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Dienstag, 30. März 2010
Samstag, 13. März 2010
Es war einmal...
...ein junger Mann, der lebte weit entfernt in einem kleinen Dorf. Jeder kannte jeden, er angelte und badete mit seinen Freunden im Fluss, spielte unbeschwert und wuchs glücklich und zufrieden auf. Irgendwann stellte er fest, dass die Welt ausserhalb seines Dorfes noch eine Menge zu bieten hatte, so zog er in die Stadt und ging auf die Universität, um seinen Traum zu verwirklichen, Ingenieur zu werden. Er lernte ein junges Mädchen kennen, ehrgeizig wie er, sie heirateten und um sich eine kleine Wohnung leisten zu können, ging der junge Mann neben seinem Studium noch arbeiten. Sie waren glücklich und zufrieden, so oft es ging, besuchte der junge Mann seine Familie in dem kleinen Dorf und traf dort auch oft die alten Freunde.
Eines Tages, als er zu Besuch war in dem kleinen Dorf, ging er durch die Strassen und begegnete einem der Freunde aus seiner Kindheit. "Komm, sagte der, "lass uns gemeinsam in die Dorfkneipe fahren und bei einem Bier über die alten Zeiten sprechen." Der junge Mann stieg in das Auto des alten Freundes und sie fuhren los. Eine Polizeistreife stoppte sie auf ihrem Weg, nur eine Routinekontrolle. Dabei stellte sich heraus, dass der alte Freund eine Waffe im Auto hatte, was natürlich streng verboten ist. Deswegen wurden beide jungen Männer verhaftet und eingesperrt. In dem Land, in dem der junge Mann lebt, geht es nicht immer sehr gerecht zu. Manchmal muss man sehr lange warten, bis über Recht und Unrecht entschieden wird. Es sei denn, man hat genügend Geld, wie die Familie seines alten "Freundes". Die hat den richtigen Menschen gegeben, was sie verlangten und mirnichts, dirnichts, war der "Freund" wieder frei.
Der junge Mann hatte nicht so viel Geld, seine Familie auch nicht. Und auch die Kollegen, die für ihn gesammelt haben, konnten nur den Anwalt bezahlen, der ihn vertreten hat bei der ersten Verhandlung, 4 Monate, nachdem er eingesperrt wurde, weil er zu seinem alten Freund ins Auto gestiegen war...
6 Jahre Haft hat er bekommen, weil man einen Schuldigen brauchte und der "Freund" hat sich ja freigekauft. 6 Jahre, weil er mit einem alten "Freund" ein Bier trinken wollte. Und der Traum vom Ingenieur ist ausgeträumt, das Leben kaputt und sein Lachen hat er lange verloren. Vielleicht, ganz vielleicht, weil er sich noch nie in seinem Leben etwas zuschulden kommen lassen hat, darf er nach einem Jahr auf Probe wieder raus.
Und dann?
Eines Tages, als er zu Besuch war in dem kleinen Dorf, ging er durch die Strassen und begegnete einem der Freunde aus seiner Kindheit. "Komm, sagte der, "lass uns gemeinsam in die Dorfkneipe fahren und bei einem Bier über die alten Zeiten sprechen." Der junge Mann stieg in das Auto des alten Freundes und sie fuhren los. Eine Polizeistreife stoppte sie auf ihrem Weg, nur eine Routinekontrolle. Dabei stellte sich heraus, dass der alte Freund eine Waffe im Auto hatte, was natürlich streng verboten ist. Deswegen wurden beide jungen Männer verhaftet und eingesperrt. In dem Land, in dem der junge Mann lebt, geht es nicht immer sehr gerecht zu. Manchmal muss man sehr lange warten, bis über Recht und Unrecht entschieden wird. Es sei denn, man hat genügend Geld, wie die Familie seines alten "Freundes". Die hat den richtigen Menschen gegeben, was sie verlangten und mirnichts, dirnichts, war der "Freund" wieder frei.
Der junge Mann hatte nicht so viel Geld, seine Familie auch nicht. Und auch die Kollegen, die für ihn gesammelt haben, konnten nur den Anwalt bezahlen, der ihn vertreten hat bei der ersten Verhandlung, 4 Monate, nachdem er eingesperrt wurde, weil er zu seinem alten Freund ins Auto gestiegen war...
6 Jahre Haft hat er bekommen, weil man einen Schuldigen brauchte und der "Freund" hat sich ja freigekauft. 6 Jahre, weil er mit einem alten "Freund" ein Bier trinken wollte. Und der Traum vom Ingenieur ist ausgeträumt, das Leben kaputt und sein Lachen hat er lange verloren. Vielleicht, ganz vielleicht, weil er sich noch nie in seinem Leben etwas zuschulden kommen lassen hat, darf er nach einem Jahr auf Probe wieder raus.
Und dann?
Mittwoch, 5. August 2009
last news
Heute Früh auf dem Weg zur Autopista sahen wir eine dicke schwarze Rauchsäule eben in dieser Richtung. Unsere Auffahrt war frei, die Bahn selbst in Richtung Morón auch - aber hinter uns und in Richtung Caracas lagen über beide Fahrbahnen brennende Reifen. Diesmal wahrscheinlich kein Protest aus den Barrios, sondern von Studenten, Jugendlichen, Reportern, Journalisten. Der Präsident hat 36 mehr oder minder regierungskritische Radio- und Fernsehsender verboten, weil die - angeblich - ohne Lizenz gesendet haben. Rund 200 Sender werden noch folgen, eine deutliche Demonstration seiner Willkür und leider auch seiner Macht.
Weiterhin hat er zwei der grössten Kaffeeröster des Landes "vorübergehend" verstaatlicht, weil die - auch wieder angeblich - heimliche Deals mit Kolumbien machen und der Preistreiberei verdächtigt werden.
Im grössten Hafen des Landes (in dem auch unser Baustellenmaterial ankommt) sind letzte Woche in zwei bis dahin noch privaten Lagerhäusern Drogen gefunden worden, was es dem Staat einfacher macht, sich auch diese Lagerhäuser zu schnappen. Der Hafen ist ab jetzt komplett verstaatlicht und der grösste Clou: Angeblich wird kurzerhand das Personal ausgetauscht. 3.000 Venezolaner gegen 3.000 Kubaner (weil billiger). DAMIT allerdings tut er sich nun gar keinen Gefallen. Gab er sich bis jetzt als Freund und Wohltäter des kleinen Mannes, geht er ihnen nun an die Kragen, sprich, an die Existenz. Noch ist es relativ ruhig, Protestaktionen wie die heute Früh sind noch nichts kritisches. Aber es brodelt unter der Oberfläche, das steht fest.
Anekdötchen: Am Montag war ich mit zwei Kollegen unterwegs, auf der Autobahn sahen wir einen Polizeiwagen (Pick up) mit zwei Beamten und einem Verhafteten auf der Ladefläche. Der war mit Handschellen an einer Halterung angekettet, daher leicht zu erkennen. Auf meine Frage, was denn cuffs/Handschellen auf Spanisch heisst, bekam ich zur Antwort "Esposas". Humor haben sie ja: Esposa bedeutet ins Deutsche übersetzt "Ehefrau" ;-)
Weiterhin hat er zwei der grössten Kaffeeröster des Landes "vorübergehend" verstaatlicht, weil die - auch wieder angeblich - heimliche Deals mit Kolumbien machen und der Preistreiberei verdächtigt werden.
Im grössten Hafen des Landes (in dem auch unser Baustellenmaterial ankommt) sind letzte Woche in zwei bis dahin noch privaten Lagerhäusern Drogen gefunden worden, was es dem Staat einfacher macht, sich auch diese Lagerhäuser zu schnappen. Der Hafen ist ab jetzt komplett verstaatlicht und der grösste Clou: Angeblich wird kurzerhand das Personal ausgetauscht. 3.000 Venezolaner gegen 3.000 Kubaner (weil billiger). DAMIT allerdings tut er sich nun gar keinen Gefallen. Gab er sich bis jetzt als Freund und Wohltäter des kleinen Mannes, geht er ihnen nun an die Kragen, sprich, an die Existenz. Noch ist es relativ ruhig, Protestaktionen wie die heute Früh sind noch nichts kritisches. Aber es brodelt unter der Oberfläche, das steht fest.
