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Freitag, 5. März 2010

Abschied

gehört auf einer Baustelle auch dazu und ich gebe zu, es fällt mir nicht leicht.

Letzten Freitag haben wir unseren civil engineer Stephan verabschiedet. Sein Part ist erledigt, sein Vertrag beendet, es geht jetzt weiter auf die nächste Baustelle. Schade, er fehlt schon ein bißchen mit seinem frechen Mundwerk!

Und noch mehr unser reformer specialist, der ganz plötzlich wegen Krankheit nach Deutschland zurück musste und auch nicht mehr zurückkehren wird. Ich vermisse ihn sehr, unsere nachmittägliche Kaffeerunde ist um einen lieb gewonnenen Gesprächspartner ärmer geworden und auch in den Samstagabendrunden, bei den Feiern und Unternehmungen fehlt er einfach. Ich wünsche ihm sehr, dass er wieder vollkommen gesund wird und hoffe, wir bleiben in Kontakt!

Sicher, ich höre immer wieder, so ist das nun mal auf einer Baustelle, noch dazu im Ausland. Einer geht, der nächste kommt. Ein Gewerk ist abgeschlossen, der Verantwortliche wird nicht mehr gebraucht, ein neues beginnt, der nächste Kollege kommt. Und wird auch wieder gehen. Weiß ich alles, aber trotzdem muss es mir nicht gefallen, oder?

Sonntag, 7. Februar 2010

Was sonst noch passierte...

Letzten November hatte ich für einige Wochen einen heimlichen Freund. Genau genommen hatte ich sogar zwei, der eine hat mich beschenkt und dem anderen habe ich - ganz untypisch - Geschenke gemacht. Ganz offiziell, mit Ulis Wissen ;-) Das gesamte Büro hat's gewusst (ok, nicht, wer es war), und fast alle haben das gleiche Spielchen getrieben wie ich auch...

In der Weihnachtszeit spielt man in Venezuela, ich glaube, überall in Südamerika, in Schulen, Büros, Vereinen, Clubs, wo auch immer, "amigo secreto" (heimlicher Freund) und das funktioniert so:

Gestartet wird das Spiel meistens Mitte, Ende November. Man zieht ein Los, auf dem der Name des heimlichen Freundes steht, den man in den nächsten Wochen beschenken wird. Bei uns in der Büroküche stand eine großer, bunt beklebter Karton, in den hat man, möglichst jeden Tag, ein Geschenk für seinen amigo secreto gelegt. Nichts Großes, eine Süßigkeit, einen Apfel, eine weihnachtliche Kerze...Der ein oder andere hat auch schon mal eine Dose Bier gefunden oder ein "Herrenmagazin" ;-) Oft genug gab's großes Hallo, wenn jemand das Päckchen mit seinem Namen versehen aus der Box geholt und vor allen anderen ausgepackt hat!

Mein amigo secreto hat sich Zeit gelassen, 4 Tage lang habe ich jeden Morgen vergeblich in den Karton geschaut und nie war etwas für mich dabei. Die venezolanischen Kollegen haben mich schon bedauert, weil mein Gesicht jeden Tag ein bißchen länger wurde - ich hatte mich doch so auf das Spiel gefreut!
Am 5. Tag dann endlich war es soweit und ich habe ein hübsch verpacktes kleines Päckchen aus der Box gezogen und mich wie ein kleines Kind über den (Kinder)Ring mit dem rosa Steinchen gefreut. Ein bißchen was zum Naschen gab es auch noch dazu.

