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Sonntag, 28. März 2010

Erklärungen

Die vergangene Woche war eine Woche der Erklärungen ;-)

Nummer 1:
Wir haben unsere Steuern erklärt, was bedeutend einfacher ist als in Deutschland - die Steuererklärung passt, wenn auch nicht auf einen Bierdeckel, so doch immerhin auf eine(!) DIN-A4-Seite.

Etwas komplizierter wird es, wenn es ans Bezahlen geht. Die Steuern werden hier nicht gleich abgezogen wie in Deutschland, sondern erst mit der Erklärung fällig. Die muss man bis zum 31.03. des Jahres erledigt und auch den fälligen Betrag bezahlt haben. Aber online überweisen? Disculpa, Senora, das geht leider nicht! Bareinzahlung bei der Bank ist angesagt, denn die stempeln dann auch das entsprechende Formular für die eigenen Unterlagen, mit denen man die Zahlung nachweisen kann. Oder man kauft einen speziellen Scheck, ein normaler geht nicht, mit dem man den entsprechenden Betrag entrichtet..Irgendwo muss es ja verkompliziert werden ;-)

Nummer 2:
Hugo Chávez hat am Mittwoch Nachmittag erklärt, dass die semana santa, die Osterwoche, dieses Jahr verlängert wird. Normalerweise sind in Venezuela der Donnerstag und der (Kar)Freitag Feiertage. Dieses Jahr ist das etwas anders - auch der Montag, Dienstag und Mittwoch sind nach Hugos Willen und Gesetz nächste Woche frei. Hätte er sich das nicht eher einfallen lassen können? Dann wären wir bereits auf dem Weg nach Deutschland! Die Idee, die dahinter steckt? Energie sparen und Wählerstimmen sammeln. Es hat noch nicht geregnet, der Guri Stausee trocknet mehr und mehr aus. Und im Herbst sind Wahlen. Die zweite Maßnahme wird sicher Erfolg haben, sehr viele Menschen sind natürlich total begeistert, eine ganze Woche frei "geschenkt" zu bekommen. Ob die Idee des Energiesparens allerdings Früchte trägt? Eher kaum, denn wenn auch die Firmen und Geschäfte schließen, verlängert das die Frist bis zum Kollaps nur unwesentlich. Es muss schon einige Monate regnen, um den Wasserstand des Stausees wieder auf ein ausreichendes Maß zu bringen...

Nummer 3:
War die Erklärung des Dirigenten, dass das heutige Konzert der "festivales cabriales" das letzte der am 01. November begonnenen Reihe sei. Wir waren heute Vormittag im Park, der nicht weit von unserem Haus entfernt ist. Um 11 Uhr begann besagtes Konzert und wir waren wirklich sehr angetan. Verdi wurde zum Auftakt gespielt, Saint Saens Sinfonie folgte und zum Abschluß gab es Beethoven im Doppelpack. Die Ouvertüre Egmont und anschließend "Ode an die Freude". Wir waren vom gesamten Konzert begeistert, aber die Ode an die Freude war das Glanzstück der Vorstellung! Zum Orchester ein 40, 50 Mann starker Chor sowie ein Sopran, ein Mezzosopran, ein Tenor und ein Bariton. Eine tolle Darbietung unter freiem Himmel - wir sind wieder dabei, wenn im November in die neue Saison gestartet wird!



Mit Kollegin Astrid im Park

Mittwoch, 6. Januar 2010

Wenn einer eine Reise tut...

Valencia/Caracas, 18.12.2009:
Um 9 Uhr holt der Fahrer uns ab. Bis Caracas/Flughafen sind es zwar nur rund 160 km und unser Flieger geht erst um 17:30 Uhr, aber man darf nienienie den Fehler machen, den venezolanischen Verkehr zu unterschätzen, schon gar nicht zum Wochenende und erst recht nicht, wenn Feiertage/Ferien vor der Tür stehen. Prompt geraten wir auch noch in der Stadt in den ersten kleineren Stau. Dann geht es aber ganz gut weiter, wie üblich stellenweise etwas zäh fließend, aber wir haben immer noch genug Zeit. Unser Flieger geht um 17:20 Uhr, aber wiederum sollte man WE/Ferien/Feiertage beachten, da ist am Flughafen eine Menge los. Gegen 12 Uhr sind wir da, eigentlich öffnet der Lufthansaschalter auch erst um 12, aber wegen des zu erwartenden Ansturms hat man heute wohl eine Ausnahme gemacht, also auch hier schon "Stau". Rund eine Stunde Wartezeit später sind wir unsere großen Koffer los und zockeln mit Bordkarten und Handgepäck zum nächsten Schalter, an dem wir die Flughafensteuer bezahlen müssen.

Hier geht es schnell, aber das tut es eigentlich immer. Um rund 140 Bolivares (44 Euro) erleichtert, geht es weiter zur Handgepäckkontrolle und in die nächste Schlage zur Emigración, zur "Auswanderung", wo wir neben unseren Pässen und dem Nachweis über die bezahlte Flughafensteuer auch noch ein weiteres Zettelchen vorzeigen und abgeben, auf dem steht, wo wir wohnen, wohin wir fliegen, was wir machen, ob wir wiederkommen usw. usf. Es lebe der Datenschutz Es gibt übrigens hier Schalter für die Extranjeros, die Ausländer, und Schalter für die Venezolanos. Brav deutsch, wie wir sind, stellen wir uns in die Schlange für "unseren" Schalter und lauschen dem eindeutig venezolanischen Geplapper der Leute vor und hinter uns. So sind sie halt...

1,5 Stunden später ist auch das geschafft und wir haben HUNGER! Für mich schon Ritual, in Caracas am Flughafen esse ich bei Burger King und ich liebe es ;-) Es ist 15 Uhr und wir haben immer noch gut 2,5 Stunden bis zum Abflug vor uns - wenn die Maschine pünktlich startet (starten kann). Angeblich soll das zu den Feiertagen klappen, aber das glauben wir erst, wenn wir in der Luft sind! Aber jetzt erstmal flughafenbummeln. Nicht, dass der Flughafen so viel zu bieten hätte und wir nicht so ziemlich jeden Shop schon in- und auswendig kennen würden. Nur sitzen werden wir noch lange genug, also wird hin- und herflaniert und außerdem habe ich meiner Freundin Silvia versprochen, eine Stange Zigaretten mitzubringen. Rein in den duty free und zum Tabakwarenregal und erstmal große Augen gemacht! Ganze DREI Sorten werden dort angeboten und zwei davon sind mir im Leben noch nicht begegnet. Also die Luckys eingepackt und hoffen, dass die den richtigen Qualm machen!

Boarding beginnt heute schon mal pünktlich, aber wir sind immer noch skeptisch. Oft genug fällt es der Guardia Nacional ein, noch mal Fluggäste rauszurufen, eine Etage tiefer zum Gepäck zu bringen und die Koffer öffnen zu lassen. Aber heute geht tatsächlich alles zügig, schon sitzen wir im Flieger und mit nur 10 Minuten Verspätung starten wir Richtung Frankfurt...