Anekdötchen: Am Montag war ich mit zwei Kollegen unterwegs, auf der Autobahn sahen wir einen Polizeiwagen (Pick up) mit zwei Beamten und einem Verhafteten auf der Ladefläche. Der war mit Handschellen an einer Halterung angekettet, daher leicht zu erkennen. Auf meine Frage, was denn cuffs/Handschellen auf Spanisch heisst, bekam ich zur Antwort "Esposas". Humor haben sie ja: Esposa bedeutet ins Deutsche übersetzt "Ehefrau" ;-)
Montag, 27. Juli 2009
LKW und andere Laster
Mittwoch, 8. Juli 2009
Sag mir, wie du heisst und ich sag dir,
woher du kommst! Ok, ganz so einfach ist es nicht, auch hier in Venezuela gibt es so ganz normale Namen wie Pedro, Francisco, Maria und Anna.
Aber die Venezolaner sind erfindungsreich und vor allem, sie sind nicht festgelegt auf “eindeutig als weiblich oder männlich zu erkennende Vornamen” wie bei uns in Deutschland. So werden von stolzen Eltern, um den Grosseltern eine Ehre zu erweisen, schon mal deren Vornamen zerpflückt, um aus den – wenigstens – halbwegs zueinanderpassenden Hälften einen neuen Namen zu kreieren. Unsere Kollegin Eulimir hat dieser “Bastelwut” ihren Namen zu verdanken. Oder die Cousine des Kollegen Eladio, sie heisst Jescarli. Na, wer kommt drauf? Richtig. Der Grossvater Jesus und die Grossmutter Caroline.
Ist doch ganz einfach, oder? Weitere Kreationen, die uns anfangs Schwierigkeiten, wenn nicht schon beim Aussprechen, dann spätestens beim Merken, gemacht haben: Ivarmen, Yuslenis, Viagnelis oder Egvilio. Ist man weniger kreativ, muss auch schon mal der Nachname eines Grosselternteils herhalten. Unsere Kollegin Eglee führt damit den Mädchennamen der Grossmutter weiter, so stirbt der Name wenigstens nicht aus.
Wer beim ersten Hören glaubt, einen schlichten Reiner gefunden zu haben, wird beim Schreiben eines Besseren belehrt. Rhayner heisst der Kollege hier und irgendwie klingt es auch ganz anders, wenn ein Venezolaner das ausspricht.
Und der könnte sicherlich, ohne dass es ihn zum Lachen reizt, die Platznachbarin auf Ulis erstem Flug hierher ansprechen: Die junge Dame hiess Backstreeboys (ohne T!) und ist somit unverkennbar ein Kind der 90er Jahre.
Einen besonderen Namen hat auch mein Lieblingskollege, wie ich kürzlich herausgefunden habe. Er heisst Guillermo, hat mir das ins Englische mit William übersetzt, ergo zu deutsch Wilhelm…oder auch Willi/y.
Kein Wunder, dass ich den Mann so gut leiden kann, nicht wahr, Papi? ;-)
Aber die Venezolaner sind erfindungsreich und vor allem, sie sind nicht festgelegt auf “eindeutig als weiblich oder männlich zu erkennende Vornamen” wie bei uns in Deutschland. So werden von stolzen Eltern, um den Grosseltern eine Ehre zu erweisen, schon mal deren Vornamen zerpflückt, um aus den – wenigstens – halbwegs zueinanderpassenden Hälften einen neuen Namen zu kreieren. Unsere Kollegin Eulimir hat dieser “Bastelwut” ihren Namen zu verdanken. Oder die Cousine des Kollegen Eladio, sie heisst Jescarli. Na, wer kommt drauf? Richtig. Der Grossvater Jesus und die Grossmutter Caroline.
Ist doch ganz einfach, oder? Weitere Kreationen, die uns anfangs Schwierigkeiten, wenn nicht schon beim Aussprechen, dann spätestens beim Merken, gemacht haben: Ivarmen, Yuslenis, Viagnelis oder Egvilio. Ist man weniger kreativ, muss auch schon mal der Nachname eines Grosselternteils herhalten. Unsere Kollegin Eglee führt damit den Mädchennamen der Grossmutter weiter, so stirbt der Name wenigstens nicht aus.
Wer beim ersten Hören glaubt, einen schlichten Reiner gefunden zu haben, wird beim Schreiben eines Besseren belehrt. Rhayner heisst der Kollege hier und irgendwie klingt es auch ganz anders, wenn ein Venezolaner das ausspricht.
Und der könnte sicherlich, ohne dass es ihn zum Lachen reizt, die Platznachbarin auf Ulis erstem Flug hierher ansprechen: Die junge Dame hiess Backstreeboys (ohne T!) und ist somit unverkennbar ein Kind der 90er Jahre.
Einen besonderen Namen hat auch mein Lieblingskollege, wie ich kürzlich herausgefunden habe. Er heisst Guillermo, hat mir das ins Englische mit William übersetzt, ergo zu deutsch Wilhelm…oder auch Willi/y.
Kein Wunder, dass ich den Mann so gut leiden kann, nicht wahr, Papi? ;-)
Sonntag, 5. Juli 2009
Behördengang auf venezolanisch
Letzte Woche Donnerstag war ich in Caracas.
Für uns Expats wurden Arbeitsvisa beantragt sowie die Ausstellung einer Cedula, der venezolanischen ID. Wir haben einen Antrag ausgefüllt und unsere Pässe zu diesem Zweck einem „seriösen“ Herrn übergeben, der vor Ort die notwendigen Formalien erledigt bzw. vorbereitet hat, denn für die Ausstellung des Visums ist persönliches Erscheinen nicht notwendig, aber für die Cedula hat man bei der Behörde in Caracas vorstellig zu werden, sich fotografieren zu lassen und seine Unterschrift auf der ID in Gegenwart eines Bediensteten des Ministerium zu leisten. Im Grunde genommen nicht viel anders als die Ausstellung eines Personalausweises in Deutschland, mit nur ein paar kleinen Unterschieden in der Abwicklung...
Uli war, als die Anträge eingereicht wurden, gerade in Deutschland, somit sind seine Papiere noch nicht fertig und ich muss alleine in die Hauptstadt. Natürlich nicht ganz alleine! Einige Kollegen unserer Schwesterfirma, die aus Trinidad, Peru, Chile...stammen, müssen das gleiche Procedere durchlaufen und somit werde ich kurzerhand zu Pat (aus Trinidad) und dem venezolanischen Fahrer Louis gesetzt. Morgens um 5 Uhr starten wir in Valencia, treffen uns mit 15 Personen auf 4 Autos verteilt vor einer Farmatodo, die nahe der Autobahnauffahrt liegt. Um halb neun sind wir in Caracas mit dem „Vermittler“ verabredet, das könnte knapp werden. Es sind zwar nur 160 km, aber die letzten 60 führen durch den Berufsverkehr und der ist in Caracas ein Chaos. Louis fragt sich, wie wir es in dem Verkehrsgewühl der Stadt überhaupt schaffen sollen, uns nicht zu verlieren - und er ist der einzige, der sich in der Stadt auskennt und weiß, wo der Treffpunkt ist. Mich erleichtert es ungemein, dass ich in seinem Auto sitze ;-)
An der Peripherie der Stadt angekommen, staune ich wie immer über das Gewusel, die Blechlawinen und mache drei Kreuze, dass wir in Valencia und nicht Caracas wohnen! Diese Stadt mit ihren – offiziell – ca. 6 Millionen Einwohnern ist ein Moloch und Berlin mutet dagegen wie eine Kleinstadt an. Ich schaue auf die Barrios und frage mich wie jedes Mal, wie es möglich ist, dass Menschen dort leben oder besser, existieren können. Notdürftige zusammengeschusterte Behausungen aus Backsteinen, Wellblech, Holz und was eben gerade zu bekommen war. Eng nebeneinander, übereinander gebaut, hat man den „besten“ Blick kurz vor einem Tunnel, der sinnigerweise „El Paraiso“ (Das Paradies) heißt. Erstaunt es jemanden, dass die Menschen, die hier ihr Dasein fristen, den Versprechungen des Präsidenten Glauben schenken (wollen), dass er ihre Lage verbessert? Und dass die, die schon zu lange vergeblich darauf warten, zu Gewalt und Waffen greifen, um zu Geld oder Wertgegenständen zu kommen? Man sagt, wenn man einer dieser Banden in die Finger gerät, soll man ohne Gegenwehr rausgeben, was man hat und nur keine Heldentaten versuchen, da die Frustrationsgrenze dieser meist noch jungen Menschen sehr niedrig ist. Was Wunder...!