So geht es in den nächsten Wochen weiter. Eine Schokolade, ein Lesezeichen, ein frecher Spruch (der die venezolanischen Mädels höchst empört hat!) - ich habe jeden Tag auf's Neue meinen Spaß daran, in den großen Karton zu gucken und begeistert meine "Beute" herumzuzeigen. Oder einen Flunsch zu ziehen, weil nichts für mich dabei war ;-)

Der 11. Dezember ist der Tag der Auflösung und des großen Wichtelns! Venezolanisch fröhlich-laut-bunt und mit Geschenken, die sich gegenseitig an Witz und auch an Wert übertreffen. Lustig ist es und das hübsche kleine Armband, das mein (expat) Kollege Uli mir geschenkt, gefällt mir sehr gut. Ich staune über die Präsente, die manch einer auspackt; die Venezolaner schenken zu solchen Anlässen durchaus (und gern) Kleidung wie Hosen, Hemden oder T-Shirts und keiner findet etwas dabei, wenn unser Küken William (23) unserer Reinigungskraft Hilda (48) eine schicke Umhängetasche schenkt, aus der sie noch 2 Jeans zieht. Parfüms, Alkohol, Modeschmuck - man ist großzügig untereinander und ich frage mich schon, wie der ein oder andere sich das finanziell erlauben kann. Die Gehälter stehen in ihrer Höhe in keinem Verhältnis zu den - ständig steigenden - Preisen und wenn unserer Firma hier auch überdurchschnittlich gut bezahlt, verdienen doch die wenigsten unserer locals Reichtümer.

Aber für den Moment schiebe ich den Gedanken an die soziale und wirtschaftliche Lage der lokalen Kollegen, des Landes beiseite und freue mich einfach über die ausgelassene Stimmung! Am Sonntag (13.) ist Weihnachtsfeier und da geht es sicher noch einmal so hoch her ;-)

Montag, 25. Mai 2009

Kaum zu glauben...

...ich bin bereits über 3 Wochen wieder hier - die Zeit vergeht wie im Flug! Fast kommt es mir so vor, als wäre ich gar nicht weg gewesen. Aber nur fast ;-)

Der Alltag hat mich schnell wieder eingeholt. "Buenos dias, Chama, como te va?" hat mein Kollege Guillermo mich am ersten Wiederarbeitstag begrüßt. Die Frage, wie es mir geht, konnte ich nur mit "Bien, muy bien" - gut, sehr gut - beantworten. Ich war zwar sehr müde, aber hatte die gute Zeit in Deutschland noch in Gedanken und war auch froh, wieder hier zu sein. Nach einer kleinen Viertelstunde Urlaubsbericht und Fragen beantworten zur Familie geht es ans Tagesgeschäft: Welche Schiffe sind eingetroffen, welches Material ist bereits vom Zoll abgefertigt, was schon auf der Baustelle angekommen? Was auf anderen Baustellen ganz einfach und unkompliziert abläuft, ist in Venezuela, wie könnte es anders sein, eine oft schleppende Angelegenheit, begleitet von vielen großen und kleinen Hürden.

Ein Schiff mit Containerfracht, das am Tag X im Hafen Puerto Cabello erwartet wird, ändert die Route, weil der venezolanische Hafen meldet, das kein Platz mehr ist, keine Cargo gelöscht werden kann. Also steuert das Schiff erstmal Cartagena, Kolumbien oder Point Lisas, Trinidad an und wird ungefähr eine Woche später als geplant in Venezuela eintreffen. Um das genau zu erfahren, müssen wir hinter der zuständigen Shipagency hertelefonieren, nur die kann uns sagen, ob das Schiff bereits im Hafen liegt und die Ladung gelöscht ist. Ist der Hafen immer noch zu voll, kann es vorkommen, dass das Schiff noch 2 Tage vor Anker liegt - eine weitere Verzögerung.

Nach dem Löschen der Ladung werden die Container per LKW in ein Warehouse gebracht, hier beginnt der Prozeß der Entzollung, der in die Zuständigkeit unseres Auftraggebers fällt. Leider, muss man manchmal sagen, denn es gibt Zeiten, da spielen für den halbstaatlichen Betrieb andere Dinge eine übergeordnete Rolle: Anfang des Jahres die Vorbereitung auf die "Enmienda" z. B., die Abstimmung darüber, ob Präsident Chavez demnächst unbegrenzt wiedergewählt werden darf. Da kamen die Angestellten morgens ins Büro, haben 1 Stunde lang vielleicht ein paar Mails gelesen und dann wurde politisch gearbeitet - Propaganda! Dass ein Bauprojekt dadurch in arge Terminverzüge geraten kann, weil nicht da ist, was gebraucht wird, ist dann Nebensache...