Frankfurt, 19.12.2009 (8:30 Uhr)
Ich freu mich, nicht nur, wieder in Deutschland zu sein, sondern vor allem, weil es noch früh genug ist, so dass wir die Maschine nach Düsseldorf um kurz nach elf heute sicher erreichen werden. Die bekommen wir sonst nie und müssen immer umbuchen auf die Mittagsmaschine. Heute allerdings nicht *motz* Die freundliche Lufthansa-Dame in Caracas hat uns direkt auf die späte Maschine gebucht und ich bin stinksauer. Auf den früheren Flieger umbuchen geht nämlich nicht so einfach und dafür sei es auch schon zu spät, wie man uns mitteilt, also müssen wir warten. Ich stürme den duty free und 1 Parfum, 2 Cremes sowie 2 weitere Kosmetikprodukte später geht es mir besser ;-) Als wir dann noch lesen, dass der frühe Flug 2 Stunden Verspätung hat, kann ich schon wieder grinsen. Die knappe Stunde, die unsere Maschine dann auch noch verspätet ist, nehmen wir mit einem Achselzucken hin. Immer noch alles in der Zeit, ich hab doch am Nachmittag um 16 Uhr einen Friseurtermin in Leverkusen. Ein bisschen gereizt werde ich dann allerdings doch wieder, als wir noch eine ganze Weile in der (Außen)Parkposition herumstehen und keiner so recht weiß, warum. Die Damen und Herren Flugbegleiter sind auch nicht besonders auskunftsfreudig und ich beginne bereits zu überlegen, ob ich wohl am Montag vor Weihnachten noch einen neuen Termin zur Verschönerung meines Haupthaars bekommen kann...Aber dann geht es doch endlich los und wir landen nach etwas mehr als einer halben Stunde in

Düsseldorf, 19.12.2009 (14:50 Uhr)
Ok, es wird ein wenig eng, aber wenn ich eine viertel Stunde später komme, ist das sicher noch kein Problem! Wir stehen am Gepäckband und nach einigen Minuten purzeln die ersten Koffer auf's Band. Da ist schon meiner, wow, SO schnell ging das noch nie. Jetzt nur noch der von Uli, ab zur S-Bahn und wir sind schon fast bei Mamiin Leverkusen! Ungefähr 10 Minuten später hält das Band plötzlich an. Ulis Koffer und die von einigen Mitreisenden fehlen allerdings immer noch...Also, ab zur Gepäckermittlung und wieder in die Schlange stellen. Ich überlege kurz, ob ich toben soll oder ob doch ein bisschen von der venezolanischen Gelassenheit, die ich inzwischen gelernt habe, überwiegt und entscheide mich für letzteres. Rufe beim Friseur an, lasse mich von der Schnepfe (ja, sie ist eine!) an der Rezeption mit "meinem" Friseur verbinden und der rettet - im wahrsten Sinne des Wortes - meinen Kopf ;-) Er hat zwar Urlaub ab Montag, aber Kollege Andreas übernimmt, kein Problem. Oder anders, selbst wenn es eines ist, ist mir das gerade ziemlich egal...

Die Dame bei der Gepäckermittlung teilt uns freundlich mit, dass die Maschine, die uns von Frankfurt nach Düsseldorf gebracht hat, eine kleinere Ersatzmaschine war, die nicht alles Gepäck aufnehmen konnte und das Ulis Koffer noch in Frankfurt auf dem Gepäckwagen liegt. Aha, vielen Dank und jetzt? Ok, der Koffer kommt mit der Abendmaschine und wird per shuttle wenn möglich noch heute nach Leverkusen gebracht. Na dann - wir sind gespannt!

Jetzt also Aufbruch zum Flughafenbahnhof, rein in den Skytrain und an der letzten Station wieder raus, durch die Glastür und *brrrrrrrrrrrrrrrrrrrr* erstmal wie angewurzelt stehen bleiben!! Sch****, ist das kalt! Wir sind bei +30 Grad in Venezuela losgeflogen und frieren gerade bei -13 Grad in Düsseldorf fest. Ich hab ja wenigstens meinen Mantel dabei und Haare auf dem Kopp, aber Uli trägt nur einen dicken Pullover, eine Fleecejacke drüber und die Haare? Naja, er trägt jetzt halt immer Sommerfrisur *lol* Die bedecken wir mit meinem Basecap, das ich glücklicherweise im Koffer finde. Endlich, endlich kommt die S-Bahn, ein paar Stationen nur bis Leverkusen-Mitte und da steht Mami und hat das Auto schon vorgeheizt! Reicht aber nicht, wir sind durchgefroren und so ist die erste Aktion nach dem Ankommen Schuhe aus, Socken runter, Hosenbeine hoch und die Eisfüße in ein heißes Fußbad gesteckt! Funktioniert wunderbar und wir tauen langsam wieder auf. Heißer Ingwertee "oben" reingeschüttet hilft auch gut dabei.

Jetzt ist erstmal Ausspannen, Ruhe und Erholen und Erzählen und Weihnachtsnaschen und -Essen und Familie angesagt! Erst seine, dann am 26.12. meine und bei der bleibe ich, allerdings ohne Uli, der mit seinem Sohn verabredet ist, bis zum

31.12.2009 (Osnabrück, 8:30 Uhr)
Es schneit. Dicke weiße Flocke tanzen vor dem Fenster, so richtig hell will es auch nicht werden und wenn ich mir auch Winterwetter gewünscht habe, zum Reisen finde ich das eher lästig! Naja, denke ich mir, Schnee ist nicht so schlimm. Gestern Abend war es zwar glatt, aber du fährst ja mit der Bahn. Vielleicht das Taxi eine Viertelstunde eher bestellen, schon zu 10 Uhr. Es ist nicht so weit zum Bahnhof, aber bei dem Wetter lieber auf Nummer Sicher. Gedacht, getan und unterwegs erzählt mir der mitteilungsfreudige Taxifahrer bereits Dinge, die ich gar nicht hören will. Von einem Ehepaar, die eigentlich mit dem ICE nach Aachen fahren wollten, aber dann wieder heimgefahren sind, weil der ICE nicht fährt. Aachen und Leverkusen ist die gleiche Richtung, verflixt! Am Bahnhof verabschiedet er mich fröhlich "Gute Fahrt oder vielleicht bis gleich" *Aaaargh* Ich ziehe meinen viel zu schweren (1. bin ich Frau, 2. hab ich noch Einkäufe für VEN (und für mich) gemacht) Koffer durch den Schnee, betrete die Bahnhofshalle und schaue auf die Anzeigetafel. 10:37 Uhr, das ist meiner. Oder vielmehr, wäre meiner gewesen. Fällt aus. So wie noch 5 oder 6 oder 7 andere ICE's. Der leichte Regen gestern Abend und die Minustemperaturen in der Nacht haben die Oberleitungen vereist und damit kommen die neumodischen Züge nicht mehr zurecht. Nichts geht mehr und ich bin versucht, gleich wieder umzudrehen, Uli herzubeordern und Silvester in Osnabrück zu feiern.

