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Sonntag, 28. März 2010

Erklärungen

Die vergangene Woche war eine Woche der Erklärungen ;-)

Nummer 1:
Wir haben unsere Steuern erklärt, was bedeutend einfacher ist als in Deutschland - die Steuererklärung passt, wenn auch nicht auf einen Bierdeckel, so doch immerhin auf eine(!) DIN-A4-Seite.

Etwas komplizierter wird es, wenn es ans Bezahlen geht. Die Steuern werden hier nicht gleich abgezogen wie in Deutschland, sondern erst mit der Erklärung fällig. Die muss man bis zum 31.03. des Jahres erledigt und auch den fälligen Betrag bezahlt haben. Aber online überweisen? Disculpa, Senora, das geht leider nicht! Bareinzahlung bei der Bank ist angesagt, denn die stempeln dann auch das entsprechende Formular für die eigenen Unterlagen, mit denen man die Zahlung nachweisen kann. Oder man kauft einen speziellen Scheck, ein normaler geht nicht, mit dem man den entsprechenden Betrag entrichtet..Irgendwo muss es ja verkompliziert werden ;-)

Nummer 2:
Hugo Chávez hat am Mittwoch Nachmittag erklärt, dass die semana santa, die Osterwoche, dieses Jahr verlängert wird. Normalerweise sind in Venezuela der Donnerstag und der (Kar)Freitag Feiertage. Dieses Jahr ist das etwas anders - auch der Montag, Dienstag und Mittwoch sind nach Hugos Willen und Gesetz nächste Woche frei. Hätte er sich das nicht eher einfallen lassen können? Dann wären wir bereits auf dem Weg nach Deutschland! Die Idee, die dahinter steckt? Energie sparen und Wählerstimmen sammeln. Es hat noch nicht geregnet, der Guri Stausee trocknet mehr und mehr aus. Und im Herbst sind Wahlen. Die zweite Maßnahme wird sicher Erfolg haben, sehr viele Menschen sind natürlich total begeistert, eine ganze Woche frei "geschenkt" zu bekommen. Ob die Idee des Energiesparens allerdings Früchte trägt? Eher kaum, denn wenn auch die Firmen und Geschäfte schließen, verlängert das die Frist bis zum Kollaps nur unwesentlich. Es muss schon einige Monate regnen, um den Wasserstand des Stausees wieder auf ein ausreichendes Maß zu bringen...

Nummer 3:
War die Erklärung des Dirigenten, dass das heutige Konzert der "festivales cabriales" das letzte der am 01. November begonnenen Reihe sei. Wir waren heute Vormittag im Park, der nicht weit von unserem Haus entfernt ist. Um 11 Uhr begann besagtes Konzert und wir waren wirklich sehr angetan. Verdi wurde zum Auftakt gespielt, Saint Saens Sinfonie folgte und zum Abschluß gab es Beethoven im Doppelpack. Die Ouvertüre Egmont und anschließend "Ode an die Freude". Wir waren vom gesamten Konzert begeistert, aber die Ode an die Freude war das Glanzstück der Vorstellung! Zum Orchester ein 40, 50 Mann starker Chor sowie ein Sopran, ein Mezzosopran, ein Tenor und ein Bariton. Eine tolle Darbietung unter freiem Himmel - wir sind wieder dabei, wenn im November in die neue Saison gestartet wird!



Mit Kollegin Astrid im Park

Mittwoch, 5. August 2009

last news

Heute Früh auf dem Weg zur Autopista sahen wir eine dicke schwarze Rauchsäule eben in dieser Richtung. Unsere Auffahrt war frei, die Bahn selbst in Richtung Morón auch - aber hinter uns und in Richtung Caracas lagen über beide Fahrbahnen brennende Reifen. Diesmal wahrscheinlich kein Protest aus den Barrios, sondern von Studenten, Jugendlichen, Reportern, Journalisten. Der Präsident hat 36 mehr oder minder regierungskritische Radio- und Fernsehsender verboten, weil die - angeblich - ohne Lizenz gesendet haben. Rund 200 Sender werden noch folgen, eine deutliche Demonstration seiner Willkür und leider auch seiner Macht.

Weiterhin hat er zwei der grössten Kaffeeröster des Landes "vorübergehend" verstaatlicht, weil die - auch wieder angeblich - heimliche Deals mit Kolumbien machen und der Preistreiberei verdächtigt werden.