Im Idealfall dauert die Entzollung 10 Tage, der Kunde informiert uns rechtzeitig, wann wir den Transporteur mit den LKW schicken sollen, denn der Transport der Ware vom Hafen auf die Baustelle ist unsere Sache. Wenn wir die Spedition beauftragen, wird es wieder spannend, ob zum bestellten Zeitpunkt ausreichend LKW zur Verfügung stehen, für manchmal 6 oder 8 Container oder auch einige Dutzend Rohre verschiedenen Durchmessers, die sorgsam auf den LKW verstaut werden müssen.

Wenn alles reibungslos läuft, wird der LKW am Morgen in Puerto Cabello beladen und ist gegen Mittag auf der Baustelle. Hier wird die Fracht noch vor dem Abladen von meinem Kollegen Eladio inspiziert und fotografiert, für den Fall, dass es zu Transportschäden gekommen ist und wir einen Schaden melden müssen. Dann erst wird vom Personal unserer Lagerhäuser abgeladen und registriert und verstaut, ein Beleg ausgefüllt und eingescannt und bis zum Erhalt der Rechnung des Transporteurs ist diese Verschiffung erst einmal abgeschlossen.

Wie gesagt...Wenn alles reibungslos läuft und das ist hier selten der Fall. Neben bevorstehenden Volksabstimmungen, Wahlen oder überfüllten Häfen sind übereifrige Zollbeamte, nachlässige Zollagenten, unzuverlässige Transporteure oder korrupte Nationalgardisten einige von vielen kleinen Stolpersteinchen auf dem Weg der Fracht von Deutschland, China oder Amerika nach Venezuela.

Das macht es nicht immer einfach, klar, aber (für mich) auch interessant und spannend. Guillermo erklärt mir alles und berichtet gern von seinen Erfahrungen, die er in 35 Jahren im Beruf schon gemacht hat. Am Ende weist er auf sein schon recht ergrautes Haupthaar und sagt augenzwinkernd "Remember: This is not painted!"

Ich werde mir weiter die Haare färben! ;-)

Donnerstag, 30. April 2009

Home is

where your heart is, sagt man ja...

Und somit sage ich, ich bin wieder Zuhause!

Danke für zwei schöne Wochen an Mutz, Papi, Irmtraut, Burkhard, Mami, Tinchen, Anja, Heidi, Kikki, Tina, Volker (x 2), Konny, Peter, Norma, Pia, Hendrik & Band, Silvia, CK, Manolo, Steffi, Simone und alle, die ich vergessen habe, zu nennen.

Alle konnte ich nicht treffen, die Zeit war einfach zu knapp. Aber ich komm wieder und sooooooo lange dauert es gar nicht mehr bis dahin ;-)

Die Begrüssung im Büro war sehr herzlich, das Mail-Postfach sehr voll und die Müdigkeit heute Abend sehr gross...

In den nächsten Tagen wieder mehr!

Samstag, 4. April 2009

Geburtstag auf venezolanisch

Am Donnerstag hatte Uli Geburtstag, seinen xx. ;-)

Bevor wir morgens zur Arbeit gefahren sind, gab es ein kleines Geschenk von mir und im Büro folgte am Nachmittag das übliche Prozedere:

Die Personalleiterin, Viagnelis, bestellt eine Torte. Das Geburtstagskind hat natürlich üüüüüberhaupt keine Ahnung (ich bin extra noch mal von ihr zum Schweigen verdonnert worden!), dass es am Nachmittag Kuchen geben wird. Gegen viertel nach vier geht Viagnelis dann zu den Kollegen (wer gerade nicht da ist, hat Pech gehabt oder wird mit ein bisschen Glück von anderen informiert) und kündigt für halb fünf das Treffen im Besprechungsraum, oder, falls der besetzt ist, in der Küche an.