Dann sehe ich, dass in knapp 15 Minuten der Regionalzug nach Münster fährt. Die guten alten Regiobahnen sind nicht so wetterfühlig, denen macht das bisschen Schnee und Eis nichts aus. Also, erstmal nach Münster, von da weitersehen! Das klappt gut, der Zugbegleiter sagt mir, welche Anschlußbahn ich nehmen kann. Wieder Regio, klar. Dauert zwar länger, fährt aber! Auch in Münster sind zig Züge angeschlagen, die heute nicht fahren. Prost Neujahr, murmle ich, und stehe bald wieder auf dem Bahnsteig in Habachtposition, denn bedingt durch die vielen Ausfälle weichen viele Menschen mit vielen Gepäckstücken auf die wenigen Regionalbahnen aus. Sardinenbüchse trifft es heute wohl eher! Trotzdem schaffe ich es, einen Sitzplatz zu ergattern und habe noch dazu ein nettes Gegenüber, eine Dame aus Bremerhaven, die vor Jahren auch schon mal ein paar Monate in Venezuela verbracht hat. So vergeht die Zeit schnell (trotz Verspätung auch hier) und 10 Minuten vor Leverkusen stehe ich auf und kämpfe mich durch die dicht beieinander stehenden Menschen. Ein paar hilfreiche Fahrgäste reichen meinen Koffer durch (die Frage, ob ich zuhause rausgeflogen bin oder warum ich mit dem Schrank unterwegs sei, überhöre ich) und irgendwie schaffen wir beide es, in Leverkusen-Opladen aus dem Zug zu klettern und Uli in die Arme zu fallen Die letzten Tage in Deutschland verlaufen ruhig, am Nachmittag des 2. packen wir unsere Koffer und bestellen ein Taxi zum Flughafen für den

3.01.2010, 4:30 Uhr (Leverkusen nach Düsseldorf Flughafen)
Es schneit wieder. Die Schneefront hat sich ein paar Tage Zeit gelassen, aber pünktlich zum Abflug ist sie uns nach NRW gefolgt und obwohl es die Nacht von Samstag auf Sonntag ist, sind doch einige Autos auf der Autobahn unterwegs und wir sind - wieder mal - froh, zeitig aufgebrochen zu sein. Um 6:20 Uhr ist Abflug, um viertel vor fünf stehen wir - wieder mal - in der Schlange am check in und kurz darauf in der nächsten in der Kontrolle. Nichts zu meckern, nichts zu kontrollieren, doch, die neu gekauften Boxen müssen einen Extrascan über sich ergehen lassen, aber auch das kein Problem. Wir warten am Gate, die erste Verzögerung wird angezeigt. Klar, bei dem Wetter müssen die ja ständig die Startbahn neu freiräumen. Oder überhaupt erstmal räumen, wie auch immer. 20 Minuten später als geplant steigen wir ein und dann geht los. Das Warten.

Ein LKW soll uns aus der Parkposition schieben, aber die Fahrbahn ist zu glatt, die Reifen drehen durch, er schafft es nicht. Ein anderes Fahrzeug wird geordert. Das dauert und in der Zeit wird einer anderen Maschine der Vortritt gewährt. Endlich klappt es mit dem Schubsen, aber jetzt ist die Startbahn für den Moment geschlossen, das Schneetreiben ist zu heftig. Macht nichts, wir müssen erst noch enteist werden. Da steht aber auch schon ein Flieger in Position, also - warten. Frisch enteist bringt der Kapitän die Maschine in Richtung Startbahn und....hält an. Der arme Kerl hat sich bereits zigfach entschuldigt (er kann doch auch nix für's Wetter!) und jetzt klingt er ziemlich fassungslos, als er uns mitteilt, dass er gerade Order bekommen hat, das Flugzeug wieder in die Parkposition zu bringen. Chaos in Frankfurt, zuviel Schnee auch in Düsseldorf. Unser Flug ist gestrichen *g* Wenigstens können wir (vorerst) den Flieger in FFM nicht verpassen, da geht ja auch nichts. Also, erstmal wieder das Gepäck einsammeln, was eine Weile dauert. Wegen der Glätte kommen die Gepäckwagen nicht an den Flieger, außerdem sind vier große Maschinen auf Düsseldorf ausgewichen und sowieso gerade alles durcheinander und dann verschwindet plötzlich unser Flieger von der Anzeigetafel über dem Gepäckband und der nächste taucht auf, ohne dass wir alle bereits unsere Koffer hätten...Wieder Aufregung, Nachfrage bei der Gepäckermittlung. Missverständnis "draußen", geht gleich *hüstel* weiter. Rund 1,5 Stunden später rauf in die Halle zum Ticketschalter und..na? Richtig, in die Schlange stellen, denn wir sind bei weitem nicht die einzigen, die heute Früh nicht wohin auch immer starten.

Kein Gedanke mehr daran, heute noch nach Frankfurt zu kommen geschweige denn Richtung Caracas zu starten. Montag Früh von Düsseldorf nach Paris und dann mit der Air France weiter. Sei's drum, wir nicken und werden von der netten Lufthansa-Mitarbeiterin im Maritim am Flughafen einquartiert (hat doch alles immer was Gutes, gell?), wo wir lecker brunchen, ich mir nachmittags ein ausgiebiges Bad gönne und von wo wir am nächsten Morgen zwar früh, aber doch ziemlich ausgeschlafen die paar Schritte zum check in marschieren. Wir starten pünktlich (oh Wunder) und die eine Stunde Verspätung wegen technischer Probleme nachher in Paris lässt uns ziemlich kalt In Caracas wartet unser Fahrer auf uns und zwei Kollegen, die mit der Lufthansa (auch verspätet) eingetroffen sind. In der Rekordzeit von nicht ganz 2 Stunden geht es von Caracas nach Valencia und hier sitze ich jetzt am

6.01.2010, 9:30 Uhr (Morón)
an unserem zweiten Arbeitstag. Etwas müde wegen der Zeitverschiebung, etwas traurig, weil die Zeit in Deutschland irgendwie so kurz war und auch etwas froh, wieder zuhause zu sein :-)

Ich wünsche euch allen ein frohes, erfolgreiches, glückliches, entspanntes und harmonisches 2010!

PS: Ich weiss, ich habe mich hier in den letzten Monaten etwas rar gemacht. Viel Arbeit (inzwischen auch samstags) und entsprechend weniger Zeit sowie leider zu wenig schöne Dinge, die es hätte zu berichten geben, haben mich vom Schreiben abgehalten. Aber wozu gibt es Neujahrsvorsätze? ;-) Also - ich gelobe Besserung!

Sonntag, 21. Juni 2009

baby:shower und wer ist eigentlich Paul?

