Sonntag, 28. März 2010

Erklärungen

Die vergangene Woche war eine Woche der Erklärungen ;-)

Nummer 1:
Wir haben unsere Steuern erklärt, was bedeutend einfacher ist als in Deutschland - die Steuererklärung passt, wenn auch nicht auf einen Bierdeckel, so doch immerhin auf eine(!) DIN-A4-Seite.

Etwas komplizierter wird es, wenn es ans Bezahlen geht. Die Steuern werden hier nicht gleich abgezogen wie in Deutschland, sondern erst mit der Erklärung fällig. Die muss man bis zum 31.03. des Jahres erledigt und auch den fälligen Betrag bezahlt haben. Aber online überweisen? Disculpa, Senora, das geht leider nicht! Bareinzahlung bei der Bank ist angesagt, denn die stempeln dann auch das entsprechende Formular für die eigenen Unterlagen, mit denen man die Zahlung nachweisen kann. Oder man kauft einen speziellen Scheck, ein normaler geht nicht, mit dem man den entsprechenden Betrag entrichtet..Irgendwo muss es ja verkompliziert werden ;-)

Nummer 2:
Hugo Chávez hat am Mittwoch Nachmittag erklärt, dass die semana santa, die Osterwoche, dieses Jahr verlängert wird. Normalerweise sind in Venezuela der Donnerstag und der (Kar)Freitag Feiertage. Dieses Jahr ist das etwas anders - auch der Montag, Dienstag und Mittwoch sind nach Hugos Willen und Gesetz nächste Woche frei. Hätte er sich das nicht eher einfallen lassen können? Dann wären wir bereits auf dem Weg nach Deutschland! Die Idee, die dahinter steckt? Energie sparen und Wählerstimmen sammeln. Es hat noch nicht geregnet, der Guri Stausee trocknet mehr und mehr aus. Und im Herbst sind Wahlen. Die zweite Maßnahme wird sicher Erfolg haben, sehr viele Menschen sind natürlich total begeistert, eine ganze Woche frei "geschenkt" zu bekommen. Ob die Idee des Energiesparens allerdings Früchte trägt? Eher kaum, denn wenn auch die Firmen und Geschäfte schließen, verlängert das die Frist bis zum Kollaps nur unwesentlich. Es muss schon einige Monate regnen, um den Wasserstand des Stausees wieder auf ein ausreichendes Maß zu bringen...

Nummer 3:
War die Erklärung des Dirigenten, dass das heutige Konzert der "festivales cabriales" das letzte der am 01. November begonnenen Reihe sei. Wir waren heute Vormittag im Park, der nicht weit von unserem Haus entfernt ist. Um 11 Uhr begann besagtes Konzert und wir waren wirklich sehr angetan. Verdi wurde zum Auftakt gespielt, Saint Saens Sinfonie folgte und zum Abschluß gab es Beethoven im Doppelpack. Die Ouvertüre Egmont und anschließend "Ode an die Freude". Wir waren vom gesamten Konzert begeistert, aber die Ode an die Freude war das Glanzstück der Vorstellung! Zum Orchester ein 40, 50 Mann starker Chor sowie ein Sopran, ein Mezzosopran, ein Tenor und ein Bariton. Eine tolle Darbietung unter freiem Himmel - wir sind wieder dabei, wenn im November in die neue Saison gestartet wird!



Mit Kollegin Astrid im Park

Samstag, 13. März 2010

Es war einmal...

...ein junger Mann, der lebte weit entfernt in einem kleinen Dorf. Jeder kannte jeden, er angelte und badete mit seinen Freunden im Fluss, spielte unbeschwert und wuchs glücklich und zufrieden auf. Irgendwann stellte er fest, dass die Welt ausserhalb seines Dorfes noch eine Menge zu bieten hatte, so zog er in die Stadt und ging auf die Universität, um seinen Traum zu verwirklichen, Ingenieur zu werden. Er lernte ein junges Mädchen kennen, ehrgeizig wie er, sie heirateten und um sich eine kleine Wohnung leisten zu können, ging der junge Mann neben seinem Studium noch arbeiten. Sie waren glücklich und zufrieden, so oft es ging, besuchte der junge Mann seine Familie in dem kleinen Dorf und traf dort auch oft die alten Freunde.