Gegen halb fünf trudeln nach und nach alle ein; es wird Cola und Limo ausgeschenkt und der Kuchen angeschnitten. Die Stücke legt man auf eine Serviette, die gibt’s in die Hand und fertig. Kein Besteck, keine Teller, das muss nur gespült werden und das macht unnötige Arbeit. Wir haben inzwischen gelernt, unfallfrei Torte „aus der Hand“ zu essen! Und gesungen wird, natürlich: Cumpleaño feliz, die spanische Version von Happy Birthday. Gesungen wird sowieso sehr viel, aus irgendeiner Ecke hört man eigentlich immer jemanden singen. Und sie können es irgendwie alle (Gottseidank!)
Um viertel vor fünf löst sich die Runde zügig auf, es ist schließlich Feierabend und alle wollen nach Hause.

Uli und ich haben abends noch einen venezolanischen Likör getrunken (Rum mit Passionsfrucht, sehr lecker) und werden heute gebührend nachfeiern: Es geht zum Essen auf die Terrasse des Interconti.

Nächste Woche freue ich mich ab Mittwoch über viel Post von euch; Uli fliegt nach Deutschland und ich bin erst am 16.04. dran ;-) Also, vertreibt mir die Zeit bis dahin – hier ist Semana Santa, die Heilige (Oster)Woche, ab Mittwoch Mittag bis einschließlich Sonntag hab ich Osterferien...



Von links nach rechts: Jairo, der EDV-Mann, Uli, das Geburtstagskind, Rosario, die Betriebsärztin, Eulimir, Ulis Assistentin und Sandra, die Assistentin unseres Procurement Managers (auch ein Uli, derzeit im Osterurlaub)

Samstag, 21. März 2009

Morgens um 7...

...ist die Welt noch in Ordnung! Jedenfalls am Samstag, denn um 7 wach zu werden, bedeutet am Samstag ausschlafen ;-)

Während der Woche klingelt der Wecker um fünf und wer mich kennt, weiss, das ist Quälerei! Aber nach der Dusche geht es und ich bin halbwegs ansprechbar. Wenn ich aus dem Bad komme (Stunden später...), hat Uli bereits Kaffee gemacht und unser Frühstück für's Büro verpackt. Beim Kaffee noch mal kurz ins Internet, nach E-Mails gucken und in "mein" Forum (im Büro haben wir seit Wochen kein Netz), dann zusammenpacken, die Tassen abspülen - ganz wichtig, denn wir sind hier ziemlich ameisengeplagt (und das im 9. Stock) und lassen nichts, was irgendwie mit Nahrung zu tun hat, offen stehen - und los geht's. Mit dem Fahrstuhl in die Tiefgarage, dort wartet meist schon unser Kollege, der ein Stockwerk über uns wohnt und mit dem wir uns im Moment das Auto teilen.

In der Früh fahre ich die 52 km bis Morón. Die ersten Wochen hab ich mich nicht getraut, aber irgendwann hab ich mir gedacht, ok, mach es einfach. Morgens ist der Verkehr noch nicht ganz so chaotisch wie am Nachmittag, scheinbar hören zwar alle zur gleichen Zeit auf, fangen aber nicht gleichzeitig an ;-) Vor der Peaje, der Mautstation, staut es sich allerdings immer. Völlig überflüssig, diese Einrichtung, die meisten sind inzwischen bereits stillgelegt. Aber auf unserer Strecke ist viel LKW-Verkehr unterwegs, die Autopista führt nach Puerto Cabello, dem wichtigsten Hafen des Landes und in den Industriegürtel, in dem sich unsere Baustelle und gleichfalls das alte, noch laufende Werk unseres Auftraggebers befindet. Wegen des hohen Verkehrsaufkommens mag es hier also noch lohnend sein, wir rätseln jeden Tag aufs Neue. Gerade diese Woche ist es sehr amüsant: In Richtung Valencia/Caracas stehen vor der Peaje 2 LKW mit grossen Bohrköpfen, wie sie für den Tunnelbau verwendet werden. Der Durchmesser LKW + Bohrkopf ist > Durchfahrt Peaje und wir sind gespannt, wie lange die Fracht dort stehen wird und hoffen, dass wir mitbekommen, wie das Ganze aufgelöst wird...