Nein, das ist keine spezielle Dusche für die Kleinsten. Und es regnet auch keine Babies ;-) Obwohl man das gerade fast denken könnte, in meinem direkten und näheren Umfeld: Kollegin Sandra hat eröffnet, dass sie uns in ca. 6 Monaten für eine Weile verlässt, Kollegin Eliana hat letzte Woche einen kleinen Enrique zur Welt gebracht und Maria hat sich vor 14 Tagen in den Mutterschutz verabschiedet. Und für sie werden wir nächstes oder übernächstes Wochenende „baby showern“.

Der Begriff und die Idee kommen, wie sollte es anders sein, aus den Estados Unidos, den Vereinigten Staaten. Ein paar Wochen vor der Geburt werden die Frauen aus dem Familien-, Freundes-, Kollegenkreis eingeladen, normalerweise nicht von der werdenden Mutter selbst, sondern von einer Freundin oder Verwandten. Die baldige Mama schreibt auf, was sie für das Baby noch benötigt oder sich wünscht und die Liste wird unter den Gästen verbreitet. Eingeladen werden übrigens üblicherweise nur Frauen! Höre ich da einen erleichterten Seufzer aus der Herrenwelt? ;-) Ich glaube, Männer haben wenig Sinn für diese Art von weiblichen Zusammenkünften (und Frauen wenig Lust, augenrollende Partner an ihrer Seite sitzen zu haben) und so hat Frau klugerweise von vornherein beschlossen – Väter und solche, die es werden wollen, bleiben draußen!

Ich bin schon sehr gespannt auf diesen Nachmittag, der wahrscheinlich üblich venezolanisch sehr laut und fröhlich, mit viel Gekicher und Geschwätz, verlaufen wird und werde auf jeden Fall anschließend darüber berichten!

Aber nicht nur hier ist Schnulleralarm, auch in Deutschland gibt es Nachwuchs zu begrüßen: Meine Cousine Melanie hat einen kleinen Matti geboren, herzlichen Glückwunsch und alles Gute für euch!

Und für alle, die sich immer schon gefragt haben, wer ist eigentlich Paul (sorry Tina, aber bei DER Vorlage kann man gar nicht anders!):



Das ist der neue Wecker meiner Großcousine Tina und ihres Mannes Thorsten – Paul, geboren am 04.06.2009. Bienvenidos und ich hoffe, ich hab im September Gelegenheit, dich kennen zu lernen!

Donnerstag, 30. April 2009

Home is

where your heart is, sagt man ja...

Und somit sage ich, ich bin wieder Zuhause!

Danke für zwei schöne Wochen an Mutz, Papi, Irmtraut, Burkhard, Mami, Tinchen, Anja, Heidi, Kikki, Tina, Volker (x 2), Konny, Peter, Norma, Pia, Hendrik & Band, Silvia, CK, Manolo, Steffi, Simone und alle, die ich vergessen habe, zu nennen.

Alle konnte ich nicht treffen, die Zeit war einfach zu knapp. Aber ich komm wieder und sooooooo lange dauert es gar nicht mehr bis dahin ;-)

Die Begrüssung im Büro war sehr herzlich, das Mail-Postfach sehr voll und die Müdigkeit heute Abend sehr gross...

In den nächsten Tagen wieder mehr!

Dienstag, 14. April 2009

Urlaub!

Bis zum 29. April verabschiede ich mich erst mal in den "Heimaturlaub"!

Ich freu mich schon sehr auf meine Familie, Freunde, viele Treffen, Mutz' 60. Geburtstag, Tinas -sag ich nicht wievielten-, Körnerbrot, ne Bratwurst, ausführliches Ratschen und Tratschen, Ausgehen, Bluesjam und Kammerkonzert...

Die Zeit wird viel zu kurz sein, das weiß ich jetzt schon!

Aber ganz ehrlich:
Ich freue mich auch schon ein bißchen darauf, wieder hierher zu kommen. Weil ich dann Uli nach drei ziemlich langen Wochen endlich wiedersehe (Zeit ist nicht immer gleich lang, aber wer wüsste das nicht? ;-)) und auch auf die Arbeit. Der Job ist toll, meine/unsere Kollegen sind klasse und ich bin gerne hier und auch ein wenig stolz, in diesem Projekt mitzuarbeiten.

Und ja, wenn ich zurück bin, schreibe ich endlich mal was zum Job, zu den Kollegen, zum Arbeitsalltag eben.

Versprochen!

Hasta pronto...

Sonntag, 29. März 2009

Schreibfaul

mag ich ja sein, untätig deswegen noch lange nicht:

Wir sind früh aufgestanden, waren bereits auf dem Casupo (dem kleinen Berg am Stadtrand) und ich hab gebacken - hier das Ergebnis:



Lecker, hm? Und das riecht so gut!

Eines davon ist für uns, eines werde ich morgen mit ins Büro nehmen und meinem Kollegen Guillermo schenken. Seine Frau ist gerade von ihrem eigentlich gemeinsamen Wohnort nach Valencia umgesiedelt, die beiden haben viel Stress gehabt in den letzten Wochen und zum Einzug verschenkt man doch Brot und Salz (gibt es dazu, klar), nicht wahr? ;-)

Sonntag, 15. März 2009

Mérida (2)

Nachdem wir am Samstag zurück in der Posada sind und Katrin noch einmal nach dem “richtigen Weg” bzw. der genauen Dauer der Wegstrecke gefragt haben (wir hätten noch 15, 20 min weiter fahren müssen..), beschliessen wir, am Sonntag früh aufzustehen, vormittags ein bisschen im El Valle zu wandern und am Nachmittag den Paraglidingflug zu machen. So weit, so mal wieder nicht Venezuela und seine (Un)sitten und Gebräuche einkalkuliert: Wie schon erwähnt, es ist das Karnevalswochenende und das bedeutet Fiesta! Und Fiesta bedeutet Musik und die hört man natürlich laut. An Schlaf ist nicht zu denken, und nachdem auf meinem Nachtschrank noch eine Kakerlake auftaucht, sind wir beide gründlich bedient. Gegen 4 Uhr wird es doch endlich ruhiger, aber wie geplant noch vor 7 Uhr aufzustehen, schaffen wir nach der Nacht beide nicht. Ich hätte grosse Lust, wieder zurück zu fahren, bin dann aber nach der Dusche – Regenwaldfeeling unter einem grooooossen Brausekopf – wieder etwas besänftigt und halbwegs wach.