Eines Tages, als er zu Besuch war in dem kleinen Dorf, ging er durch die Strassen und begegnete einem der Freunde aus seiner Kindheit. "Komm, sagte der, "lass uns gemeinsam in die Dorfkneipe fahren und bei einem Bier über die alten Zeiten sprechen." Der junge Mann stieg in das Auto des alten Freundes und sie fuhren los. Eine Polizeistreife stoppte sie auf ihrem Weg, nur eine Routinekontrolle. Dabei stellte sich heraus, dass der alte Freund eine Waffe im Auto hatte, was natürlich streng verboten ist. Deswegen wurden beide jungen Männer verhaftet und eingesperrt. In dem Land, in dem der junge Mann lebt, geht es nicht immer sehr gerecht zu. Manchmal muss man sehr lange warten, bis über Recht und Unrecht entschieden wird. Es sei denn, man hat genügend Geld, wie die Familie seines alten "Freundes". Die hat den richtigen Menschen gegeben, was sie verlangten und mirnichts, dirnichts, war der "Freund" wieder frei.

Der junge Mann hatte nicht so viel Geld, seine Familie auch nicht. Und auch die Kollegen, die für ihn gesammelt haben, konnten nur den Anwalt bezahlen, der ihn vertreten hat bei der ersten Verhandlung, 4 Monate, nachdem er eingesperrt wurde, weil er zu seinem alten Freund ins Auto gestiegen war...

6 Jahre Haft hat er bekommen, weil man einen Schuldigen brauchte und der "Freund" hat sich ja freigekauft. 6 Jahre, weil er mit einem alten "Freund" ein Bier trinken wollte. Und der Traum vom Ingenieur ist ausgeträumt, das Leben kaputt und sein Lachen hat er lange verloren. Vielleicht, ganz vielleicht, weil er sich noch nie in seinem Leben etwas zuschulden kommen lassen hat, darf er nach einem Jahr auf Probe wieder raus.

Und dann?

Freitag, 5. März 2010

Abschied

gehört auf einer Baustelle auch dazu und ich gebe zu, es fällt mir nicht leicht.

Letzten Freitag haben wir unseren civil engineer Stephan verabschiedet. Sein Part ist erledigt, sein Vertrag beendet, es geht jetzt weiter auf die nächste Baustelle. Schade, er fehlt schon ein bißchen mit seinem frechen Mundwerk!

Und noch mehr unser reformer specialist, der ganz plötzlich wegen Krankheit nach Deutschland zurück musste und auch nicht mehr zurückkehren wird. Ich vermisse ihn sehr, unsere nachmittägliche Kaffeerunde ist um einen lieb gewonnenen Gesprächspartner ärmer geworden und auch in den Samstagabendrunden, bei den Feiern und Unternehmungen fehlt er einfach. Ich wünsche ihm sehr, dass er wieder vollkommen gesund wird und hoffe, wir bleiben in Kontakt!

Sicher, ich höre immer wieder, so ist das nun mal auf einer Baustelle, noch dazu im Ausland. Einer geht, der nächste kommt. Ein Gewerk ist abgeschlossen, der Verantwortliche wird nicht mehr gebraucht, ein neues beginnt, der nächste Kollege kommt. Und wird auch wieder gehen. Weiß ich alles, aber trotzdem muss es mir nicht gefallen, oder?

Sonntag, 7. Februar 2010

Was sonst noch passierte...

Letzten November hatte ich für einige Wochen einen heimlichen Freund. Genau genommen hatte ich sogar zwei, der eine hat mich beschenkt und dem anderen habe ich - ganz untypisch - Geschenke gemacht. Ganz offiziell, mit Ulis Wissen ;-) Das gesamte Büro hat's gewusst (ok, nicht, wer es war), und fast alle haben das gleiche Spielchen getrieben wie ich auch...