Nach der Peaje geht es auf die Autopista, die in 70er Jahren gebaut wurde und deren Belag immer nur fleckenweise erneuert wird. Die rechte Spur, auf der die LKW fahren, ist mehr eine Buckelpiste mit vielen Schlaglöchern; man fährt hier am besten so, wie es in Deutschland verpönt ist: Stur linke Spur! Und wenn man überholt, dann eben rechts, das ist völlig normal. Die Fahrt verläuft ereignislos, nur in El Palito ist es immer noch mal spannend. El Palito ist ein ca. 1,5 km langer Strassenzug, gehört zwar eigentlich zu Puerto Cabello, liegt aber einige Kilometer vor der Stadt. Nur eine Durchgangsstrasse, aber rechts und links ein Gewusel von Bistros, Restaurant, Coco-frio- und Empanadaständen und donnerstags und freitags am Nachmittag frischer Fisch. Doch, der ist frisch, so schön, wie er da in der warmen Nachmittagssonne glänzt, ganz bestimmt ;-)))
Aber jetzt ist es noch früh am Morgen und viele der Truckfahrer und andere Berufstätige halten an den Empanadaständen, um sich mit einem (ziemlich fettigen) Frühstück zu versorgen.

Das Besondere an El Palito: Die Strasse ist in jede Richtung 2spurig und dann gibt es noch eine Mittelspur. Die wiederum ist am Morgen nur in Richtung Norden und am Abend in Richtung Süden zu befahren. Bzw. gilt diese Regelung - ungefähr - ab Mittag. Wenn man dann falsch herum unterwegs ist, muss man eben den Rückwärtsgang einlegen und Platz machen! Das Einfädeln am Ende der Spur zurück auf die reguläre Fahrbahn hat immer ohne Probleme geklappt, bis ein schlauer Mensch eine Schranke aufgestellt hat. Die hat die Autofahrer in den Gegenverkehr gezwungen, dann musste man einen kleinen Schlenker machen und hinter der Schranke darauf hoffen, dass man a) gesehen und b) zügig wieder reingelassen wird. Der morgendliche Verkehr, ohnehin schon zähfliessend in El Palito, wurde durch diese Neuerung erst richtig ins Stocken gebracht. Ziemlich beschränkte Idee und dem Himmel sei Dank, hatte letzte Woche endlich jemand ein Einsehen. Wir konnten beobachten, dass die Schranke mit Hilfe eines Schneidbrenners fein säuberlich zerlegt wurde und alles läuft wieder so wie vorher.

Kurz vor der Baustelle gibt es noch ein weiteres Nadelöhr, eine Brücke, über die der Verkehr einspurig geleitet wird. Ist man nur einige Minuten später als sonst, kann es passieren, dass man rund 20 Minuten braucht, um über die Brücke und wieder auf die 2spurige Fahrbahn zu kommen. Interessant ist, wenn sich die 2 Spuren zu einer verjüngen: Am besten fährt man langsam weiter, nur nicht ausweichen, dann wird man garantiert beiseite gedrängt. Alles nicht mit böser Absicht, nur frei nach dem Motto "Wer zuerst kommt,..."
Dann haben wir die Einfahrt zur Baustelle erreicht. Rechts abbiegen von der Strasse über den kleinen Platz vor dem Bauzaun. Im Moment staubt es hier ordentlich, dieses Stück ist nicht geteert oder wenigstens mit Kies aufgefüllt, nur der Sandboden. Der Ausbau lässt auf sich warten, Sache des Auftraggebers, der es damit nicht eilig hat. Sollte er bis zur Regenzeit nicht fertig sein, wird es es eine lustige Schlammschlacht mit den dann ca. 1.500 Fahrzeugen, PKW und LKW, die darüber fahren ;-)

Durch das offene Tor, vorbei an den Wachposten. Die Autos der Mitarbeiter auf der Baustelle sind mit einem Schild gekennzeichnet, alle anderen werden erst einmal kontrolliert. Uns kennt man sowieso schon, wir werden freundlich gegrüsst. Während wir die letzten paar Hundert Meter fahren, können wir sehen, wie die Baustelle wächst. In der "Laydown Area" liegt immer mehr Material, blanke Edelstahlrohre, aber auch schon sehr rostige aus Schwarzstahl, das dem Klima hier, dem hohen Salzgehalt in der feuchten Seeluft nicht standhält. Verbaut werden sie trotzdem, einmal sandgestrahlt, sehen sie wieder aus wie neu ;-) Neue Gerüste sind zu sehen, Wände wachsen stetig, Kräne haben jeden Tag eine neue Position.