Wir gehen in das Frühstückszimmer und werden sehr nett begrüsst von Katrin und der Küchenfee. Eine solche ist sie wirklich, denn das Frühstück, das sie uns auf den Tisch zaubert, lässt endgültig die nervige Nacht und den unliebsamen Besuch auf dem Nachtschrank vergessen. Duftender Kaffee, frisch gepresster Saft, Aufschnitt und Käse hübsch angerichtet auf einem Teller, leckere Marmelade und die regionalen/venezolanischen Spezialitäten: Arepas, die hier in den Anden aus Weizenvollkornmehl gemacht werden und viel besser schmecken, Natilla, eine Creme ähnlich Crème fraiche und Perico, ab sofort unsere erklärte Lieblingsvariante von Rührei: Mit reichlich Tomatenstückchen und Zwiebel darin. Zum “Nachtisch” gibt es noch einen Obstteller mit Papaya, Melone, Ananas und – die einzige kleine Enttäuschung für mich – Banane nebst Bananenbrot. Aber Uli ist grosszügig und überlässt mir seine Melone im Tausch gegen meine Banane…

Jetzt vollends mit dem Tag versöhnt, fahren wir Richtung El Valle. Die Sonne scheint, aber es ist hier oben noch nicht zu warm, zumal hier immer ein leichter Wind weht. Ausser uns sind noch ein paar kleinere Gruppen unterwegs, wandernd wie wir oder, wie zumindest eine kleine Truppe ganz offensichtlich, nach der letzten Karnevalsnacht noch gar nicht zu Hause oder im Hotel gewesen…Deren Feier dauert noch an, mit Musik, na klar. Was uns daran und überhaupt gefällt: Die Venezolaner hören fast ausschliesslich Latinomusik. Salsa, Reggae, Reggaeton, in jedem Fall spanischsprachig. Sicher läuft auch hier die amerikanische/englische Top 40 im Radio und auf den Musiksendern (ich hab sogar im Supermarkt mal die Sportfreunde Stiller aus dem Lautsprecher dudeln hören – da war ich platt!). Aber die eigene Musik überwiegt und das ist auch gut so. Naja, jedenfalls so lange die Lautstärke halbwegs erträglich ist und einem nicht den Schlaf raubt ;-)

Nach ungefähr 2 Stunden treten wir den Rückweg an, wir wollen zeitig wieder in Mérida sein, noch etwas verschnaufen und dann zum Treffpunkt mit unserem Flight-Guide. Inzwischen ist deutlich mehr los auf dem früh noch recht ruhigen Wanderweg, Touristengruppen auf Maultieren, noch mehr Musik und rechts am Weg zig Stände mit allem, was man mehr oder weniger als andine Kunst anbieten kann, von Ponchos, zu Aschenbechern oder sonstigen Behältnissen gehämmerten Blechbüchsen (der Hersteller derselben sieht ziemlich amerikanisch/europäisch aus) über Schuhen (naja, eher Latschen) und Schmuck, Schmuck, Schmuck. Ich hab auch was gekauft, aber mehr verrate ich nicht, kann ich hier nicht ;-)

Kurze Aufregung noch, weil unser Auto eingeparkt ist. SO venezolanisch denken wir noch nicht, dass wir – eine Verabredung im Kopf – gelassen bleiben, wenn wir nicht vom Fleck kommen! Aber kein Grund zur Sorge, der Fahrer des anderen Wagens hat uns schnell entdeckt und lässt uns “frei”. Wieder in Mérida, halten wir uns nur noch kurz in der Posada auf. Hunger haben wir beide nicht, wobei bei mir nicht allein das üppige Frühstück verantwortlich ist, sondern sich vielmehr Aufregung breit macht. Eigentlich hab ich ab 1,50 m über dem Boden eine Heidenangst (ausser im Flugzeug) und heute Nachmittag will ich, nur an ein paar an einem hauchdünnen Stück Stoff befestigten Strippen hängend, rund 1.000 Höhenmeter überwinden. Ich erkläre mich selbst für verrückt, aber kneifen gilt nicht, das wäre mir jetzt zu blöd.

Wir sind etwas zu früh, aber unser Guide ist bereits da, es kann gleich losgehen. Miguel ist witzig, redselig und fliegt schon seit über 20 Jahren. Gut, dann versteht er sein Geschäft und mir wird etwas wohler. Bilde ich mir ein, denn Uli grinst mich an, weil ich gedankenversunken seine Hand ziemlich fest drücke. Doch nervöser, als ich zugeben will, aber er gesteht mir, dass er auch ein bisschen aufgeregt ist. Uli hat zwar schon einen Flug hinter sich (sogar allein), aber das ist einige Jahre her und es waren “nur” 50 m. Das hier ist doch spannender. Und vor allem höher! Aber erstmal geht es runter, aus dem Zentrum von Mérida raus. Mit uns fährt noch ein Junge von ca. 14 Jahren, ebenso nervös wie ich, er tut nur cooler. Unterwegs sammeln wir Pablo ein, ein weiterer Flight-Guide, der sich im Augenblick noch wortkarg hinter seiner Sonnenbrille versteckt. Miguel redet umso mehr, alles verstehen wir allerdings nicht, was nicht nur an unseren mangelnden Spanischkenntnissen sondern auch an seinem manchmal schwer verständlichen Englisch liegt. Dass wir, bevor wir zum Abflugort fahren, noch einen anderen Treffpunkt ansteuern, an dem wir das Equipment einsammeln und andere Paraglider treffen, verstehen wir aber.

Allein hätten wir diese beiden Strassenzüge abseits der Hauptstrasse sicher nicht angesteuert. Und trotz der Anwesenheit von Miguel und Pablo ist uns nicht so wohl zumute, zumal die beiden ziemlich plötzlich erstmal verschwunden sind. Während Uli allein durchaus als Venezolaner durchgehen würde (meine Friseurin war ganz erstaunt, als ich ihr sagte, er wäre ein Aleman wie ich), hat er mit mir an seiner Seite schlechte Karten. Unvenezolanischer geht es kaum und ich habe eigentlich überall, wo wir hingehen, erst einmal die Aufmerksamkeit aller. In diesem Fall leider auch die eines deutlich Betrunkenen, der am hellichten Nachmittag mit einer fast geleerten Flasche unterwegs billigen Whiskeys ist und uns anquatscht. Fällt es uns sowieso oft schwer, die schnell sprechenden Venezolaner und ihre Dialekte zu verstehen, haben wir bei einem lallendem Betrunkenen schon gar keine Chance. Abgesehen davon auch kein Interesse! Pablo taucht wieder auf und redet auf den Burschen ein, der wankend verschwindet. Geld wollte er, für ein Bier, erklärt Pablo und sagt uns, dass es viele, sehr viele Alkoholiker im Land gibt, speziell in den unteren Schichten. Sicher, Chavéz vom Grundgedanken her gut gemeinte “Misiones” haben (und werden) nicht alle im Land erreicht, dafür sorgt schon die allgegenwärtige Korruption (die eigentlich auch mit Hilfe der Misiones bekämpft werden sollte…).