In der Weihnachtszeit spielt man in Venezuela, ich glaube, überall in Südamerika, in Schulen, Büros, Vereinen, Clubs, wo auch immer, "amigo secreto" (heimlicher Freund) und das funktioniert so:

Gestartet wird das Spiel meistens Mitte, Ende November. Man zieht ein Los, auf dem der Name des heimlichen Freundes steht, den man in den nächsten Wochen beschenken wird. Bei uns in der Büroküche stand eine großer, bunt beklebter Karton, in den hat man, möglichst jeden Tag, ein Geschenk für seinen amigo secreto gelegt. Nichts Großes, eine Süßigkeit, einen Apfel, eine weihnachtliche Kerze...Der ein oder andere hat auch schon mal eine Dose Bier gefunden oder ein "Herrenmagazin" ;-) Oft genug gab's großes Hallo, wenn jemand das Päckchen mit seinem Namen versehen aus der Box geholt und vor allen anderen ausgepackt hat!

Mein amigo secreto hat sich Zeit gelassen, 4 Tage lang habe ich jeden Morgen vergeblich in den Karton geschaut und nie war etwas für mich dabei. Die venezolanischen Kollegen haben mich schon bedauert, weil mein Gesicht jeden Tag ein bißchen länger wurde - ich hatte mich doch so auf das Spiel gefreut!
Am 5. Tag dann endlich war es soweit und ich habe ein hübsch verpacktes kleines Päckchen aus der Box gezogen und mich wie ein kleines Kind über den (Kinder)Ring mit dem rosa Steinchen gefreut. Ein bißchen was zum Naschen gab es auch noch dazu.

So geht es in den nächsten Wochen weiter. Eine Schokolade, ein Lesezeichen, ein frecher Spruch (der die venezolanischen Mädels höchst empört hat!) - ich habe jeden Tag auf's Neue meinen Spaß daran, in den großen Karton zu gucken und begeistert meine "Beute" herumzuzeigen. Oder einen Flunsch zu ziehen, weil nichts für mich dabei war ;-)

Der 11. Dezember ist der Tag der Auflösung und des großen Wichtelns! Venezolanisch fröhlich-laut-bunt und mit Geschenken, die sich gegenseitig an Witz und auch an Wert übertreffen. Lustig ist es und das hübsche kleine Armband, das mein (expat) Kollege Uli mir geschenkt, gefällt mir sehr gut. Ich staune über die Präsente, die manch einer auspackt; die Venezolaner schenken zu solchen Anlässen durchaus (und gern) Kleidung wie Hosen, Hemden oder T-Shirts und keiner findet etwas dabei, wenn unser Küken William (23) unserer Reinigungskraft Hilda (48) eine schicke Umhängetasche schenkt, aus der sie noch 2 Jeans zieht. Parfüms, Alkohol, Modeschmuck - man ist großzügig untereinander und ich frage mich schon, wie der ein oder andere sich das finanziell erlauben kann. Die Gehälter stehen in ihrer Höhe in keinem Verhältnis zu den - ständig steigenden - Preisen und wenn unserer Firma hier auch überdurchschnittlich gut bezahlt, verdienen doch die wenigsten unserer locals Reichtümer.

Aber für den Moment schiebe ich den Gedanken an die soziale und wirtschaftliche Lage der lokalen Kollegen, des Landes beiseite und freue mich einfach über die ausgelassene Stimmung! Am Sonntag (13.) ist Weihnachtsfeier und da geht es sicher noch einmal so hoch her ;-)

Montag, 25. Januar 2010

Unruhig

war unser Heimweg heute. Den ersten Stau gab es bereits auf der Autopista zwischen Morón und Valencia, die Ursache harmlos. Eine neue Baustelle, ein Stück Straße wird aufgerissen, die Spuren von drei auf eine verengt. Keine große Sache, es geht schon im Schritttempo die meiste Zeit, hat uns aber doch eine halbe Stunde gekostet.

Hinter der Peaje, der ehemaligen Mautstation dann die nächsten Warnblinker vor uns und wieder stehen. Dieses Mal geht gar nichts, wir stehen und können vor uns nicht viel mehr erkennen als die Rücklichter der anderen Autos. Die Leute beginnen, aus den Autos auszusteigen, immer ein schlechtes Zeichen. Immerhin tauchen keine Straßenverkäufer auf (vielleicht wegen der einsetzenden Dunkelheit?) und unser Mitfahrer findet in der Tasche des Fahrersitzes sogar noch eine Flasche Bier, die wir erst einmal vor der Aircondition kühlen und dann brüder- und schwesterlich teilen ;-)