Im grössten Hafen des Landes (in dem auch unser Baustellenmaterial ankommt) sind letzte Woche in zwei bis dahin noch privaten Lagerhäusern Drogen gefunden worden, was es dem Staat einfacher macht, sich auch diese Lagerhäuser zu schnappen. Der Hafen ist ab jetzt komplett verstaatlicht und der grösste Clou: Angeblich wird kurzerhand das Personal ausgetauscht. 3.000 Venezolaner gegen 3.000 Kubaner (weil billiger). DAMIT allerdings tut er sich nun gar keinen Gefallen. Gab er sich bis jetzt als Freund und Wohltäter des kleinen Mannes, geht er ihnen nun an die Kragen, sprich, an die Existenz. Noch ist es relativ ruhig, Protestaktionen wie die heute Früh sind noch nichts kritisches. Aber es brodelt unter der Oberfläche, das steht fest.

Anekdötchen: Am Montag war ich mit zwei Kollegen unterwegs, auf der Autobahn sahen wir einen Polizeiwagen (Pick up) mit zwei Beamten und einem Verhafteten auf der Ladefläche. Der war mit Handschellen an einer Halterung angekettet, daher leicht zu erkennen. Auf meine Frage, was denn cuffs/Handschellen auf Spanisch heisst, bekam ich zur Antwort "Esposas". Humor haben sie ja: Esposa bedeutet ins Deutsche übersetzt "Ehefrau" ;-)

Montag, 27. Juli 2009

LKW und andere Laster

Wir sind zwar gerade aus dem Österreich-Urlaub zurück, aber die Bilder, die ich für euch habe, sind hier aus Venezuela - zu kurios, um sie euch vorzuenthalten.

Zu den Preisangaben noch eine Info: Offizieller Wechselkurs Dollar zum Bolivares fuerte 1 : 2,15...
















Sonntag, 5. Juli 2009

Behördengang auf venezolanisch

Letzte Woche Donnerstag war ich in Caracas.
Für uns Expats wurden Arbeitsvisa beantragt sowie die Ausstellung einer Cedula, der venezolanischen ID. Wir haben einen Antrag ausgefüllt und unsere Pässe zu diesem Zweck einem „seriösen“ Herrn übergeben, der vor Ort die notwendigen Formalien erledigt bzw. vorbereitet hat, denn für die Ausstellung des Visums ist persönliches Erscheinen nicht notwendig, aber für die Cedula hat man bei der Behörde in Caracas vorstellig zu werden, sich fotografieren zu lassen und seine Unterschrift auf der ID in Gegenwart eines Bediensteten des Ministerium zu leisten. Im Grunde genommen nicht viel anders als die Ausstellung eines Personalausweises in Deutschland, mit nur ein paar kleinen Unterschieden in der Abwicklung...

Uli war, als die Anträge eingereicht wurden, gerade in Deutschland, somit sind seine Papiere noch nicht fertig und ich muss alleine in die Hauptstadt. Natürlich nicht ganz alleine! Einige Kollegen unserer Schwesterfirma, die aus Trinidad, Peru, Chile...stammen, müssen das gleiche Procedere durchlaufen und somit werde ich kurzerhand zu Pat (aus Trinidad) und dem venezolanischen Fahrer Louis gesetzt. Morgens um 5 Uhr starten wir in Valencia, treffen uns mit 15 Personen auf 4 Autos verteilt vor einer Farmatodo, die nahe der Autobahnauffahrt liegt. Um halb neun sind wir in Caracas mit dem „Vermittler“ verabredet, das könnte knapp werden. Es sind zwar nur 160 km, aber die letzten 60 führen durch den Berufsverkehr und der ist in Caracas ein Chaos. Louis fragt sich, wie wir es in dem Verkehrsgewühl der Stadt überhaupt schaffen sollen, uns nicht zu verlieren - und er ist der einzige, der sich in der Stadt auskennt und weiß, wo der Treffpunkt ist. Mich erleichtert es ungemein, dass ich in seinem Auto sitze ;-)

An der Peripherie der Stadt angekommen, staune ich wie immer über das Gewusel, die Blechlawinen und mache drei Kreuze, dass wir in Valencia und nicht Caracas wohnen! Diese Stadt mit ihren – offiziell – ca. 6 Millionen Einwohnern ist ein Moloch und Berlin mutet dagegen wie eine Kleinstadt an. Ich schaue auf die Barrios und frage mich wie jedes Mal, wie es möglich ist, dass Menschen dort leben oder besser, existieren können. Notdürftige zusammengeschusterte Behausungen aus Backsteinen, Wellblech, Holz und was eben gerade zu bekommen war. Eng nebeneinander, übereinander gebaut, hat man den „besten“ Blick kurz vor einem Tunnel, der sinnigerweise „El Paraiso“ (Das Paradies) heißt. Erstaunt es jemanden, dass die Menschen, die hier ihr Dasein fristen, den Versprechungen des Präsidenten Glauben schenken (wollen), dass er ihre Lage verbessert? Und dass die, die schon zu lange vergeblich darauf warten, zu Gewalt und Waffen greifen, um zu Geld oder Wertgegenständen zu kommen? Man sagt, wenn man einer dieser Banden in die Finger gerät, soll man ohne Gegenwehr rausgeben, was man hat und nur keine Heldentaten versuchen, da die Frustrationsgrenze dieser meist noch jungen Menschen sehr niedrig ist. Was Wunder...!