Wir werden langsam nervös, der Aufenthalt hier dauert schon viel zu lang und es wird immer später. Nicht, dass es am Ende schon zu dunkel sein wird um zu starten?! Aber Miguel beruhigt uns, alles kein Problem. Gleich geht es los, wir mussten nur warten, bis der Wind sich beruhigt, der ist ziemlich stark heute Nachmittag. Und dann geht es endlich los! Zu uns ins Auto hat sich noch ein Mann unbestimmten Alters gesellt, er könnte 70 sein, aber auch schon 85. Er wird nachher, wenn wir mit dem Gleitschirm runterfliegen, das Auto zu unserem Landepunkt bringen. Aber jetzt fahren wir erst einmal hinauf! Allein der Weg nach oben sorgt bei mir schon für jede Menge Adrenalin. Die Strasse ist schmal, unser Geländewagen recht breit, wir haben einigen Gegenverkehr und Miguel fährt…na eben venezolanisch ;-) Aber wir kommen heil oben an und ich hab Zeit, richtig nervös zu werden: Es sind viele Leute hier, viele mit Gleitschirmen und Miguel erklärt uns, dass die Gruppe, deren Flieger wieder hier auf dem Plateau landen und nicht wie wir nach unten fliegen, vor uns starten werden. Miguel wird mit dem Jungen fliegen, Pablo mit mir und Ulis Guide wartet schon hier oben. Wir haben immer noch eine gute ¾ Stunde Wartezeit vor uns und können den anderen ganz genau beim Starten zusehen…

Aber vor den Paraglidern starten 2 Drachenflieger und mir wird ziemlich mulmig zumute, als ich die beiden nacheinander auf den Abhang zulaufen und 1 Sekunde später in der Luft schweben sehe. Die beiden sind Profis und es macht richtig Spass, ihnen beim Fliegen zuzusehen.
Jetzt bereiten sich die ersten Gleitschirmflieger vor. Schirme werden ausgebreitet, Helme verteilt und merkwürdige, sitzsackähnliche Gebilde umgeschnallt. Uli macht eifrig Fotos, vom “Ankleiden”, Anschnüren von Guide und Mitflieger und den ersten Starts. Dann ist es soweit, jedenfalls für ihn. Sein Guide ruft ihn, schnell noch die Kamera ins Auto und er wird präpariert für den Flug. Während ich noch zusehe, winkt Pablo nach mir, es wird ernst. Vorerst setzt er mir aber nur den Helm auf den Kopf und gurtet mir den merkwürdigen Sitzsack um. So ausstaffiert, hab ich noch Zeit, Ulis Start zu beobachten und ich muss sagen, ich hab ganz schön Herzklopfen, als ich ihn in die Lüfte abheben sehe. Hoffentlich geht alles gut! denke ich noch und da gibt Pablo mir auch schon ein Zeichen, jetzt bin ich an der Reihe…Fest an meinen Guide geschnallt, der wiederum mit den zig Schnüren des Schirms, die nach unten zusammenlaufen, verbunden ist, warte ich auf den Moment des Abhebens. Wir müssen nicht den Hang runterlaufen (das war meine grösste Sorge) und ins “Nichts” springen; der Wind ist stark genug, uns direkt nach oben zu tragen. Nur die Richtung muss stimmen und das tut sie gerade scheinbar nicht. 3 weitere Guides helfen Pablo, den ausgebreiteten Schirm, an dem der Wind zerrt, zu bändigen. Einen Moment lang denke ich, ok, halt, ich will nicht mehr. Aber kaum zu Ende gedacht, reisst es mich von den Füssen und es geht aufwärts. “Sientate” (setz dich), ruft Pablo gegen Wind und ich versuche, mich mit so wenig Bewegung wie möglich in dem Sitzsack zu positionieren.

Dann hole ich tief Luft und schaue mich um. Und – nach unten! Unglaublich, wie hoch über dem Plateau wir nach ein paar Sekunden schon schweben. Und unglaublich, wie still es hier oben ist, abgesehen vom Rauschen des Windes. Ich bin noch nicht sicher, ob ich Angst habe oder einfach geniesse, entscheide mich aber für Letzteres und lasse mich ganz auf das Schweben ein. Wunderschön ist das und ich höre zwar Pablos Erklärungen, was in dieser oder jener Himmelsrichtung zu sehen ist, aber es kommt nicht so richtig bei mir an. Zu gefangen bin ich in dem Gefühl von Schwerelosigkeit, das ich am liebsten noch stundenlang erleben möchte. Nur 2 Dinge halten mich davon ab: Der Flug ist begrenzt auf 30 bis 40 Minuten. Und mein Magen, der inzwischen scheinbar mitbekommen hat, dass alles etwas anders ist, meldet leisen Protest an. Eine Weile kann ich das noch ignorieren, die Sicht, die Eindrücke und Pablos Stimme lenken mich ab. Aber dann muss ich mich schweren Herzens entscheiden und bitte Pablo, jetzt langsam unseren Landeplatz anzusteuern. Uli hat bereits wieder festen Boden unter den Füssen und beobachtet unseren Landeanflug. Kurz vor der Landung muss ich “aufstehen” und als meine Füsse den Boden berühren, muss ich laufen. Ein paar Schritte nur, aber es fühlt sich merkwürdig an und ich bin froh, dass Ulis Guide mir entgegenkommt und mich auffängt. Er und Pablo nehmen mir Helm und Sitzsack ab und ich stolpere zu Uli, der ganz entspannt auf dem Boden sitzt. Mit zitternden Knien setze ich mich neben ihn und auf seine Frage “Und, wie war’s?” öffnen sich die Schleusen…Ich bin völlig überwältigt und die Tränen laufen mir übers Gesicht. Es dauert eine Weile, bis ich mich wieder beruhigt habe, die Nervosität vor dem Flug, das Gefühl währenddessen – das hat mich ziemlich mitgenommen. Uli ist zwar nicht weniger begeistert als ich, aber trotzdem gelassener. Wir entscheiden uns, nicht mit dem Auto zu dem Treffpunkt zurückzufahren, sondern zu laufen – wir sind nur ein paar Hundert Meter von den 2 kleinen Strassen entfernt, in denen wir uns schon vor dem Flug aufgehalten haben. Hier gibt es noch ein Getränk, ein paar Worte werden gewechselt und dann geht es zurück nach Mérida. Gegen halb Neun sind wir wieder in unserer Posada, erschöpft, aber sehr zufrieden mit dem Tag. Hunger habe ich überhaupt keinen, Uli geht es nicht anders.

Also entscheiden wir uns für frühes Aufstehen und gehen schlafen. Nach dem Tag fallen uns beiden schnell die Augen zu und in meinem Traum fliege ich noch einmal…

Sonntag, 8. März 2009

Die Anden: Mérida (1)

Zitat: “Mérida ist ein entzückender Ort, der zu einem geruhsamen Bummel einlädt.” Zitat Ende

So steht es in unserem Reiseführer zu lesen und dieser Satz hat sich in meinem Kopf festgesetzt und entsprechende Erwartungen an das Zentrum der Andenregion geprägt. Ein Bild bergdörflicher Idylle hab ich mir ausgemalt und mich entsprechend drauf gefreut, nur 2 Dinge habe ich dabei übersehen: Mérida hat rd. 310 000 Einwohner und es ist eben auch Venezuela. Noch dazu zu Karneval (obwohl uns jeder sagte, alle Welt würde an die Küste feiern…) voll(er) und laut(er) als ohnehin schon.