Als wir eine weitere halbe Stunde später auf die nächste Autobahn wechseln, läuft zunächst alles reibungslos, sogar zügiger als gewohnt und wir sind der einhelligen Meinung, dass wir mit einer knappen Stunde Verspätung doch noch relativ gut durchkommen werden. Denken wir. Die Abfahrt vor unserer Ausfahrt ist gesperrt von der Guardia Nacional. Auf der Brücke über die Autobahn erkennen wir schemenhaft einen LKW mit offener Ladefläche, auf der Menschen stehen. Wir fahren die Ausfahrt runter, auf die Brücke und sind plötzlich fast mittendrin. Knapp zweihundert Meter vor uns brennen Reifen, die Autos stehen hupend in der Schlange, kein Gedanke daran, den gewohnten Weg auch wie gewohnt zu fahren. Die ersten Rücklichter leuchten auf, es ist kein Durchkommen und die Menschen wollen umdrehen, um wie auch immer vorwärts zu kommen. Denn in die andere Richtung, in die Stadt hinein, geht es auch nicht, dort ist ebenfalls gesperrt.

Plötzlich hören wir Schüsse, ich sehe einen jungen Mann davonlaufen, einen von der Guardia Nacional mit dem Gewehr im Anschlag hinterher. Beide verschwinden im Dunkel, ich weiß nicht, ob der junge Mann getroffen wurde, ob mit "echten" Kugeln oder "nur" mit Gummigeschossen geschossen wurde...Wir drehen jetzt ebenfalls um, irgendwie müssen wir hier weg und zwar zügig. Nach dem Wechsel der Fahrtrichtung aber auch dort Chaos und nun sehen wir im Rückspiegel, dass es in Richtung unseres Hauses wieder relativ frei ist. Die Guardisten stehen noch dort, aber die brennenden Reifen und die Menschentraube sind verschwunden, wohin auch immer. Also wieder wenden und ein neuer Versuch. Bis über die Kreuzung geht es auch ganz gut, aber an der nächsten Ecke ist es wieder vorbei. Hier bewegt sich gar nichts mehr, nur Hupen, Geschrei und aus vielen Häusern ringsum der Klang von Topfschlagen, was hier die Solidarisierung mit der Opposition bedeutet. Die Autos stehen dicht an dicht, die Nerven liegen blank, und die Leute gehen nicht gerade freundlich miteinander um.

Wir kommen in 20 Minuten ungefähr 250 Meter voran und beschließen, das Auto in einer der Einfahrten zu einer der privaten, d. h. abgesperrten Wohnstraßen abzustellen und die restlichen 500 Meter nach Hause zu laufen. Mehr als Verkehrchaos tobt hier nicht, wir müssen uns keine Sorgen machen, heute Abend ist der Weg unbedenklich und kurze Zeit später sind wir sicher in unserem Appartement.

Grund für die Unruhen heute war die erneute Schließung von TV- und Kabelsendern durch die Regierung. Außerdem hat der Vizepräsident abgedankt, angeblich aus persönlichen Gründen, aber nicht wegen Differenzen mit dem Präsidenten, so heißt es.

Es ist unruhig, und nicht nur die Maßnahmen des Präsidenten im Bezug auf Regierungsgegner oder auch nur Kritiker sorgen dafür. Inzwischen sind wir alle 3 Tage für 2 Stunden ohne Strom, vorerst. Da es nicht regnet und des Wasserpegel des Staudamms, der das Kraftwerk, das für 70 % der Stromversorgung des Landes sorgt, immer weiter sinkt, gehen wir davon aus, das demnächst der Zeitraum verkürzt und die Dauer der Abschaltung verlängert wird. Alle hoffen auf Regen zum Beginn der Regenzeit Ende März, denn was ohne Strom und Wasser passieren wird, möchten wir uns nicht vorstellen.

Mittwoch, 6. Januar 2010

Wenn einer eine Reise tut...