Wir fahren, immer noch im Convoi, im Stop-and-Go-Tempo weiter Richtung Zentrum, wo wir in der Nähe des Ministerio Público unseren Kontaktmann treffen wollen, der schon angerufen hat und ungeduldig auf uns wartet. Klar, wir haben uns durch den Verkehr verspätet, 3 Stunden rechnet man normalerweise für die Fahrt, 3,5 haben wir geplant und gebraucht haben wir heute 4,5 Stunden. Und ich habe, gelinde gesagt, gerade ziemlich die Schn**** voll von der Fahrerei. Louis telefoniert aufgeregt, wir halten mitten im Gewimmel in dritter Reihe und ein Minute später erscheint, ich nenn ihn mal Pedro, aus dem Nichts, steigt zu uns in den Wagen und lotst uns zu einem Parkplatz. Von dort aus geht es im Eilschritt zu einem kleinen Kopiergeschäft, dort müssen wir unsere Pässe kopieren, das Arbeitsvisum und unsere ID. Pedro erklärt zwar, warum, aber er spricht so schnell, noch dazu mit dem Dialekt der Caracenos, dass ich mal wieder kein Wort verstehe. Und eigentlich ist es mir im Moment sowieso egal, ich fühle mich trotz der großen Gruppe nicht besonders wohl, wie üblich habe ich die Aufmerksamkeit der Menschen, weil ich durch Größe, Haar- und Hautfarbe auffalle. Ich halte mich eng an Pat und Pedro, als es weitergeht zum Ministerio und schaue nicht nach rechts und links, bis wir den Innenhof des Ministeriums erreicht haben. Da bleibt mir allerdings erstmal der Mund offen stehen: Ungefähr 300 – 400 Menschen stehen in einer langen Schlange und warten darauf, dass sie ihren neuen Ausweis bekommen bzw. ihren Ausweis verlängern und was sonst noch so an Formalitäten hier erledigt werden kann. Es ist kurz nach zehn, die Behörde öffnet um acht und ich vermute, dass bereits um sechs in der Früh die ersten hier Stellung beziehen. Viele haben kleine Plastikhocker dabei und auch Schirme – der Hof ist nicht überdacht und es beginnt gerade zu tröpfeln. Ich freue mich über die kleine Erfrischung, lange hab ich allerdings nichts davon. Pedro lotst uns unter den überdachten Vorplatz des Gebäudes. Dieser Teil ist mit gelben Absperrband versehen, hier stehen zwei mal zwei Campingtische mit Stühlen, auf denen die Mitarbeiter des Ministeriums sitzen. Pedro hat unsere Passkopien an einen anderen Mann gegeben, der jetzt hinter einem der Tische verschwindet, auf einen der Beamten einredet und mit dem Papier wedelt. Schlußendlich wechseln wohl ein paar Scheine den Besitzer, ein Schulterklopfen und unsere Gruppe von 15 ist plötzlich eine eigene kleine Schlange an dem Stuhl vor dem weißen Hintergrund, wo die Fotos für die Cedula gemacht werden.
Von jetzt an geht es (relativ) zügig, wir werden geknipst, geben unsere Fingerabdrücke ab (soviel zum Thema Datenschutz...), warten wieder, bis der Name aufgerufen wird (meiner nicht, auf mich wird mit dem Finger gezeigt, Name zu schwierig auszusprechen) und unterschreiben bei einer schlecht gelaunten Mitarbeiterin des Ministerium, der das Eingeben der Daten und das Herüberreichen des Papiers zur Unterschrift unheimlich viel Mühe zu machen scheint. Wenn sie diese schwierige Aufgabe bewältigt hat, gibt sie das Blatt an den nächsten Kollegen, der die Cedula zurecht schneidet und dem letzten in der Reihe hinterm Tisch überreicht, der das jetzt auf 10 x 5 zurechtgestutzte Dokument laminiert und uns überreicht. Listo (fertig)! Ich bin jetzt Besitzerin einer venezolanischen ID, die neben meinem Namen, Geburtsdatum und –land meinen Familienstand, meinen Berufsstand, meinen Daumenabdruck und meine Unterschrift zeigt und zudem noch in Großbuchstaben mit dem Hinweis „EXTRANJERO“ versehen ist, was mich als Ausländer ausweist, was wiederum notwendig macht, dass ich diese Prozedur in 11 Monaten wiederholen muss, da wir ja noch eine Weile im Land bleiben. Ich freue mich schon heute auf den Ausflug in die Hauptstadt, die wir jetzt so schnell wie möglich wieder hinter uns lassen, alle geschafft von der Fahrt, der Hitze, der Warterei. Kurz hinter Caracas machen wir Halt an einer Art Autobahnraststätte und Pat und ich stoßen erst einmal mit einem Bier (light!) auf unsere neue „Identität“ an.
Ulis Papiere sind nun auch so weit und er fährt morgen.
Unsere Sekretärin Eglee hat mir angeboten, ihn zu begleiten, aber ehrlich? Ich gehe lieber arbeiten!
Für uns Expats wurden Arbeitsvisa beantragt sowie die Ausstellung einer Cedula, der venezolanischen ID. Wir haben einen Antrag ausgefüllt und unsere Pässe zu diesem Zweck einem „seriösen“ Herrn übergeben, der vor Ort die notwendigen Formalien erledigt bzw. vorbereitet hat, denn für die Ausstellung des Visums ist persönliches Erscheinen nicht notwendig, aber für die Cedula hat man bei der Behörde in Caracas vorstellig zu werden, sich fotografieren zu lassen und seine Unterschrift auf der ID in Gegenwart eines Bediensteten des Ministerium zu leisten. Im Grunde genommen nicht viel anders als die Ausstellung eines Personalausweises in Deutschland, mit nur ein paar kleinen Unterschieden in der Abwicklung...
Uli war, als die Anträge eingereicht wurden, gerade in Deutschland, somit sind seine Papiere noch nicht fertig und ich muss alleine in die Hauptstadt. Natürlich nicht ganz alleine! Einige Kollegen unserer Schwesterfirma, die aus Trinidad, Peru, Chile...stammen, müssen das gleiche Procedere durchlaufen und somit werde ich kurzerhand zu Pat (aus Trinidad) und dem venezolanischen Fahrer Louis gesetzt. Morgens um 5 Uhr starten wir in Valencia, treffen uns mit 15 Personen auf 4 Autos verteilt vor einer Farmatodo, die nahe der Autobahnauffahrt liegt. Um halb neun sind wir in Caracas mit dem „Vermittler“ verabredet, das könnte knapp werden. Es sind zwar nur 160 km, aber die letzten 60 führen durch den Berufsverkehr und der ist in Caracas ein Chaos. Louis fragt sich, wie wir es in dem Verkehrsgewühl der Stadt überhaupt schaffen sollen, uns nicht zu verlieren - und er ist der einzige, der sich in der Stadt auskennt und weiß, wo der Treffpunkt ist. Mich erleichtert es ungemein, dass ich in seinem Auto sitze ;-)
An der Peripherie der Stadt angekommen, staune ich wie immer über das Gewusel, die Blechlawinen und mache drei Kreuze, dass wir in Valencia und nicht Caracas wohnen! Diese Stadt mit ihren – offiziell – ca. 6 Millionen Einwohnern ist ein Moloch und Berlin mutet dagegen wie eine Kleinstadt an. Ich schaue auf die Barrios und frage mich wie jedes Mal, wie es möglich ist, dass Menschen dort leben oder besser, existieren können. Notdürftige zusammengeschusterte Behausungen aus Backsteinen, Wellblech, Holz und was eben gerade zu bekommen war. Eng nebeneinander, übereinander gebaut, hat man den „besten“ Blick kurz vor einem Tunnel, der sinnigerweise „El Paraiso“ (Das Paradies) heißt. Erstaunt es jemanden, dass die Menschen, die hier ihr Dasein fristen, den Versprechungen des Präsidenten Glauben schenken (wollen), dass er ihre Lage verbessert? Und dass die, die schon zu lange vergeblich darauf warten, zu Gewalt und Waffen greifen, um zu Geld oder Wertgegenständen zu kommen? Man sagt, wenn man einer dieser Banden in die Finger gerät, soll man ohne Gegenwehr rausgeben, was man hat und nur keine Heldentaten versuchen, da die Frustrationsgrenze dieser meist noch jungen Menschen sehr niedrig ist. Was Wunder...!