Aber ich berichte von Anfang an:

Freitag Früh, 7:30 Uhr. Wenn alles gut läuft, haben wir in 8 – 9 Stunden Fahrt unser Ziel erreicht. Es ist hier normal, für ein (verlängertes) Wochenende einen halben Tag im Auto zu verbringen, um sein Ziel zu erreichen, wir haben allerdings eine Übernachtung eingeplant. Wir hätten zwar auch fliegen können, aber wir wollen das Land kennenlernen, sehen, wie sich von Kilometer zu Kilometer, von Ort zu Ort die Landschaft verändert.
Wie üblich, läuft nicht alles so gut wie erhofft ;-) Barquisimeto, die viertgrösste Stadt Venezuelas, bietet am späten Vormittag chaotischen Stadtverkehr, so dass wir uns erstmal verfahren und eine gute Stunde verlieren. Sei’s drum, die Uhren gehen hier anders und es lohnt nicht, sich zu ärgern. Auch, dass wir ungefähr eineinhalb Stunden später feststellen, dass wir in Barquisimeto die Abfahrt auf die eigentlich geplante Route verpasst haben (dank der schlechten Beschilderung in der Stadt), bringt uns nicht mehr aus der Ruhe: Es führt noch eine andere Strecke nach Mérida, kein Problem.

Angekommen in Valera, der grössten Stadt des Bundesstaates Trujillo, wo wir übernachten wollten, macht sich erst einmal Enttäuschung breit. Wir sind zwar bereits in den Anden (wenngleich noch nicht sehr hoch), aber hier wollen wir auf keinen Fall bleiben. Nichts Schönes zu sehen, nichts, was zum Bleiben veranlassen könnte. Also beschliessen wir, weiterzufahren, entweder bis Mérida in einem “Rutsch” oder vorher noch eine nettere Übernachtungsmöglichkeit am Weg zu entdecken und dort zu bleiben. Es gibt eine Menge Posadas (vergleichbar mit deutschen Privatpensionen) in Venezuela, speziell in den Feriengebieten, da wird sich bestimmt etwas finden.

Weiter geht es, höher in die Anden hinauf – Valera liegt gerademal auf knapp über 1.000 m – und endlich stellt sich auch das Gefühl ein, in den Bergen zu sein. In La Puerta, dem Tor zu den Anden, und auf der Weiterfahrt von dort, gefällt es uns immer besser und wir geniessen die mehr und mehr spektakulären Blicke, je höher die Strasse führt und die klare, frische Luft, die wir aus Valencia und Morón nicht kennen.

Auf ungefähr 4.000 m Höhe, wir haben schon Wolken unter uns, halten wir an, um auszusteigen und ein Foto zu machen. Ich mache nur ein paar Schritte und merke, wie mir schwindelig wird, fast schon übel. Die Luft hier oben ist merklich dünner und wir setzen uns schnell wieder ins Auto, um weiterzufahren. Am späten Nachmittag kommen wir in Mucuchies, einem kleinen, nicht besonders schönen Ort, an. Aber – an der Hauptstrasse steht ein Hotel, das einen ordentlichen Eindruck macht und wir haben beide keine Lust mehr, die letzten 60 km zu fahren. Klingt nicht besonders weit, aber die kurvigen Bergstrassen verlängern die Fahrtzeit doch deutlich und es wird bereits dunkel. Also checken wir im Hotel ein, laufen ein bisschen durch den Ort und lassen uns abends in einem guten Restaurant die erste venezolanische Andenforelle (spanisch: Trucha, und typisch für diese Region), sehr lecker zubereitet mit Kräutern und Knoblauch, schmecken.

Früh am nächsten Morgen brechen wir auf, wir haben uns entschlossen, nicht im Hotel zu frühstücken. Es gibt zahlreiche Cafetins und kleine Restaurants an der Strasse, die ein typisch venezolanisches und damit sehr reichhaltiges Frühstück anbieten: Carne mechada (in Fasern gerupftes, mit Tomaten, Zwiebeln, Knoblauch und Gewürzen gebratenes Rindfleisch) mit Caraotes negros (schwarze Bohnen) und geriebenem Käse. Dazu werden Arepas gereicht, kleine runde Maismehlfladen, die man eigentlich aufschneidet und mit Fleisch, Bohnen und Käse füllt und dann versucht, unfallfrei hineinzubeissen ;-) Wir mögen Arepas nicht besonders, also verzichten wir und widmen uns dem “Rest” und dem leckeren Kaffee, der – venezolanische Strassencafés machen sich keine grossen Umstände - in kleinen Plastikbechern serviert wird.

Nach dem Frühstück, das eine Mahlzeit für den ganzen Tag ist, fahren wir die letzten Kilometer bis Mérida durch, an dessen Stadtgrenze wieder mal heftig in verschiedene Richtungen gestikulierende Polizisten der Guardia Nacional stehen. Macht nichts, der Verkehr fliesst trotzdem, wenn auch langsam. Es ist eben Karnevalswochenende und wie in Deutschland bedeutet das, in Teilen des Landes wird auch am Montag und Dienstag nicht gearbeitet. Dementsprechend sind die Strassen des Zentrums voll, es wird allenthalben gehupt (aber nie unfreundlich ;-) und wir brauchen ein Weilchen, bis wir unsere Posada gefunden haben. Das Strassensystem hier ist in den meisten Städten denkbar einfach: Schachbrettmuster und die Strassen sind Einbahnstrassen, immer abwechselnd in der Richtung und durchnummeriert in alle Himmelsrichtungen.

Wir lassen unser Gepäck erst einmal im Auto, klingeln an der Pforte der Posada Casa Sol, die Tür wird per Knopfdruck von innen geöffnet und ohhhhh…
Die Posadabetreiberinnen sind Schweizerinnen und die den Schweizern eigene Ordnung und Gründlichkeit ist hier sehr sichtbar. Aber nicht nur das, hier hat jemand mit viel Liebe zum Detail und viel Phantasie ein Refugium geschaffen, das man inmitten des hektischen Stadtzentrums nicht erwartet hätte. Wir haben uns zwar vorher schon Bilder der Posada im Internet angeschaut, aber die Realität übertrifft alle Erwartungen. Die beiden Mädels am Empfang sind sehr nett, sprechen Englisch, sind aber auch geduldig mit unserem Spanisch, die Verständigung klappt einwandfrei. Tatsächlich haben einige Menschen hier in Mérida eine deutlichere, langsamere Aussprache als in Valencia, das macht es für uns etwas einfacher.