Valencia/Caracas, 18.12.2009:
Um 9 Uhr holt der Fahrer uns ab. Bis Caracas/Flughafen sind es zwar nur rund 160 km und unser Flieger geht erst um 17:30 Uhr, aber man darf nienienie den Fehler machen, den venezolanischen Verkehr zu unterschätzen, schon gar nicht zum Wochenende und erst recht nicht, wenn Feiertage/Ferien vor der Tür stehen. Prompt geraten wir auch noch in der Stadt in den ersten kleineren Stau. Dann geht es aber ganz gut weiter, wie üblich stellenweise etwas zäh fließend, aber wir haben immer noch genug Zeit. Unser Flieger geht um 17:20 Uhr, aber wiederum sollte man WE/Ferien/Feiertage beachten, da ist am Flughafen eine Menge los. Gegen 12 Uhr sind wir da, eigentlich öffnet der Lufthansaschalter auch erst um 12, aber wegen des zu erwartenden Ansturms hat man heute wohl eine Ausnahme gemacht, also auch hier schon "Stau". Rund eine Stunde Wartezeit später sind wir unsere großen Koffer los und zockeln mit Bordkarten und Handgepäck zum nächsten Schalter, an dem wir die Flughafensteuer bezahlen müssen.

Hier geht es schnell, aber das tut es eigentlich immer. Um rund 140 Bolivares (44 Euro) erleichtert, geht es weiter zur Handgepäckkontrolle und in die nächste Schlage zur Emigración, zur "Auswanderung", wo wir neben unseren Pässen und dem Nachweis über die bezahlte Flughafensteuer auch noch ein weiteres Zettelchen vorzeigen und abgeben, auf dem steht, wo wir wohnen, wohin wir fliegen, was wir machen, ob wir wiederkommen usw. usf. Es lebe der Datenschutz Es gibt übrigens hier Schalter für die Extranjeros, die Ausländer, und Schalter für die Venezolanos. Brav deutsch, wie wir sind, stellen wir uns in die Schlange für "unseren" Schalter und lauschen dem eindeutig venezolanischen Geplapper der Leute vor und hinter uns. So sind sie halt...

1,5 Stunden später ist auch das geschafft und wir haben HUNGER! Für mich schon Ritual, in Caracas am Flughafen esse ich bei Burger King und ich liebe es ;-) Es ist 15 Uhr und wir haben immer noch gut 2,5 Stunden bis zum Abflug vor uns - wenn die Maschine pünktlich startet (starten kann). Angeblich soll das zu den Feiertagen klappen, aber das glauben wir erst, wenn wir in der Luft sind! Aber jetzt erstmal flughafenbummeln. Nicht, dass der Flughafen so viel zu bieten hätte und wir nicht so ziemlich jeden Shop schon in- und auswendig kennen würden. Nur sitzen werden wir noch lange genug, also wird hin- und herflaniert und außerdem habe ich meiner Freundin Silvia versprochen, eine Stange Zigaretten mitzubringen. Rein in den duty free und zum Tabakwarenregal und erstmal große Augen gemacht! Ganze DREI Sorten werden dort angeboten und zwei davon sind mir im Leben noch nicht begegnet. Also die Luckys eingepackt und hoffen, dass die den richtigen Qualm machen!

Boarding beginnt heute schon mal pünktlich, aber wir sind immer noch skeptisch. Oft genug fällt es der Guardia Nacional ein, noch mal Fluggäste rauszurufen, eine Etage tiefer zum Gepäck zu bringen und die Koffer öffnen zu lassen. Aber heute geht tatsächlich alles zügig, schon sitzen wir im Flieger und mit nur 10 Minuten Verspätung starten wir Richtung Frankfurt...

Frankfurt, 19.12.2009 (8:30 Uhr)
Ich freu mich, nicht nur, wieder in Deutschland zu sein, sondern vor allem, weil es noch früh genug ist, so dass wir die Maschine nach Düsseldorf um kurz nach elf heute sicher erreichen werden. Die bekommen wir sonst nie und müssen immer umbuchen auf die Mittagsmaschine. Heute allerdings nicht *motz* Die freundliche Lufthansa-Dame in Caracas hat uns direkt auf die späte Maschine gebucht und ich bin stinksauer. Auf den früheren Flieger umbuchen geht nämlich nicht so einfach und dafür sei es auch schon zu spät, wie man uns mitteilt, also müssen wir warten. Ich stürme den duty free und 1 Parfum, 2 Cremes sowie 2 weitere Kosmetikprodukte später geht es mir besser ;-) Als wir dann noch lesen, dass der frühe Flug 2 Stunden Verspätung hat, kann ich schon wieder grinsen. Die knappe Stunde, die unsere Maschine dann auch noch verspätet ist, nehmen wir mit einem Achselzucken hin. Immer noch alles in der Zeit, ich hab doch am Nachmittag um 16 Uhr einen Friseurtermin in Leverkusen. Ein bisschen gereizt werde ich dann allerdings doch wieder, als wir noch eine ganze Weile in der (Außen)Parkposition herumstehen und keiner so recht weiß, warum. Die Damen und Herren Flugbegleiter sind auch nicht besonders auskunftsfreudig und ich beginne bereits zu überlegen, ob ich wohl am Montag vor Weihnachten noch einen neuen Termin zur Verschönerung meines Haupthaars bekommen kann...Aber dann geht es doch endlich los und wir landen nach etwas mehr als einer halben Stunde in

