Es ist ein seltsames Gefühl, in einem Land zu leben, in dem der Präsident so ganz offen über einen möglichen Krieg mit dem Nachbarland spricht. Ich hätte erwartet, dass hier alle den Atem anhalten, alles (wenigstens für einen Augenblick) still steht, irgendeine sicht- und/oder fühlbare Reaktion der Menschen um uns herum. Gut, mag sein, dass sie untereinander eher darüber sprechen, als das sie uns Expats, Fremde, einbeziehen. Aber der Eindruck, der sich eher aufdrängt, ist der, dass alles seinen gewohnten Gang nimmt.
Also doch nur Säbelrasseln, Machtdemonstration von Chávez? So richtig konnten weder Kollege Guillermo noch Büromitbewohner Francisco mir eine Antwort darauf geben. Besorgt schienen sie beide, aber WIE ernst die Androhung von Chávez ist, Krieg gegen Kolumbien zu führen, zu nehmen ist, das vermögen sie nicht zu beurteilen. Dass sich im Falle des Falles aber auch die jetzt noch Venezuela wohlgesonneren Nachbarstaaten wie z. B. Ecuador und Bolivien zurückziehen werden, vermuten beide. Brasilien und Argentinien kochen sowieso mehr ihre eigene Suppe und sind zu gross, als dass sie sich nach Hugo richten müssten.
Bleibt abzuwarten, wie sich das Verhältnis Kolumbien (mit den USA im Rücken) und Venezuela (mit einem Präsidenten, der sich für den Befreier des südamerikanischen Kontinents und die USA nicht nur für den größten Drogenabnehmer sondern überhaupt für die schlechteste Nation von allen hält - was ihn nicht daran hindert, Geschäfte mit den Yanks zu machen) entwickelt.
Amüsiert hat mich der Bericht, den ich kürzlich in einer Zeitschrift gelesen habe: Ein deutscher Süßwarenhersteller will ein Werk in Venezuela aufmachen, von dem aus er die USA zu beliefern gedenkt. Auf die Frage des Journalisten, ob er denn keine Sorge hätte ob der Launenhaftigkeit des Präsidenten (und seines Verstaatlichungswahns), antwortete er, er habe Sicherheit durch eine staatliche Finanzierungsgarantie. Ein Paradoxon in diesem Land, die Sicherheit durch staatliche Garantien. Ich hoffe, die Erfahrung wird nicht allzu schmerzhaft für den Gummibärchenproduzenten (nein, es ist nicht Haribo!)
Mittwoch, 12. August 2009
Mittwoch, 5. August 2009
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Heute Früh auf dem Weg zur Autopista sahen wir eine dicke schwarze Rauchsäule eben in dieser Richtung. Unsere Auffahrt war frei, die Bahn selbst in Richtung Morón auch - aber hinter uns und in Richtung Caracas lagen über beide Fahrbahnen brennende Reifen. Diesmal wahrscheinlich kein Protest aus den Barrios, sondern von Studenten, Jugendlichen, Reportern, Journalisten. Der Präsident hat 36 mehr oder minder regierungskritische Radio- und Fernsehsender verboten, weil die - angeblich - ohne Lizenz gesendet haben. Rund 200 Sender werden noch folgen, eine deutliche Demonstration seiner Willkür und leider auch seiner Macht.
Weiterhin hat er zwei der grössten Kaffeeröster des Landes "vorübergehend" verstaatlicht, weil die - auch wieder angeblich - heimliche Deals mit Kolumbien machen und der Preistreiberei verdächtigt werden.
Im grössten Hafen des Landes (in dem auch unser Baustellenmaterial ankommt) sind letzte Woche in zwei bis dahin noch privaten Lagerhäusern Drogen gefunden worden, was es dem Staat einfacher macht, sich auch diese Lagerhäuser zu schnappen. Der Hafen ist ab jetzt komplett verstaatlicht und der grösste Clou: Angeblich wird kurzerhand das Personal ausgetauscht. 3.000 Venezolaner gegen 3.000 Kubaner (weil billiger). DAMIT allerdings tut er sich nun gar keinen Gefallen. Gab er sich bis jetzt als Freund und Wohltäter des kleinen Mannes, geht er ihnen nun an die Kragen, sprich, an die Existenz. Noch ist es relativ ruhig, Protestaktionen wie die heute Früh sind noch nichts kritisches. Aber es brodelt unter der Oberfläche, das steht fest.
Anekdötchen: Am Montag war ich mit zwei Kollegen unterwegs, auf der Autobahn sahen wir einen Polizeiwagen (Pick up) mit zwei Beamten und einem Verhafteten auf der Ladefläche. Der war mit Handschellen an einer Halterung angekettet, daher leicht zu erkennen. Auf meine Frage, was denn cuffs/Handschellen auf Spanisch heisst, bekam ich zur Antwort "Esposas". Humor haben sie ja: Esposa bedeutet ins Deutsche übersetzt "Ehefrau" ;-)
Weiterhin hat er zwei der grössten Kaffeeröster des Landes "vorübergehend" verstaatlicht, weil die - auch wieder angeblich - heimliche Deals mit Kolumbien machen und der Preistreiberei verdächtigt werden.
Im grössten Hafen des Landes (in dem auch unser Baustellenmaterial ankommt) sind letzte Woche in zwei bis dahin noch privaten Lagerhäusern Drogen gefunden worden, was es dem Staat einfacher macht, sich auch diese Lagerhäuser zu schnappen. Der Hafen ist ab jetzt komplett verstaatlicht und der grösste Clou: Angeblich wird kurzerhand das Personal ausgetauscht. 3.000 Venezolaner gegen 3.000 Kubaner (weil billiger). DAMIT allerdings tut er sich nun gar keinen Gefallen. Gab er sich bis jetzt als Freund und Wohltäter des kleinen Mannes, geht er ihnen nun an die Kragen, sprich, an die Existenz. Noch ist es relativ ruhig, Protestaktionen wie die heute Früh sind noch nichts kritisches. Aber es brodelt unter der Oberfläche, das steht fest.
Anekdötchen: Am Montag war ich mit zwei Kollegen unterwegs, auf der Autobahn sahen wir einen Polizeiwagen (Pick up) mit zwei Beamten und einem Verhafteten auf der Ladefläche. Der war mit Handschellen an einer Halterung angekettet, daher leicht zu erkennen. Auf meine Frage, was denn cuffs/Handschellen auf Spanisch heisst, bekam ich zur Antwort "Esposas". Humor haben sie ja: Esposa bedeutet ins Deutsche übersetzt "Ehefrau" ;-)
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