Wir haben das einstöckige Bürogebäude erreicht, ich parke das Auto wie vorgeschrieben rückwärts ein. Sollte es, aus welchen Gründen auch immer, einmal passieren, dass wir die Baustelle schnell verlassen müssen, muss das Auto bereits in Fahrtrichtung stehen, um keine Zeit zu verlieren. Ammoniakalarm könnte ein Grund sein, wenn unser Auftraggeber gegenüber seinen Tank auswäscht und das Abwasser durch den offenen Kanal an unserem Büro vorbei ins Meer leitet. Die ekligen, brechreizerregenden Dämpfe machen das Atmen unmöglich. Einmal ist das bisher vorgekommen, seit wir hier sind. Das war gleich in der Früh und wir sind gar nicht erst aus dem Auto gestiegen...

Heute ist aber nichts weiter zu riechen als die salzige Seeluft und wir nehmen unsere Laptop-Taschen aus dem Kofferraum, ein paar Stufen zur Eingangstür, ein "Buenas Dias" für das auch hier präsente Wachpersonal und wir betreten das Büro.

So - nun wollte ich eigentlich über einen Arbeitstag berichten und bin doch gerade erst im Büro angekommen ;-) Also, demnächst mehr und dann mit Fotos, die ich sowieso noch nicht gemacht habe...Hier schon mal eins zum neugierig machen:

Mittwoch, 4. Februar 2009

Die ersten Wochen...

oder besser gesagt, die ersten 3 Monate sind wie im Flug vergangen.

Einen kurzen Anflug von Heimweh habe ich bereits hinter mir, das war ganz am Anfang. Durch die Umstellung der Zeit, des ganzen Umfeldes etwas angeschlagen, hat der erste Brief meiner Mutter (eingescannt und mir per E-Mail gesendet von meiner Freundin) mich erst einmal in Tränen ausbrechen lassen und ich hätte am liebsten sofort wieder die Koffer gepackt. War das überhaupt Heimweh oder vielleicht doch eher überreizte Nerven und leichte Panik vor dem, was mich erwartet? Ich kann es nicht genau sagen...Ich glaube, für „echtes" Heimweh bin ich noch nicht lang genug weg! Und natürlich hilft es, dass ich nicht alleine hier bin, sondern Uli bei mir habe.

Der ein oder andere mag so seine Zweifel gehabt haben (oder noch haben), ob das funktioniert - so lang kennen wir uns noch nicht und jetzt verbringen wir nicht nur die freie, sondern auch unsere Arbeitszeit miteinander...Keine Sorge ;-) Tagsüber im Büro sehen wir uns (fast) nur zur Pause, nur die freie Zeit verbringen wir – bisher – ausschliesslich gemeinsam. Erste Kontakte werden gerade geknüpft, von meiner Seite aus mit einer venezonlanischen und einer kolumbianischen Kollegin (beide auch englischsprachig) und von seiner Seite aus durch sein Hobby mit einem peruanischen, in Valencia beheimateten Fotografen, gemeinsame mit unserem Spanischlehrer (doppelter Nutzen ;-)) und seiner Frau.

Da es für uns beide aber noch viel zu erfahren und zu entdecken gibt, ist das quasi 24/7-Zusammensein ein Muss (im positiven Sinn) und somit fallen wir uns nicht einmal in der Freizeit auf die Neven ;-) So viel davon haben wir allerdings auch gar nicht – in der Woche sind wir kaum vor 18 Uhr zu Hause und dann ist es hier dunkel. Dann wiederum unterwegs zu sein, ist nicht so ratsam. Wenn überhaupt, zu zweit und mit dem Auto. Ein abendlicher Spaziergang – kein Gedanke! Und wenn spazierengehen, dann im bewachten Park oder auf jeden Fall dort, wo sich viele Menschen aufhalten.