Düsseldorf, 19.12.2009 (14:50 Uhr)
Ok, es wird ein wenig eng, aber wenn ich eine viertel Stunde später komme, ist das sicher noch kein Problem! Wir stehen am Gepäckband und nach einigen Minuten purzeln die ersten Koffer auf's Band. Da ist schon meiner, wow, SO schnell ging das noch nie. Jetzt nur noch der von Uli, ab zur S-Bahn und wir sind schon fast bei Mamiin Leverkusen! Ungefähr 10 Minuten später hält das Band plötzlich an. Ulis Koffer und die von einigen Mitreisenden fehlen allerdings immer noch...Also, ab zur Gepäckermittlung und wieder in die Schlange stellen. Ich überlege kurz, ob ich toben soll oder ob doch ein bisschen von der venezolanischen Gelassenheit, die ich inzwischen gelernt habe, überwiegt und entscheide mich für letzteres. Rufe beim Friseur an, lasse mich von der Schnepfe (ja, sie ist eine!) an der Rezeption mit "meinem" Friseur verbinden und der rettet - im wahrsten Sinne des Wortes - meinen Kopf ;-) Er hat zwar Urlaub ab Montag, aber Kollege Andreas übernimmt, kein Problem. Oder anders, selbst wenn es eines ist, ist mir das gerade ziemlich egal...

Die Dame bei der Gepäckermittlung teilt uns freundlich mit, dass die Maschine, die uns von Frankfurt nach Düsseldorf gebracht hat, eine kleinere Ersatzmaschine war, die nicht alles Gepäck aufnehmen konnte und das Ulis Koffer noch in Frankfurt auf dem Gepäckwagen liegt. Aha, vielen Dank und jetzt? Ok, der Koffer kommt mit der Abendmaschine und wird per shuttle wenn möglich noch heute nach Leverkusen gebracht. Na dann - wir sind gespannt!

Jetzt also Aufbruch zum Flughafenbahnhof, rein in den Skytrain und an der letzten Station wieder raus, durch die Glastür und *brrrrrrrrrrrrrrrrrrrr* erstmal wie angewurzelt stehen bleiben!! Sch****, ist das kalt! Wir sind bei +30 Grad in Venezuela losgeflogen und frieren gerade bei -13 Grad in Düsseldorf fest. Ich hab ja wenigstens meinen Mantel dabei und Haare auf dem Kopp, aber Uli trägt nur einen dicken Pullover, eine Fleecejacke drüber und die Haare? Naja, er trägt jetzt halt immer Sommerfrisur *lol* Die bedecken wir mit meinem Basecap, das ich glücklicherweise im Koffer finde. Endlich, endlich kommt die S-Bahn, ein paar Stationen nur bis Leverkusen-Mitte und da steht Mami und hat das Auto schon vorgeheizt! Reicht aber nicht, wir sind durchgefroren und so ist die erste Aktion nach dem Ankommen Schuhe aus, Socken runter, Hosenbeine hoch und die Eisfüße in ein heißes Fußbad gesteckt! Funktioniert wunderbar und wir tauen langsam wieder auf. Heißer Ingwertee "oben" reingeschüttet hilft auch gut dabei.