Wir fahren, immer noch im Convoi, im Stop-and-Go-Tempo weiter Richtung Zentrum, wo wir in der Nähe des Ministerio Público unseren Kontaktmann treffen wollen, der schon angerufen hat und ungeduldig auf uns wartet. Klar, wir haben uns durch den Verkehr verspätet, 3 Stunden rechnet man normalerweise für die Fahrt, 3,5 haben wir geplant und gebraucht haben wir heute 4,5 Stunden. Und ich habe, gelinde gesagt, gerade ziemlich die Schn**** voll von der Fahrerei. Louis telefoniert aufgeregt, wir halten mitten im Gewimmel in dritter Reihe und ein Minute später erscheint, ich nenn ihn mal Pedro, aus dem Nichts, steigt zu uns in den Wagen und lotst uns zu einem Parkplatz. Von dort aus geht es im Eilschritt zu einem kleinen Kopiergeschäft, dort müssen wir unsere Pässe kopieren, das Arbeitsvisum und unsere ID. Pedro erklärt zwar, warum, aber er spricht so schnell, noch dazu mit dem Dialekt der Caracenos, dass ich mal wieder kein Wort verstehe. Und eigentlich ist es mir im Moment sowieso egal, ich fühle mich trotz der großen Gruppe nicht besonders wohl, wie üblich habe ich die Aufmerksamkeit der Menschen, weil ich durch Größe, Haar- und Hautfarbe auffalle. Ich halte mich eng an Pat und Pedro, als es weitergeht zum Ministerio und schaue nicht nach rechts und links, bis wir den Innenhof des Ministeriums erreicht haben. Da bleibt mir allerdings erstmal der Mund offen stehen: Ungefähr 300 – 400 Menschen stehen in einer langen Schlange und warten darauf, dass sie ihren neuen Ausweis bekommen bzw. ihren Ausweis verlängern und was sonst noch so an Formalitäten hier erledigt werden kann. Es ist kurz nach zehn, die Behörde öffnet um acht und ich vermute, dass bereits um sechs in der Früh die ersten hier Stellung beziehen. Viele haben kleine Plastikhocker dabei und auch Schirme – der Hof ist nicht überdacht und es beginnt gerade zu tröpfeln. Ich freue mich über die kleine Erfrischung, lange hab ich allerdings nichts davon. Pedro lotst uns unter den überdachten Vorplatz des Gebäudes. Dieser Teil ist mit gelben Absperrband versehen, hier stehen zwei mal zwei Campingtische mit Stühlen, auf denen die Mitarbeiter des Ministeriums sitzen. Pedro hat unsere Passkopien an einen anderen Mann gegeben, der jetzt hinter einem der Tische verschwindet, auf einen der Beamten einredet und mit dem Papier wedelt. Schlußendlich wechseln wohl ein paar Scheine den Besitzer, ein Schulterklopfen und unsere Gruppe von 15 ist plötzlich eine eigene kleine Schlange an dem Stuhl vor dem weißen Hintergrund, wo die Fotos für die Cedula gemacht werden.

Von jetzt an geht es (relativ) zügig, wir werden geknipst, geben unsere Fingerabdrücke ab (soviel zum Thema Datenschutz...), warten wieder, bis der Name aufgerufen wird (meiner nicht, auf mich wird mit dem Finger gezeigt, Name zu schwierig auszusprechen) und unterschreiben bei einer schlecht gelaunten Mitarbeiterin des Ministerium, der das Eingeben der Daten und das Herüberreichen des Papiers zur Unterschrift unheimlich viel Mühe zu machen scheint. Wenn sie diese schwierige Aufgabe bewältigt hat, gibt sie das Blatt an den nächsten Kollegen, der die Cedula zurecht schneidet und dem letzten in der Reihe hinterm Tisch überreicht, der das jetzt auf 10 x 5 zurechtgestutzte Dokument laminiert und uns überreicht. Listo (fertig)! Ich bin jetzt Besitzerin einer venezolanischen ID, die neben meinem Namen, Geburtsdatum und –land meinen Familienstand, meinen Berufsstand, meinen Daumenabdruck und meine Unterschrift zeigt und zudem noch in Großbuchstaben mit dem Hinweis „EXTRANJERO“ versehen ist, was mich als Ausländer ausweist, was wiederum notwendig macht, dass ich diese Prozedur in 11 Monaten wiederholen muss, da wir ja noch eine Weile im Land bleiben. Ich freue mich schon heute auf den Ausflug in die Hauptstadt, die wir jetzt so schnell wie möglich wieder hinter uns lassen, alle geschafft von der Fahrt, der Hitze, der Warterei. Kurz hinter Caracas machen wir Halt an einer Art Autobahnraststätte und Pat und ich stoßen erst einmal mit einem Bier (light!) auf unsere neue „Identität“ an.