Ruhe und Ungestörtheit sind hier nicht gefragt, ein Beispiel: Es gibt an der nördlichen Stadtgrenze von Valencia, einen Berg oder besser, eine kleine Erhebung, ein beliebtes Ziel für die Valencianer am Wochenende. Eine halbe Stunde hinauf, eine halbe wieder hinunter, oben eine kleine Rast, unten einen frischgepressten Saft. Man hat uns dringend geraten, diesen Berg nur am Wochenende morgens oder am frühen Nachmittag aufzusuchen, wenn viele Menschen dort sind. Leert es sich, ist die Gefahr, überfallen zu werden, zu gross. Wobei man davor nie sicher sein kann: Die Familie eines Kollegen ist letzte Woche in der Nacht von Sonntag auf Montag zu Hause überfallen worden. Alle Familienmitglieder gefesselt und alles mitgenommen, was nicht niet- und nagelfest war. Es ist niemand zu körperlichem Schaden gekommen, aber solche Geschehnisse gehören hier mehr oder minder zur Tagesordnung. Wir sind sehr froh, dass wir in einem mehrstöckigen Haus wohnen und weder die Kameras in den Fluren noch die vergitterte Eingangstür geben mir ein Gefühl von ausspioniert werden oder eingesperrt sein, sondern beruhigen mich vielmehr.

Politik ist hier natürlich Thema, gerade jetzt, wo das zweite Referendum ansteht, mit dem Chávez seine zeitlich unbegrenzte Präsidentschaft zu sichern (offiziell die Möglichkeit zur Wiederwahl, klar), aber eher hinter vorgehaltener Hand. Wir als Expats mussten uns vertraglich verpflichten, uns aus allem Politischen rauszuhalten. Natürlich kommt aber immer die Frage: Und was hältst du von Chavéz? Bei den Venezolanern ist er ab Mittelschicht aufwärts kaum gut gelitten, klar, als Verfechter des Sozialismus. Nichts desto trotz halten wir uns mit Meinungen und Ansichten eher zurück. Man weiss nie so genau und noch dazu ist unser Auftraggeber ein halb staatlicher Betrieb...

Über Deutschland selbst wissen die meisten Menschen nicht viel; gelegentlich trifft man auf Venezolaner (Oberschicht), die schon mal in München oder Düsseldorf waren, wobei München überwiegt und dann das Gesamtbild prägt. Die vorherrschende Meinung über die Deutschen ist, wie so oft zu finden, „fleissig, sauber, ordentlich, organisiert, pünktlich, zuverlässig"...
Das Arbeiten hier ist anders als in Deutschland, ich hab den Eindruck, der Umgang ist herzlicher und es gibt mehr Mit- als Gegeneinander. Manchmal können die Leute einen (Deutschen) mit ihrer, nennen wir es mal Ruhe, aber auch in den Wahnsinn treiben; wenn man nach einer Sache fragt, muss man am Ball bleiben und wieder und wieder nachfragen, sondern bekommt man nie eine Antwort. Gibt natürlich auch hier Ausnahmen, wie eben überall. Was mir sehr positiv aufgefallen ist: Es wird viel mehr gelacht. Kurz vor Weihnachten wurde in der Firma gewichtelt (wir waren leider zu spät dran und noch nicht dabei) und ich hab mich lang nicht so amüsiert wie beim Zuschauen an diesem Wichtelnachmittag, obwohl ich kaum ein Drittel verstanden habe....

Mein (oder vielmehr unser) Fazit nach den ersten Wochen: Man kann hier (gut) leben. Aber muss man sich arrangieren: Es gibt nicht immer überall alles, man kann nicht überall (und schon gar nicht allein) hingehen. Auf Zeit ist das für mich kein Problem, aber dauerhaft würde ich nicht hierbleiben wollen.