Wir fahren, immer noch im Convoi, im Stop-and-Go-Tempo weiter Richtung Zentrum, wo wir in der Nähe des Ministerio Público unseren Kontaktmann treffen wollen, der schon angerufen hat und ungeduldig auf uns wartet. Klar, wir haben uns durch den Verkehr verspätet, 3 Stunden rechnet man normalerweise für die Fahrt, 3,5 haben wir geplant und gebraucht haben wir heute 4,5 Stunden. Und ich habe, gelinde gesagt, gerade ziemlich die Schn**** voll von der Fahrerei. Louis telefoniert aufgeregt, wir halten mitten im Gewimmel in dritter Reihe und ein Minute später erscheint, ich nenn ihn mal Pedro, aus dem Nichts, steigt zu uns in den Wagen und lotst uns zu einem Parkplatz. Von dort aus geht es im Eilschritt zu einem kleinen Kopiergeschäft, dort müssen wir unsere Pässe kopieren, das Arbeitsvisum und unsere ID. Pedro erklärt zwar, warum, aber er spricht so schnell, noch dazu mit dem Dialekt der Caracenos, dass ich mal wieder kein Wort verstehe. Und eigentlich ist es mir im Moment sowieso egal, ich fühle mich trotz der großen Gruppe nicht besonders wohl, wie üblich habe ich die Aufmerksamkeit der Menschen, weil ich durch Größe, Haar- und Hautfarbe auffalle. Ich halte mich eng an Pat und Pedro, als es weitergeht zum Ministerio und schaue nicht nach rechts und links, bis wir den Innenhof des Ministeriums erreicht haben. Da bleibt mir allerdings erstmal der Mund offen stehen: Ungefähr 300 – 400 Menschen stehen in einer langen Schlange und warten darauf, dass sie ihren neuen Ausweis bekommen bzw. ihren Ausweis verlängern und was sonst noch so an Formalitäten hier erledigt werden kann. Es ist kurz nach zehn, die Behörde öffnet um acht und ich vermute, dass bereits um sechs in der Früh die ersten hier Stellung beziehen. Viele haben kleine Plastikhocker dabei und auch Schirme – der Hof ist nicht überdacht und es beginnt gerade zu tröpfeln. Ich freue mich über die kleine Erfrischung, lange hab ich allerdings nichts davon. Pedro lotst uns unter den überdachten Vorplatz des Gebäudes. Dieser Teil ist mit gelben Absperrband versehen, hier stehen zwei mal zwei Campingtische mit Stühlen, auf denen die Mitarbeiter des Ministeriums sitzen. Pedro hat unsere Passkopien an einen anderen Mann gegeben, der jetzt hinter einem der Tische verschwindet, auf einen der Beamten einredet und mit dem Papier wedelt. Schlußendlich wechseln wohl ein paar Scheine den Besitzer, ein Schulterklopfen und unsere Gruppe von 15 ist plötzlich eine eigene kleine Schlange an dem Stuhl vor dem weißen Hintergrund, wo die Fotos für die Cedula gemacht werden.
Von jetzt an geht es (relativ) zügig, wir werden geknipst, geben unsere Fingerabdrücke ab (soviel zum Thema Datenschutz...), warten wieder, bis der Name aufgerufen wird (meiner nicht, auf mich wird mit dem Finger gezeigt, Name zu schwierig auszusprechen) und unterschreiben bei einer schlecht gelaunten Mitarbeiterin des Ministerium, der das Eingeben der Daten und das Herüberreichen des Papiers zur Unterschrift unheimlich viel Mühe zu machen scheint. Wenn sie diese schwierige Aufgabe bewältigt hat, gibt sie das Blatt an den nächsten Kollegen, der die Cedula zurecht schneidet und dem letzten in der Reihe hinterm Tisch überreicht, der das jetzt auf 10 x 5 zurechtgestutzte Dokument laminiert und uns überreicht. Listo (fertig)! Ich bin jetzt Besitzerin einer venezolanischen ID, die neben meinem Namen, Geburtsdatum und –land meinen Familienstand, meinen Berufsstand, meinen Daumenabdruck und meine Unterschrift zeigt und zudem noch in Großbuchstaben mit dem Hinweis „EXTRANJERO“ versehen ist, was mich als Ausländer ausweist, was wiederum notwendig macht, dass ich diese Prozedur in 11 Monaten wiederholen muss, da wir ja noch eine Weile im Land bleiben. Ich freue mich schon heute auf den Ausflug in die Hauptstadt, die wir jetzt so schnell wie möglich wieder hinter uns lassen, alle geschafft von der Fahrt, der Hitze, der Warterei. Kurz hinter Caracas machen wir Halt an einer Art Autobahnraststätte und Pat und ich stoßen erst einmal mit einem Bier (light!) auf unsere neue „Identität“ an.
Ulis Papiere sind nun auch so weit und er fährt morgen.
Unsere Sekretärin Eglee hat mir angeboten, ihn zu begleiten, aber ehrlich? Ich gehe lieber arbeiten!
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Alltag,
Erfahrungen,
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Südamerika,
Venezuela
Montag, 25. Mai 2009
Kaum zu glauben...
...ich bin bereits über 3 Wochen wieder hier - die Zeit vergeht wie im Flug! Fast kommt es mir so vor, als wäre ich gar nicht weg gewesen. Aber nur fast ;-)
Der Alltag hat mich schnell wieder eingeholt. "Buenos dias, Chama, como te va?" hat mein Kollege Guillermo mich am ersten Wiederarbeitstag begrüßt. Die Frage, wie es mir geht, konnte ich nur mit "Bien, muy bien" - gut, sehr gut - beantworten. Ich war zwar sehr müde, aber hatte die gute Zeit in Deutschland noch in Gedanken und war auch froh, wieder hier zu sein. Nach einer kleinen Viertelstunde Urlaubsbericht und Fragen beantworten zur Familie geht es ans Tagesgeschäft: Welche Schiffe sind eingetroffen, welches Material ist bereits vom Zoll abgefertigt, was schon auf der Baustelle angekommen? Was auf anderen Baustellen ganz einfach und unkompliziert abläuft, ist in Venezuela, wie könnte es anders sein, eine oft schleppende Angelegenheit, begleitet von vielen großen und kleinen Hürden.
Ein Schiff mit Containerfracht, das am Tag X im Hafen Puerto Cabello erwartet wird, ändert die Route, weil der venezolanische Hafen meldet, das kein Platz mehr ist, keine Cargo gelöscht werden kann. Also steuert das Schiff erstmal Cartagena, Kolumbien oder Point Lisas, Trinidad an und wird ungefähr eine Woche später als geplant in Venezuela eintreffen. Um das genau zu erfahren, müssen wir hinter der zuständigen Shipagency hertelefonieren, nur die kann uns sagen, ob das Schiff bereits im Hafen liegt und die Ladung gelöscht ist. Ist der Hafen immer noch zu voll, kann es vorkommen, dass das Schiff noch 2 Tage vor Anker liegt - eine weitere Verzögerung.
Nach dem Löschen der Ladung werden die Container per LKW in ein Warehouse gebracht, hier beginnt der Prozeß der Entzollung, der in die Zuständigkeit unseres Auftraggebers fällt. Leider, muss man manchmal sagen, denn es gibt Zeiten, da spielen für den halbstaatlichen Betrieb andere Dinge eine übergeordnete Rolle: Anfang des Jahres die Vorbereitung auf die "Enmienda" z. B., die Abstimmung darüber, ob Präsident Chavez demnächst unbegrenzt wiedergewählt werden darf. Da kamen die Angestellten morgens ins Büro, haben 1 Stunde lang vielleicht ein paar Mails gelesen und dann wurde politisch gearbeitet - Propaganda! Dass ein Bauprojekt dadurch in arge Terminverzüge geraten kann, weil nicht da ist, was gebraucht wird, ist dann Nebensache...
Im Idealfall dauert die Entzollung 10 Tage, der Kunde informiert uns rechtzeitig, wann wir den Transporteur mit den LKW schicken sollen, denn der Transport der Ware vom Hafen auf die Baustelle ist unsere Sache. Wenn wir die Spedition beauftragen, wird es wieder spannend, ob zum bestellten Zeitpunkt ausreichend LKW zur Verfügung stehen, für manchmal 6 oder 8 Container oder auch einige Dutzend Rohre verschiedenen Durchmessers, die sorgsam auf den LKW verstaut werden müssen.
Wenn alles reibungslos läuft, wird der LKW am Morgen in Puerto Cabello beladen und ist gegen Mittag auf der Baustelle. Hier wird die Fracht noch vor dem Abladen von meinem Kollegen Eladio inspiziert und fotografiert, für den Fall, dass es zu Transportschäden gekommen ist und wir einen Schaden melden müssen. Dann erst wird vom Personal unserer Lagerhäuser abgeladen und registriert und verstaut, ein Beleg ausgefüllt und eingescannt und bis zum Erhalt der Rechnung des Transporteurs ist diese Verschiffung erst einmal abgeschlossen.