Ulis Papiere sind nun auch so weit und er fährt morgen.
Unsere Sekretärin Eglee hat mir angeboten, ihn zu begleiten, aber ehrlich? Ich gehe lieber arbeiten!

Donnerstag, 19. Februar 2009

Heimatgefühle...




wollten bei unserem Besuch in Colonia Továr nicht so richtig aufkommen.
Es war eher amüsant, all die deutschen Namen und Bezeichnungen zu lesen, die gerne auch mal falsch geschrieben werden oder Dinge zu finden, die als "typisch deutsch" angeboten werden, uns aber in Deutschland nie begegnet sind - wem die "salsa alemana" bekannt ist, der sage es bitte! ;-)

Ein bisschen zur Geschichte des Ortes:

1843 wanderten 358 Bürger aus der Gegend des Kaiserstuhls, vornehmlich aus Endingen am Kaiserstuhl, Forchheim (Kaiserstuhl),Wyhl und Oberbergen über Le Havre nach Venezuela aus. Dort wurden sie nach einigen Wirren an ihrem heutigen Ort angesiedelt. Die Bauern pflanzten Gemüse und Obst an und brauten auch das erste Bier Venezuelas; sie bauten ihre Häuser im Fachwerkstil. Die Dorfgemeinschaft blieb bis 1942 mit eigenen Gesetzen unter sich und geriet nach und nach in Vergessenheit.
Erst nach dem Bau einer Asphaltstraße 1964 hielt die Moderne Einzug in Colonia Tovar. In den 1960er Jahren nahmen die Einwohner der Colonia Tovar, die bis heute ihre Sprache im
alemannischen Dialekt und ihre Traditionen bis hin zur alemannischen Fastnacht (Fasnet) pflegen, wieder engen Kontakt zu ihrer badischen Heimat auf. So kommt es, dass viele Nachfahren ihre Ausbildung in Deutschland machten.

(Quelle: wikipedia.de)

Es gibt schon ein paar sehr schöne, gut erhaltene oder restaurierte Häuser, die auch noch echtes Fachwerk haben. Bei den meisten sind die Balken allerdings nur aufgemalt, die auf den Speisekarten angebotenen Gerichte sind recht venezolanisiert und die angebotenen Produkte von Kitschkunsthandwerk bis Wurstwaren ziemlich überteuert. Klar, stürmen doch jedes Wochenende die Caraqueños, die Bewohner der nahe gelegenen Hauptstadt, den kleinen Ort und seine schmalen Gassen mit ihren Autos und Motorrädern. Und was Autofahren hier bedeutet, hat Uli ja bereits sehr anschaulich geschildert. Das gilt - leider - auch für ein ansonsten ganz putziges Städtchen wie Colonia Továr: Unglaublich viel Verkehr, keine Rücksichtnahme und sehr sehr viel Lärm!

Trotzdem war es ein lohnender Ausflug mit vielen "Guck mal, fast(!) wie zu Hause"-Ausrufen, den wir wiederholen wollen, denn die Umgebung ist wunderschön, das in CT gebraute Bier schmeckt lecker und Erdbeeren gibt es ganzjährig. Das nächste Mal allerdings wochentags.

Dann, so hat man uns versichert, ist es bedeutend ruhiger und das ist uns bedeutend lieber!

Mittwoch, 4. Februar 2009

¡bienvenidos! - Willkommen...


...in meinem Blog.

Für die nächsten 3 Jahre ist für mich und meinen Lebensgefährten Uli Südamerika unsere Heimat, wir wohnen im Norden Venezuelas in Valencia und arbeiten auf einer Grossbaustelle in Morón an der Küste.

Um Familie, Freunde und alle Interessierten auf dem Laufenden zu halten, habe ich dieses Blog eingerichtet, in dem ich (in unregelmässigen Abständen, man möge mir verzeihen) über unser Leben, unseren Alltag hier berichten werde.

Ich freue mich über viele Leser, Kommentare und wer Fragen hat, möge fragen.
Soweit ich sie beantworten kann, werde ich das gerne machen!

Viel Spass!