Jetzt ist erstmal Ausspannen, Ruhe und Erholen und Erzählen und Weihnachtsnaschen und -Essen und Familie angesagt! Erst seine, dann am 26.12. meine und bei der bleibe ich, allerdings ohne Uli, der mit seinem Sohn verabredet ist, bis zum

31.12.2009 (Osnabrück, 8:30 Uhr)
Es schneit. Dicke weiße Flocke tanzen vor dem Fenster, so richtig hell will es auch nicht werden und wenn ich mir auch Winterwetter gewünscht habe, zum Reisen finde ich das eher lästig! Naja, denke ich mir, Schnee ist nicht so schlimm. Gestern Abend war es zwar glatt, aber du fährst ja mit der Bahn. Vielleicht das Taxi eine Viertelstunde eher bestellen, schon zu 10 Uhr. Es ist nicht so weit zum Bahnhof, aber bei dem Wetter lieber auf Nummer Sicher. Gedacht, getan und unterwegs erzählt mir der mitteilungsfreudige Taxifahrer bereits Dinge, die ich gar nicht hören will. Von einem Ehepaar, die eigentlich mit dem ICE nach Aachen fahren wollten, aber dann wieder heimgefahren sind, weil der ICE nicht fährt. Aachen und Leverkusen ist die gleiche Richtung, verflixt! Am Bahnhof verabschiedet er mich fröhlich "Gute Fahrt oder vielleicht bis gleich" *Aaaargh* Ich ziehe meinen viel zu schweren (1. bin ich Frau, 2. hab ich noch Einkäufe für VEN (und für mich) gemacht) Koffer durch den Schnee, betrete die Bahnhofshalle und schaue auf die Anzeigetafel. 10:37 Uhr, das ist meiner. Oder vielmehr, wäre meiner gewesen. Fällt aus. So wie noch 5 oder 6 oder 7 andere ICE's. Der leichte Regen gestern Abend und die Minustemperaturen in der Nacht haben die Oberleitungen vereist und damit kommen die neumodischen Züge nicht mehr zurecht. Nichts geht mehr und ich bin versucht, gleich wieder umzudrehen, Uli herzubeordern und Silvester in Osnabrück zu feiern.

Dann sehe ich, dass in knapp 15 Minuten der Regionalzug nach Münster fährt. Die guten alten Regiobahnen sind nicht so wetterfühlig, denen macht das bisschen Schnee und Eis nichts aus. Also, erstmal nach Münster, von da weitersehen! Das klappt gut, der Zugbegleiter sagt mir, welche Anschlußbahn ich nehmen kann. Wieder Regio, klar. Dauert zwar länger, fährt aber! Auch in Münster sind zig Züge angeschlagen, die heute nicht fahren. Prost Neujahr, murmle ich, und stehe bald wieder auf dem Bahnsteig in Habachtposition, denn bedingt durch die vielen Ausfälle weichen viele Menschen mit vielen Gepäckstücken auf die wenigen Regionalbahnen aus. Sardinenbüchse trifft es heute wohl eher! Trotzdem schaffe ich es, einen Sitzplatz zu ergattern und habe noch dazu ein nettes Gegenüber, eine Dame aus Bremerhaven, die vor Jahren auch schon mal ein paar Monate in Venezuela verbracht hat. So vergeht die Zeit schnell (trotz Verspätung auch hier) und 10 Minuten vor Leverkusen stehe ich auf und kämpfe mich durch die dicht beieinander stehenden Menschen. Ein paar hilfreiche Fahrgäste reichen meinen Koffer durch (die Frage, ob ich zuhause rausgeflogen bin oder warum ich mit dem Schrank unterwegs sei, überhöre ich) und irgendwie schaffen wir beide es, in Leverkusen-Opladen aus dem Zug zu klettern und Uli in die Arme zu fallen Die letzten Tage in Deutschland verlaufen ruhig, am Nachmittag des 2. packen wir unsere Koffer und bestellen ein Taxi zum Flughafen für den

3.01.2010, 4:30 Uhr (Leverkusen nach Düsseldorf Flughafen)
Es schneit wieder. Die Schneefront hat sich ein paar Tage Zeit gelassen, aber pünktlich zum Abflug ist sie uns nach NRW gefolgt und obwohl es die Nacht von Samstag auf Sonntag ist, sind doch einige Autos auf der Autobahn unterwegs und wir sind - wieder mal - froh, zeitig aufgebrochen zu sein. Um 6:20 Uhr ist Abflug, um viertel vor fünf stehen wir - wieder mal - in der Schlange am check in und kurz darauf in der nächsten in der Kontrolle. Nichts zu meckern, nichts zu kontrollieren, doch, die neu gekauften Boxen müssen einen Extrascan über sich ergehen lassen, aber auch das kein Problem. Wir warten am Gate, die erste Verzögerung wird angezeigt. Klar, bei dem Wetter müssen die ja ständig die Startbahn neu freiräumen. Oder überhaupt erstmal räumen, wie auch immer. 20 Minuten später als geplant steigen wir ein und dann geht los. Das Warten.