Wie gesagt...Wenn alles reibungslos läuft und das ist hier selten der Fall. Neben bevorstehenden Volksabstimmungen, Wahlen oder überfüllten Häfen sind übereifrige Zollbeamte, nachlässige Zollagenten, unzuverlässige Transporteure oder korrupte Nationalgardisten einige von vielen kleinen Stolpersteinchen auf dem Weg der Fracht von Deutschland, China oder Amerika nach Venezuela.
Das macht es nicht immer einfach, klar, aber (für mich) auch interessant und spannend. Guillermo erklärt mir alles und berichtet gern von seinen Erfahrungen, die er in 35 Jahren im Beruf schon gemacht hat. Am Ende weist er auf sein schon recht ergrautes Haupthaar und sagt augenzwinkernd "Remember: This is not painted!"
Ich werde mir weiter die Haare färben! ;-)
Der Alltag hat mich schnell wieder eingeholt. "Buenos dias, Chama, como te va?" hat mein Kollege Guillermo mich am ersten Wiederarbeitstag begrüßt. Die Frage, wie es mir geht, konnte ich nur mit "Bien, muy bien" - gut, sehr gut - beantworten. Ich war zwar sehr müde, aber hatte die gute Zeit in Deutschland noch in Gedanken und war auch froh, wieder hier zu sein. Nach einer kleinen Viertelstunde Urlaubsbericht und Fragen beantworten zur Familie geht es ans Tagesgeschäft: Welche Schiffe sind eingetroffen, welches Material ist bereits vom Zoll abgefertigt, was schon auf der Baustelle angekommen? Was auf anderen Baustellen ganz einfach und unkompliziert abläuft, ist in Venezuela, wie könnte es anders sein, eine oft schleppende Angelegenheit, begleitet von vielen großen und kleinen Hürden.
Ein Schiff mit Containerfracht, das am Tag X im Hafen Puerto Cabello erwartet wird, ändert die Route, weil der venezolanische Hafen meldet, das kein Platz mehr ist, keine Cargo gelöscht werden kann. Also steuert das Schiff erstmal Cartagena, Kolumbien oder Point Lisas, Trinidad an und wird ungefähr eine Woche später als geplant in Venezuela eintreffen. Um das genau zu erfahren, müssen wir hinter der zuständigen Shipagency hertelefonieren, nur die kann uns sagen, ob das Schiff bereits im Hafen liegt und die Ladung gelöscht ist. Ist der Hafen immer noch zu voll, kann es vorkommen, dass das Schiff noch 2 Tage vor Anker liegt - eine weitere Verzögerung.
Nach dem Löschen der Ladung werden die Container per LKW in ein Warehouse gebracht, hier beginnt der Prozeß der Entzollung, der in die Zuständigkeit unseres Auftraggebers fällt. Leider, muss man manchmal sagen, denn es gibt Zeiten, da spielen für den halbstaatlichen Betrieb andere Dinge eine übergeordnete Rolle: Anfang des Jahres die Vorbereitung auf die "Enmienda" z. B., die Abstimmung darüber, ob Präsident Chavez demnächst unbegrenzt wiedergewählt werden darf. Da kamen die Angestellten morgens ins Büro, haben 1 Stunde lang vielleicht ein paar Mails gelesen und dann wurde politisch gearbeitet - Propaganda! Dass ein Bauprojekt dadurch in arge Terminverzüge geraten kann, weil nicht da ist, was gebraucht wird, ist dann Nebensache...
Im Idealfall dauert die Entzollung 10 Tage, der Kunde informiert uns rechtzeitig, wann wir den Transporteur mit den LKW schicken sollen, denn der Transport der Ware vom Hafen auf die Baustelle ist unsere Sache. Wenn wir die Spedition beauftragen, wird es wieder spannend, ob zum bestellten Zeitpunkt ausreichend LKW zur Verfügung stehen, für manchmal 6 oder 8 Container oder auch einige Dutzend Rohre verschiedenen Durchmessers, die sorgsam auf den LKW verstaut werden müssen.
Wenn alles reibungslos läuft, wird der LKW am Morgen in Puerto Cabello beladen und ist gegen Mittag auf der Baustelle. Hier wird die Fracht noch vor dem Abladen von meinem Kollegen Eladio inspiziert und fotografiert, für den Fall, dass es zu Transportschäden gekommen ist und wir einen Schaden melden müssen. Dann erst wird vom Personal unserer Lagerhäuser abgeladen und registriert und verstaut, ein Beleg ausgefüllt und eingescannt und bis zum Erhalt der Rechnung des Transporteurs ist diese Verschiffung erst einmal abgeschlossen.
Wie gesagt...Wenn alles reibungslos läuft und das ist hier selten der Fall. Neben bevorstehenden Volksabstimmungen, Wahlen oder überfüllten Häfen sind übereifrige Zollbeamte, nachlässige Zollagenten, unzuverlässige Transporteure oder korrupte Nationalgardisten einige von vielen kleinen Stolpersteinchen auf dem Weg der Fracht von Deutschland, China oder Amerika nach Venezuela.
Das macht es nicht immer einfach, klar, aber (für mich) auch interessant und spannend. Guillermo erklärt mir alles und berichtet gern von seinen Erfahrungen, die er in 35 Jahren im Beruf schon gemacht hat. Am Ende weist er auf sein schon recht ergrautes Haupthaar und sagt augenzwinkernd "Remember: This is not painted!"
Ich werde mir weiter die Haare färben! ;-)
Donnerstag, 30. April 2009
Home is
where your heart is, sagt man ja...
Und somit sage ich, ich bin wieder Zuhause!
Danke für zwei schöne Wochen an Mutz, Papi, Irmtraut, Burkhard, Mami, Tinchen, Anja, Heidi, Kikki, Tina, Volker (x 2), Konny, Peter, Norma, Pia, Hendrik & Band, Silvia, CK, Manolo, Steffi, Simone und alle, die ich vergessen habe, zu nennen.
Alle konnte ich nicht treffen, die Zeit war einfach zu knapp. Aber ich komm wieder und sooooooo lange dauert es gar nicht mehr bis dahin ;-)
Die Begrüssung im Büro war sehr herzlich, das Mail-Postfach sehr voll und die Müdigkeit heute Abend sehr gross...
In den nächsten Tagen wieder mehr!
Und somit sage ich, ich bin wieder Zuhause!
Danke für zwei schöne Wochen an Mutz, Papi, Irmtraut, Burkhard, Mami, Tinchen, Anja, Heidi, Kikki, Tina, Volker (x 2), Konny, Peter, Norma, Pia, Hendrik & Band, Silvia, CK, Manolo, Steffi, Simone und alle, die ich vergessen habe, zu nennen.
Alle konnte ich nicht treffen, die Zeit war einfach zu knapp. Aber ich komm wieder und sooooooo lange dauert es gar nicht mehr bis dahin ;-)
Die Begrüssung im Büro war sehr herzlich, das Mail-Postfach sehr voll und die Müdigkeit heute Abend sehr gross...
In den nächsten Tagen wieder mehr!
Samstag, 4. April 2009
Geburtstag auf venezolanisch
Am Donnerstag hatte Uli Geburtstag, seinen xx. ;-)
Bevor wir morgens zur Arbeit gefahren sind, gab es ein kleines Geschenk von mir und im Büro folgte am Nachmittag das übliche Prozedere:
Die Personalleiterin, Viagnelis, bestellt eine Torte. Das Geburtstagskind hat natürlich üüüüüberhaupt keine Ahnung (ich bin extra noch mal von ihr zum Schweigen verdonnert worden!), dass es am Nachmittag Kuchen geben wird. Gegen viertel nach vier geht Viagnelis dann zu den Kollegen (wer gerade nicht da ist, hat Pech gehabt oder wird mit ein bisschen Glück von anderen informiert) und kündigt für halb fünf das Treffen im Besprechungsraum, oder, falls der besetzt ist, in der Küche an.
Gegen halb fünf trudeln nach und nach alle ein; es wird Cola und Limo ausgeschenkt und der Kuchen angeschnitten. Die Stücke legt man auf eine Serviette, die gibt’s in die Hand und fertig. Kein Besteck, keine Teller, das muss nur gespült werden und das macht unnötige Arbeit. Wir haben inzwischen gelernt, unfallfrei Torte „aus der Hand“ zu essen! Und gesungen wird, natürlich: Cumpleaño feliz, die spanische Version von Happy Birthday. Gesungen wird sowieso sehr viel, aus irgendeiner Ecke hört man eigentlich immer jemanden singen. Und sie können es irgendwie alle (Gottseidank!)