Unser Zimmer ist noch nicht ganz bezugsfertig, aber das macht nichts. Wir bekommen einen Kaffee gebracht, den wir in dem kleinen, sonnendurchfluteten Patio trinken und dann schauen wir uns erst einmal um. Terrazzoboden, Bilder an den Wänden, ein Bassin mit (lebender) Schildkröte, ein gemauertes Wasserbecken mit einer interessanten Metallinstallation, alles sehr einfallsreich und schön gestaltet. Ein gemütlicher Frühstücksbereich, an den sich ein kleiner Innenhof anschliesst, der von einem alten Avocadobaum beherrscht wird. Wir sind begeistert und der erste Eindruck von Mérida wird gerade wieder aufpoliert.

Nachdem wir unser Zimmer bezogen haben, ziehen wir los, um den besagten “geruhsamen Bummel durch den entzückenden Ort” zu machen. Na, Pustekuchen – es ist heiss, in den engen Strassen staut sich die Hitze und wie üblich ist es laut und voll. Ok, wir lassen uns davon nicht beeindrucken, zumal wir gerade ein Schild einer Posada entdecken, die auch Touren anbietet. Und: "Wir sprechen Englisch und Deutsch" steht auf dem Schild. Sehr praktisch, wir gehen rein, um uns einen Überblick über das Angebot zu verschaffen. Mérida gilt als das Aktivsportzentrum des Landes, da wird doch sicher auch für uns etwas dabei sein. Die junge Dame, die uns die Touren/Ausflüge erklärt, ist sehr nett und hilfsbereit. Aber danke, eine Tagestour im Bus mit einer kleinen Zwischendurchwanderung? Wir haben gerade einen ganzen Tag im Auto verbracht, das muss also nicht sein. Canoying? Hm, schon eher. Wandern und anschliessend Baden in heissen Quellen, eine nette Option, aber wir haben kein Badezeug dabei. Ein Tandem-Paraglidingflug?! Das wollte ich schon immer mal machen, wenn ich auch bei dem Gedanken, es jetzt wirklich in die Tat umzusetzen, arg Herzklopfen bekomme. Aber noch haben wir uns nicht entschieden, wir nehmen den Zettel mit den verschiedenen Möglichkeiten mit, schlendern noch ein bisschen durch die Strassen und finden ein kleines, vegetarisches Lokal, in dem auch frische Fruchtsäfte angeboten werden. Guayaba (das sind die schrumpeligen Dinger, die ich auf dem ersten Foto hier im Blog in der Hand halte) für mich, Parchita (Maracuja oder Passionsfrucht) für Uli. Lecker und sehr erfrischend. Wir besprechen noch mal die verschiedenen Möglichkeiten und stellen fest, dass wir durchaus alleine wandern können, heisse Quellen auch von Valencia aus gut erreichbar sind und die Bustour sowieso nicht infrage kommt. Also fällt die Entscheidung zugunsten des Paraglidingfluges und obwohl mir das Herz gerade noch mal in die Hose rutscht, will ich jetzt nicht mehr kneifen!
Also wieder zurück zur Posada und 2 Tandemflüge gebucht für den nächsten Nachmittag. Anschliessend, Aufregung macht hungrig, essen wir etwas (Forelle, na klar) und fahren dann mit dem Auto weiter in die Berge hinauf. Tipp von Katrin, die die Posada betreibt: Das El Valle, “Das Tal”, ist “nicht weit den Berg hinauf und da könnt’s ein bisschen laufen, das geht ganz gut da” hat sie gesagt. Wir fahren eine gute ¾ Stunde rauf, aber ausser ein paar Häusern rechts und links ist nichts zu sehen. Kein Parkplatz oder irgendein Hinweis darauf, dass hier ein Wanderweg beginnt.

Etwas entnervt drehen wir um und kehren noch in eines der Lokale ein, das etwas abseits der Strasse liegt. Kaffee und Pfirsiche (aus der Dose…) für Uli und ein Calentao für mich. Ein andines Heissgetränk mit vielen Kräutern, Honig und einem Schuss Alkohol, wärmt gut durch und schmeckt sehr lecker! Beruhigt ausserdem, mich jedenfalls, da meine Gedanken doch immer wieder zu dem bevorstehenden Flug abschweifen.

Aber davon in den nächsten Tagen mehr!

Donnerstag, 19. Februar 2009

Heimatgefühle...




wollten bei unserem Besuch in Colonia Továr nicht so richtig aufkommen.
Es war eher amüsant, all die deutschen Namen und Bezeichnungen zu lesen, die gerne auch mal falsch geschrieben werden oder Dinge zu finden, die als "typisch deutsch" angeboten werden, uns aber in Deutschland nie begegnet sind - wem die "salsa alemana" bekannt ist, der sage es bitte! ;-)

Ein bisschen zur Geschichte des Ortes:

1843 wanderten 358 Bürger aus der Gegend des Kaiserstuhls, vornehmlich aus Endingen am Kaiserstuhl, Forchheim (Kaiserstuhl),Wyhl und Oberbergen über Le Havre nach Venezuela aus. Dort wurden sie nach einigen Wirren an ihrem heutigen Ort angesiedelt. Die Bauern pflanzten Gemüse und Obst an und brauten auch das erste Bier Venezuelas; sie bauten ihre Häuser im Fachwerkstil. Die Dorfgemeinschaft blieb bis 1942 mit eigenen Gesetzen unter sich und geriet nach und nach in Vergessenheit.
Erst nach dem Bau einer Asphaltstraße 1964 hielt die Moderne Einzug in Colonia Tovar. In den 1960er Jahren nahmen die Einwohner der Colonia Tovar, die bis heute ihre Sprache im
alemannischen Dialekt und ihre Traditionen bis hin zur alemannischen Fastnacht (Fasnet) pflegen, wieder engen Kontakt zu ihrer badischen Heimat auf. So kommt es, dass viele Nachfahren ihre Ausbildung in Deutschland machten.

(Quelle: wikipedia.de)

Es gibt schon ein paar sehr schöne, gut erhaltene oder restaurierte Häuser, die auch noch echtes Fachwerk haben. Bei den meisten sind die Balken allerdings nur aufgemalt, die auf den Speisekarten angebotenen Gerichte sind recht venezolanisiert und die angebotenen Produkte von Kitschkunsthandwerk bis Wurstwaren ziemlich überteuert. Klar, stürmen doch jedes Wochenende die Caraqueños, die Bewohner der nahe gelegenen Hauptstadt, den kleinen Ort und seine schmalen Gassen mit ihren Autos und Motorrädern. Und was Autofahren hier bedeutet, hat Uli ja bereits sehr anschaulich geschildert. Das gilt - leider - auch für ein ansonsten ganz putziges Städtchen wie Colonia Továr: Unglaublich viel Verkehr, keine Rücksichtnahme und sehr sehr viel Lärm!

Trotzdem war es ein lohnender Ausflug mit vielen "Guck mal, fast(!) wie zu Hause"-Ausrufen, den wir wiederholen wollen, denn die Umgebung ist wunderschön, das in CT gebraute Bier schmeckt lecker und Erdbeeren gibt es ganzjährig. Das nächste Mal allerdings wochentags.

Dann, so hat man uns versichert, ist es bedeutend ruhiger und das ist uns bedeutend lieber!