Ein LKW soll uns aus der Parkposition schieben, aber die Fahrbahn ist zu glatt, die Reifen drehen durch, er schafft es nicht. Ein anderes Fahrzeug wird geordert. Das dauert und in der Zeit wird einer anderen Maschine der Vortritt gewährt. Endlich klappt es mit dem Schubsen, aber jetzt ist die Startbahn für den Moment geschlossen, das Schneetreiben ist zu heftig. Macht nichts, wir müssen erst noch enteist werden. Da steht aber auch schon ein Flieger in Position, also - warten. Frisch enteist bringt der Kapitän die Maschine in Richtung Startbahn und....hält an. Der arme Kerl hat sich bereits zigfach entschuldigt (er kann doch auch nix für's Wetter!) und jetzt klingt er ziemlich fassungslos, als er uns mitteilt, dass er gerade Order bekommen hat, das Flugzeug wieder in die Parkposition zu bringen. Chaos in Frankfurt, zuviel Schnee auch in Düsseldorf. Unser Flug ist gestrichen *g* Wenigstens können wir (vorerst) den Flieger in FFM nicht verpassen, da geht ja auch nichts. Also, erstmal wieder das Gepäck einsammeln, was eine Weile dauert. Wegen der Glätte kommen die Gepäckwagen nicht an den Flieger, außerdem sind vier große Maschinen auf Düsseldorf ausgewichen und sowieso gerade alles durcheinander und dann verschwindet plötzlich unser Flieger von der Anzeigetafel über dem Gepäckband und der nächste taucht auf, ohne dass wir alle bereits unsere Koffer hätten...Wieder Aufregung, Nachfrage bei der Gepäckermittlung. Missverständnis "draußen", geht gleich *hüstel* weiter. Rund 1,5 Stunden später rauf in die Halle zum Ticketschalter und..na? Richtig, in die Schlange stellen, denn wir sind bei weitem nicht die einzigen, die heute Früh nicht wohin auch immer starten.

Kein Gedanke mehr daran, heute noch nach Frankfurt zu kommen geschweige denn Richtung Caracas zu starten. Montag Früh von Düsseldorf nach Paris und dann mit der Air France weiter. Sei's drum, wir nicken und werden von der netten Lufthansa-Mitarbeiterin im Maritim am Flughafen einquartiert (hat doch alles immer was Gutes, gell?), wo wir lecker brunchen, ich mir nachmittags ein ausgiebiges Bad gönne und von wo wir am nächsten Morgen zwar früh, aber doch ziemlich ausgeschlafen die paar Schritte zum check in marschieren. Wir starten pünktlich (oh Wunder) und die eine Stunde Verspätung wegen technischer Probleme nachher in Paris lässt uns ziemlich kalt In Caracas wartet unser Fahrer auf uns und zwei Kollegen, die mit der Lufthansa (auch verspätet) eingetroffen sind. In der Rekordzeit von nicht ganz 2 Stunden geht es von Caracas nach Valencia und hier sitze ich jetzt am

6.01.2010, 9:30 Uhr (Morón)
an unserem zweiten Arbeitstag. Etwas müde wegen der Zeitverschiebung, etwas traurig, weil die Zeit in Deutschland irgendwie so kurz war und auch etwas froh, wieder zuhause zu sein :-)

Ich wünsche euch allen ein frohes, erfolgreiches, glückliches, entspanntes und harmonisches 2010!

PS: Ich weiss, ich habe mich hier in den letzten Monaten etwas rar gemacht. Viel Arbeit (inzwischen auch samstags) und entsprechend weniger Zeit sowie leider zu wenig schöne Dinge, die es hätte zu berichten geben, haben mich vom Schreiben abgehalten. Aber wozu gibt es Neujahrsvorsätze? ;-) Also - ich gelobe Besserung!