Um viertel vor fünf löst sich die Runde zügig auf, es ist schließlich Feierabend und alle wollen nach Hause.
Uli und ich haben abends noch einen venezolanischen Likör getrunken (Rum mit Passionsfrucht, sehr lecker) und werden heute gebührend nachfeiern: Es geht zum Essen auf die Terrasse des Interconti.
Nächste Woche freue ich mich ab Mittwoch über viel Post von euch; Uli fliegt nach Deutschland und ich bin erst am 16.04. dran ;-) Also, vertreibt mir die Zeit bis dahin – hier ist Semana Santa, die Heilige (Oster)Woche, ab Mittwoch Mittag bis einschließlich Sonntag hab ich Osterferien...

Von links nach rechts: Jairo, der EDV-Mann, Uli, das Geburtstagskind, Rosario, die Betriebsärztin, Eulimir, Ulis Assistentin und Sandra, die Assistentin unseres Procurement Managers (auch ein Uli, derzeit im Osterurlaub)
Wir wohnen in Valencia, eine Stadt mit rund 1,4 Mio Einwohnern, ca. 160 km von Caracas entfernt. Dort haben wir ein grosses Appartement im 9. Stock eines Hochhauses im Norden der Stadt in einem "guten" Wohnviertel, mit einigen Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe. Die Baustelle selbst ist an der Küste in Morón, wir fahren jeden Tag mit einem anderen Kollegen rund 100 km (hin und zurück). Wie gesagt, es lässt sich leben, wenn auch Chávez Hang und Drang zum Sozialismus deutlich spürbar ist. Die Inflation galoppiert trotz Bolivares "fuerte" und es gibt auch nicht immer alles bzw. wird schon mal rationiert, z. B. nur 2 Kilo Zucker oder 1 Kilo Kaffee pro Haushalt. Oder es ist "ley seca", wie an diesem Wochenende aufgrund des heute statt findenden Referendums: Man bekommt freitags und samstags keinen Alkohol mehr zu kaufen. Der steht zwar noch in den Regalen, aber die sind mit Flatterband abgesperrt und es gibt einfach nichts.
Wenn wir zum Supermarkt fahren, gibt es an der Parkplatzeinfahrt einen Kontrolleur, der drückt uns einen Zettel in die Hand, auf dem er unser Kennzeichen vermerkt hat. Beim Rausfahren geben wir diesen Zettel an seinen Kollegen. Wozu das Ganze? Um Autodiebstahl zu verhindern – kein Zettel, kein Verlassen des Parkplatzes möglich. Warum allerdings der Kassenbon am Ausgang gestempelt wird, hat sich uns noch nicht erschlossen, die Tüten werden auf jeden Fall nicht kontrolliert bzw. nur ab und an kurze Blicke reingeworfen. Andere Länder, andere Sitten! An den Kassen steht immer ein junger Mann, der einem die Einkäufe einpackt, sehr praktisch. Gut, der Verbrauch von Plastiktüten ist inflationär, andererseits müssen wir so keine Müllbeutel kaufen ;-)
Unsere Wohnung ist schön, der Ausblick über die Stadt bis hin zu den Bergen im Hintergrund ist toll. Ein bisschen wohnlicher hab ich es auch schon gemacht, ein paar Bücher und Fotos haben wir mitgenommen und noch ein bisschen anderen Kram. ZU häuslich einrichten ist auch nicht gut, wir müssen ja irgendwann auch wieder einpacken! Was ein wenig stört, sind die Gitter vor den Fenstern und das Summen der Klimaanlage des Nachbarn nachts. Aber irgendwann wird uns auch das nicht mehr auffallen! Außerdem entschädigt mich die Küche (jahaaa, mich), ich hab nämlich hier einen Gasherd mit sechs Platten zur Verfügung, da macht Kochen richtig Spass! Abends koche ich vor für den nächsten Tag, wir haben in der Büroküche eine Mikrowelle zum Aufwärmen. Lust hab ich (trotz Gasherd) nicht immer zum Kochen, aber die Alternativen wären belegte Brote oder mittags was vom Takeaway...Auch nicht ideal, zumal wir mit den Sandwiches vom Takeaway schon so unsere Erfahrungen gemacht haben und die waren nicht eben gut.
Die Tage sind schon lang: Um kurz nach fünf klingelt der Wecker, um kurz nach sechs treffen wir unseren Kollegen und fahren ins Büro. Da kommen wir gegen sieben, halb acht Uhr an – je nach Verkehr (der ist hier ein echtes Erlebnis: Rechts überholen, hupen, zu schnell fahren, rote Ampeln sind meist nur Farbtupfer in der Landschaft - aber zu diesem Thema kommt von Uli noch mehr ;-)) Von zwölf bis eins ist Mittagspause und gegen viertel vor fünf geht es wieder Richtung Valencia, wo wir meistens gegen sechs, halb sieben eintreffen. Wenn wir dann noch einkaufen müssen, dauert es noch etwas länger, zumal der Feierabendverkehr noch abenteuerlicher ist (gefühlt) als tagsüber...
Bevor wir morgens zur Arbeit gefahren sind, gab es ein kleines Geschenk von mir und im Büro folgte am Nachmittag das übliche Prozedere:
Die Personalleiterin, Viagnelis, bestellt eine Torte. Das Geburtstagskind hat natürlich üüüüüberhaupt keine Ahnung (ich bin extra noch mal von ihr zum Schweigen verdonnert worden!), dass es am Nachmittag Kuchen geben wird. Gegen viertel nach vier geht Viagnelis dann zu den Kollegen (wer gerade nicht da ist, hat Pech gehabt oder wird mit ein bisschen Glück von anderen informiert) und kündigt für halb fünf das Treffen im Besprechungsraum, oder, falls der besetzt ist, in der Küche an.
Gegen halb fünf trudeln nach und nach alle ein; es wird Cola und Limo ausgeschenkt und der Kuchen angeschnitten. Die Stücke legt man auf eine Serviette, die gibt’s in die Hand und fertig. Kein Besteck, keine Teller, das muss nur gespült werden und das macht unnötige Arbeit. Wir haben inzwischen gelernt, unfallfrei Torte „aus der Hand“ zu essen! Und gesungen wird, natürlich: Cumpleaño feliz, die spanische Version von Happy Birthday. Gesungen wird sowieso sehr viel, aus irgendeiner Ecke hört man eigentlich immer jemanden singen. Und sie können es irgendwie alle (Gottseidank!)
Um viertel vor fünf löst sich die Runde zügig auf, es ist schließlich Feierabend und alle wollen nach Hause.
Uli und ich haben abends noch einen venezolanischen Likör getrunken (Rum mit Passionsfrucht, sehr lecker) und werden heute gebührend nachfeiern: Es geht zum Essen auf die Terrasse des Interconti.
Nächste Woche freue ich mich ab Mittwoch über viel Post von euch; Uli fliegt nach Deutschland und ich bin erst am 16.04. dran ;-) Also, vertreibt mir die Zeit bis dahin – hier ist Semana Santa, die Heilige (Oster)Woche, ab Mittwoch Mittag bis einschließlich Sonntag hab ich Osterferien...

Von links nach rechts: Jairo, der EDV-Mann, Uli, das Geburtstagskind, Rosario, die Betriebsärztin, Eulimir, Ulis Assistentin und Sandra, die Assistentin unseres Procurement Managers (auch ein Uli, derzeit im Osterurlaub)
Sonntag, 29. März 2009
Schreibfaul
mag ich ja sein, untätig deswegen noch lange nicht:
Wir sind früh aufgestanden, waren bereits auf dem Casupo (dem kleinen Berg am Stadtrand) und ich hab gebacken - hier das Ergebnis:

Lecker, hm? Und das riecht so gut!
Eines davon ist für uns, eines werde ich morgen mit ins Büro nehmen und meinem Kollegen Guillermo schenken. Seine Frau ist gerade von ihrem eigentlich gemeinsamen Wohnort nach Valencia umgesiedelt, die beiden haben viel Stress gehabt in den letzten Wochen und zum Einzug verschenkt man doch Brot und Salz (gibt es dazu, klar), nicht wahr? ;-)
Wir sind früh aufgestanden, waren bereits auf dem Casupo (dem kleinen Berg am Stadtrand) und ich hab gebacken - hier das Ergebnis:

Lecker, hm? Und das riecht so gut!
