszeit spielt man in Venezuela, ich glaube, überall in Südamerika, in Schulen, Büros, Vereinen, Clubs, wo auch immer, "amigo secreto" (heimlicher Freund) und das funktioniert so:

Gestartet wird das Spiel meistens Mitte, Ende November. Man zieht ein Los, auf dem der Name des heimlichen Freundes steht, den man in den nächsten Wochen beschenken wird. Bei uns in der Büroküche stand eine großer, bunt beklebter Karton, in den hat man, möglichst jeden Tag, ein Geschenk für seinen amigo secreto gelegt. Nichts Großes, eine Süßigkeit, einen Apfel, eine weihnachtliche Kerze...Der ein oder andere hat auch schon mal eine Dose Bier gefunden oder ein "Herrenmagazin" ;-) Oft genug gab's großes Hallo, wenn jemand das Päckchen mit seinem Namen versehen aus der Box geholt und vor allen anderen ausgepackt hat!

Mein amigo secreto hat sich Zeit gelassen, 4 Tage lang habe ich jeden Morgen vergeblich in den Karton geschaut und nie war etwas für mich dabei. Die venezolanischen Kollegen haben mich schon bedauert, weil mein Gesicht jeden Tag ein bißchen länger wurde - ich hatte mich doch so auf das Spiel gefreut!
Am 5. Tag dann endlich war es soweit und ich habe ein hübsch verpacktes kleines Päckchen aus der Box gezogen und mich wie ein kleines Kind über den (Kinder)Ring mit dem rosa Steinchen gefreut. Ein bißchen was zum Naschen gab es auch noch dazu.

So geht es in den nächsten Wochen weiter. Eine Schokolade, ein Lesezeichen, ein frecher Spruch (der die venezolanischen Mädels höchst empört hat!) - ich habe jeden Tag auf's Neue meinen Spaß daran, in den großen Karton zu gucken und begeistert meine "Beute" herumzuzeigen. Oder einen Flunsch zu ziehen, weil nichts für mich dabei war ;-)

Der 11. Dezember ist der Tag der Auflösung und des großen Wichtelns! Venezolanisch fröhlich-laut-bunt und mit Geschenken, die sich gegenseitig an Witz und auch an Wert übertreffen. Lustig ist es und das hübsche kleine Armband, das mein (expat) Kollege Uli mir geschenkt, gefällt mir sehr gut. Ich staune über die Präsente, die manch einer auspackt; die Venezolaner schenken zu solchen Anlässen durchaus (und gern) Kleidung wie Hosen, Hemden oder T-Shirts und keiner findet etwas dabei, wenn unser Küken William (23) unserer Reinigungskraft Hilda (48) eine schicke Umhängetasche schenkt, aus der sie noch 2 Jeans zieht. Parfüms, Alkohol, Modeschmuck - man ist großzügig untereinander und ich frage mich schon, wie der ein oder andere sich das finanziell erlauben kann. Die Gehälter stehen in ihrer Höhe in keinem Verhältnis zu den - ständig steigenden - Preisen und wenn unserer Firma hier auch überdurchschnittlich gut bezahlt, verdienen doch die wenigsten unserer locals Reichtümer.

Aber für den Moment schiebe ich den Gedanken an die soziale und wirtschaftliche Lage der lokalen Kollegen, des Landes beiseite und freue mich einfach über die ausgelassene Stimmung! Am Sonntag (13.) ist Weihnachtsfeier und da geht es sicher noch einmal so hoch her ;-)