Eines davon ist für uns, eines werde ich morgen mit ins Büro nehmen und meinem Kollegen Guillermo schenken. Seine Frau ist gerade von ihrem eigentlich gemeinsamen Wohnort nach Valencia umgesiedelt, die beiden haben viel Stress gehabt in den letzten Wochen und zum Einzug verschenkt man doch Brot und Salz (gibt es dazu, klar), nicht wahr? ;-)
Samstag, 21. März 2009
Morgens um 7...
...ist die Welt noch in Ordnung! Jedenfalls am Samstag, denn um 7 wach zu werden, bedeutet am Samstag ausschlafen ;-)
Während der Woche klingelt der Wecker um fünf und wer mich kennt, weiss, das ist Quälerei! Aber nach der Dusche geht es und ich bin halbwegs ansprechbar. Wenn ich aus dem Bad komme (Stunden später...), hat Uli bereits Kaffee gemacht und unser Frühstück für's Büro verpackt. Beim Kaffee noch mal kurz ins Internet, nach E-Mails gucken und in "mein" Forum (im Büro haben wir seit Wochen kein Netz), dann zusammenpacken, die Tassen abspülen - ganz wichtig, denn wir sind hier ziemlich ameisengeplagt (und das im 9. Stock) und lassen nichts, was irgendwie mit Nahrung zu tun hat, offen stehen - und los geht's. Mit dem Fahrstuhl in die Tiefgarage, dort wartet meist schon unser Kollege, der ein Stockwerk über uns wohnt und mit dem wir uns im Moment das Auto teilen.
In der Früh fahre ich die 52 km bis Morón. Die ersten Wochen hab ich mich nicht getraut, aber irgendwann hab ich mir gedacht, ok, mach es einfach. Morgens ist der Verkehr noch nicht ganz so chaotisch wie am Nachmittag, scheinbar hören zwar alle zur gleichen Zeit auf, fangen aber nicht gleichzeitig an ;-) Vor der Peaje, der Mautstation, staut es sich allerdings immer. Völlig überflüssig, diese Einrichtung, die meisten sind inzwischen bereits stillgelegt. Aber auf unserer Strecke ist viel LKW-Verkehr unterwegs, die Autopista führt nach Puerto Cabello, dem wichtigsten Hafen des Landes und in den Industriegürtel, in dem sich unsere Baustelle und gleichfalls das alte, noch laufende Werk unseres Auftraggebers befindet. Wegen des hohen Verkehrsaufkommens mag es hier also noch lohnend sein, wir rätseln jeden Tag aufs Neue. Gerade diese Woche ist es sehr amüsant: In Richtung Valencia/Caracas stehen vor der Peaje 2 LKW mit grossen Bohrköpfen, wie sie für den Tunnelbau verwendet werden. Der Durchmesser LKW + Bohrkopf ist > Durchfahrt Peaje und wir sind gespannt, wie lange die Fracht dort stehen wird und hoffen, dass wir mitbekommen, wie das Ganze aufgelöst wird...
Nach der Peaje geht es auf die Autopista, die in 70er Jahren gebaut wurde und deren Belag immer nur fleckenweise erneuert wird. Die rechte Spur, auf der die LKW fahren, ist mehr eine Buckelpiste mit vielen Schlaglöchern; man fährt hier am besten so, wie es in Deutschland verpönt ist: Stur linke Spur! Und wenn man überholt, dann eben rechts, das ist völlig normal. Die Fahrt verläuft ereignislos, nur in El Palito ist es immer noch mal spannend. El Palito ist ein ca. 1,5 km langer Strassenzug, gehört zwar eigentlich zu Puerto Cabello, liegt aber einige Kilometer vor der Stadt. Nur eine Durchgangsstrasse, aber rechts und links ein Gewusel von Bistros, Restaurant, Coco-frio- und Empanadaständen und donnerstags und freitags am Nachmittag frischer Fisch. Doch, der ist frisch, so schön, wie er da in der warmen Nachmittagssonne glänzt, ganz bestimmt ;-)))
Aber jetzt ist es noch früh am Morgen und viele der Truckfahrer und andere Berufstätige halten an den Empanadaständen, um sich mit einem (ziemlich fettigen) Frühstück zu versorgen.
Das Besondere an El Palito: Die Strasse ist in jede Richtung 2spurig und dann gibt es noch eine Mittelspur. Die wiederum ist am Morgen nur in Richtung Norden und am Abend in Richtung Süden zu befahren. Bzw. gilt diese Regelung - ungefähr - ab Mittag. Wenn man dann falsch herum unterwegs ist, muss man eben den Rückwärtsgang einlegen und Platz machen! Das Einfädeln am Ende der Spur zurück auf die reguläre Fahrbahn hat immer ohne Probleme geklappt, bis ein schlauer Mensch eine Schranke aufgestellt hat. Die hat die Autofahrer in den Gegenverkehr gezwungen, dann musste man einen kleinen Schlenker machen und hinter der Schranke darauf hoffen, dass man a) gesehen und b) zügig wieder reingelassen wird. Der morgendliche Verkehr, ohnehin schon zähfliessend in El Palito, wurde durch diese Neuerung erst richtig ins Stocken gebracht. Ziemlich beschränkte Idee und dem Himmel sei Dank, hatte letzte Woche endlich jemand ein Einsehen. Wir konnten beobachten, dass die Schranke mit Hilfe eines Schneidbrenners fein säuberlich zerlegt wurde und alles läuft wieder so wie vorher.
Kurz vor der Baustelle gibt es noch ein weiteres Nadelöhr, eine Brücke, über die der Verkehr einspurig geleitet wird. Ist man nur einige Minuten später als sonst, kann es passieren, dass man rund 20 Minuten braucht, um über die Brücke und wieder auf die 2spurige Fahrbahn zu kommen. Interessant ist, wenn sich die 2 Spuren zu einer verjüngen: Am besten fährt man langsam weiter, nur nicht ausweichen, dann wird man garantiert beiseite gedrängt. Alles nicht mit böser Absicht, nur frei nach dem Motto "Wer zuerst kommt,..."
Dann haben wir die Einfahrt zur Baustelle erreicht. Rechts abbiegen von der Strasse über den kleinen Platz vor dem Bauzaun. Im Moment staubt es hier ordentlich, dieses Stück ist nicht geteert oder wenigstens mit Kies aufgefüllt, nur der Sandboden. Der Ausbau lässt auf sich warten, Sache des Auftraggebers, der es damit nicht eilig hat. Sollte er bis zur Regenzeit nicht fertig sein, wird es es eine lustige Schlammschlacht mit den dann ca. 1.500 Fahrzeugen, PKW und LKW, die darüber fahren ;-)
Durch das offene Tor, vorbei an den Wachposten. Die Autos der Mitarbeiter auf der Baustelle sind mit einem Schild gekennzeichnet, alle anderen werden erst einmal kontrolliert. Uns kennt man sowieso schon, wir werden freundlich gegrüsst. Während wir die letzten paar Hundert Meter fahren, können wir sehen, wie die Baustelle wächst. In der "Laydown Area" liegt immer mehr Material, blanke Edelstahlrohre, aber auch schon sehr rostige aus Schwarzstahl, das dem Klima hier, dem hohen Salzgehalt in der feuchten Seeluft nicht standhält. Verbaut werden sie trotzdem, einmal sandgestrahlt, sehen sie wieder aus wie neu ;-) Neue Gerüste sind zu sehen, Wände wachsen stetig, Kräne haben jeden Tag eine neue Position.
Wir haben das einstöckige Bürogebäude erreicht, ich parke das Auto wie vorgeschrieben rückwärts ein. Sollte es, aus welchen Gründen auch immer, einmal passieren, dass wir die Baustelle schnell verlassen müssen, muss das Auto bereits in Fahrtrichtung stehen, um keine Zeit zu verlieren. Ammoniakalarm könnte ein Grund sein, wenn unser Auftraggeber gegenüber seinen Tank auswäscht und das Abwasser durch den offenen Kanal an unserem Büro vorbei ins Meer leitet. Die ekligen, brechreizerregenden Dämpfe machen das Atmen unmöglich. Einmal ist das bisher vorgekommen, seit wir hier sind. Das war gleich in der Früh und wir sind gar nicht erst aus dem Auto gestiegen...
Heute ist aber nichts weiter zu riechen als die salzige Seeluft und wir nehmen unsere Laptop-Taschen aus dem Kofferraum, ein paar Stufen zur Eingangstür, ein "Buenas Dias" für das auch hier präsente Wachpersonal und wir betreten das Büro.
So - nun wollte ich eigentlich über einen Arbeitstag berichten und bin doch gerade erst im Büro angekommen ;-) Also, demnächst mehr und dann mit Fotos, die ich sowieso noch nicht gemacht habe...Hier schon mal eins zum neugierig machen:
Während der Woche klingelt der Wecker um fünf und wer mich kennt, weiss, das ist Quälerei! Aber nach der Dusche geht es und ich bin halbwegs ansprechbar. Wenn ich aus dem Bad komme (Stunden später...), hat Uli bereits Kaffee gemacht und unser Frühstück für's Büro verpackt. Beim Kaffee noch mal kurz ins Internet, nach E-Mails gucken und in "mein" Forum (im Büro haben wir seit Wochen kein Netz), dann zusammenpacken, die Tassen abspülen - ganz wichtig, denn wir sind hier ziemlich ameisengeplagt (und das im 9. Stock) und lassen nichts, was irgendwie mit Nahrung zu tun hat, offen stehen - und los geht's. Mit dem Fahrstuhl in die Tiefgarage, dort wartet meist schon unser Kollege, der ein Stockwerk über uns wohnt und mit dem wir uns im Moment das Auto teilen.
In der Früh fahre ich die 52 km bis Morón. Die ersten Wochen hab ich mich nicht getraut, aber irgendwann hab ich mir gedacht, ok, mach es einfach. Morgens ist der Verkehr noch nicht ganz so chaotisch wie am Nachmittag, scheinbar hören zwar alle zur gleichen Zeit auf, fangen aber nicht gleichzeitig an ;-) Vor der Peaje, der Mautstation, staut es sich allerdings immer. Völlig überflüssig, diese Einrichtung, die meisten sind inzwischen bereits stillgelegt. Aber auf unserer Strecke ist viel LKW-Verkehr unterwegs, die Autopista führt nach Puerto Cabello, dem wichtigsten Hafen des Landes und in den Industriegürtel, in dem sich unsere Baustelle und gleichfalls das alte, noch laufende Werk unseres Auftraggebers befindet. Wegen des hohen Verkehrsaufkommens mag es hier also noch lohnend sein, wir rätseln jeden Tag aufs Neue. Gerade diese Woche ist es sehr amüsant: In Richtung Valencia/Caracas stehen vor der Peaje 2 LKW mit grossen Bohrköpfen, wie sie für den Tunnelbau verwendet werden. Der Durchmesser LKW + Bohrkopf ist > Durchfahrt Peaje und wir sind gespannt, wie lange die Fracht dort stehen wird und hoffen, dass wir mitbekommen, wie das Ganze aufgelöst wird...
Nach der Peaje geht es auf die Autopista, die in 70er Jahren gebaut wurde und deren Belag immer nur fleckenweise erneuert wird. Die rechte Spur, auf der die LKW fahren, ist mehr eine Buckelpiste mit vielen Schlaglöchern; man fährt hier am besten so, wie es in Deutschland verpönt ist: Stur linke Spur! Und wenn man überholt, dann eben rechts, das ist völlig normal. Die Fahrt verläuft ereignislos, nur in El Palito ist es immer noch mal spannend. El Palito ist ein ca. 1,5 km langer Strassenzug, gehört zwar eigentlich zu Puerto Cabello, liegt aber einige Kilometer vor der Stadt. Nur eine Durchgangsstrasse, aber rechts und links ein Gewusel von Bistros, Restaurant, Coco-frio- und Empanadaständen und donnerstags und freitags am Nachmittag frischer Fisch. Doch, der ist frisch, so schön, wie er da in der warmen Nachmittagssonne glänzt, ganz bestimmt ;-)))
Aber jetzt ist es noch früh am Morgen und viele der Truckfahrer und andere Berufstätige halten an den Empanadaständen, um sich mit einem (ziemlich fettigen) Frühstück zu versorgen.
Das Besondere an El Palito: Die Strasse ist in jede Richtung 2spurig und dann gibt es noch eine Mittelspur. Die wiederum ist am Morgen nur in Richtung Norden und am Abend in Richtung Süden zu befahren. Bzw. gilt diese Regelung - ungefähr - ab Mittag. Wenn man dann falsch herum unterwegs ist, muss man eben den Rückwärtsgang einlegen und Platz machen! Das Einfädeln am Ende der Spur zurück auf die reguläre Fahrbahn hat immer ohne Probleme geklappt, bis ein schlauer Mensch eine Schranke aufgestellt hat. Die hat die Autofahrer in den Gegenverkehr gezwungen, dann musste man einen kleinen Schlenker machen und hinter der Schranke darauf hoffen, dass man a) gesehen und b) zügig wieder reingelassen wird. Der morgendliche Verkehr, ohnehin schon zähfliessend in El Palito, wurde durch diese Neuerung erst richtig ins Stocken gebracht. Ziemlich beschränkte Idee und dem Himmel sei Dank, hatte letzte Woche endlich jemand ein Einsehen. Wir konnten beobachten, dass die Schranke mit Hilfe eines Schneidbrenners fein säuberlich zerlegt wurde und alles läuft wieder so wie vorher.
Kurz vor der Baustelle gibt es noch ein weiteres Nadelöhr, eine Brücke, über die der Verkehr einspurig geleitet wird. Ist man nur einige Minuten später als sonst, kann es passieren, dass man rund 20 Minuten braucht, um über die Brücke und wieder auf die 2spurige Fahrbahn zu kommen. Interessant ist, wenn sich die 2 Spuren zu einer verjüngen: Am besten fährt man langsam weiter, nur nicht ausweichen, dann wird man garantiert beiseite gedrängt. Alles nicht mit böser Absicht, nur frei nach dem Motto "Wer zuerst kommt,..."
Dann haben wir die Einfahrt zur Baustelle erreicht. Rechts abbiegen von der Strasse über den kleinen Platz vor dem Bauzaun. Im Moment staubt es hier ordentlich, dieses Stück ist nicht geteert oder wenigstens mit Kies aufgefüllt, nur der Sandboden. Der Ausbau lässt auf sich warten, Sache des Auftraggebers, der es damit nicht eilig hat. Sollte er bis zur Regenzeit nicht fertig sein, wird es es eine lustige Schlammschlacht mit den dann ca. 1.500 Fahrzeugen, PKW und LKW, die darüber fahren ;-)
Durch das offene Tor, vorbei an den Wachposten. Die Autos der Mitarbeiter auf der Baustelle sind mit einem Schild gekennzeichnet, alle anderen werden erst einmal kontrolliert. Uns kennt man sowieso schon, wir werden freundlich gegrüsst. Während wir die letzten paar Hundert Meter fahren, können wir sehen, wie die Baustelle wächst. In der "Laydown Area" liegt immer mehr Material, blanke Edelstahlrohre, aber auch schon sehr rostige aus Schwarzstahl, das dem Klima hier, dem hohen Salzgehalt in der feuchten Seeluft nicht standhält. Verbaut werden sie trotzdem, einmal sandgestrahlt, sehen sie wieder aus wie neu ;-) Neue Gerüste sind zu sehen, Wände wachsen stetig, Kräne haben jeden Tag eine neue Position.
Wir haben das einstöckige Bürogebäude erreicht, ich parke das Auto wie vorgeschrieben rückwärts ein. Sollte es, aus welchen Gründen auch immer, einmal passieren, dass wir die Baustelle schnell verlassen müssen, muss das Auto bereits in Fahrtrichtung stehen, um keine Zeit zu verlieren. Ammoniakalarm könnte ein Grund sein, wenn unser Auftraggeber gegenüber seinen Tank auswäscht und das Abwasser durch den offenen Kanal an unserem Büro vorbei ins Meer leitet. Die ekligen, brechreizerregenden Dämpfe machen das Atmen unmöglich. Einmal ist das bisher vorgekommen, seit wir hier sind. Das war gleich in der Früh und wir sind gar nicht erst aus dem Auto gestiegen...
Heute ist aber nichts weiter zu riechen als die salzige Seeluft und wir nehmen unsere Laptop-Taschen aus dem Kofferraum, ein paar Stufen zur Eingangstür, ein "Buenas Dias" für das auch hier präsente Wachpersonal und wir betreten das Büro.
So - nun wollte ich eigentlich über einen Arbeitstag berichten und bin doch gerade erst im Büro angekommen ;-) Also, demnächst mehr und dann mit Fotos, die ich sowieso noch nicht gemacht habe...Hier schon mal eins zum neugierig machen:
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Montag, 2. März 2009
"Einkaufsparadies" (von Uli)
Bevor wir von unserem Wochenende in den Anden berichten, hier Ulis ganz besonderes Einkaufsvergnügen ;-)
Wenn es alles gäbe, würde es ja richtig Spass machen. Aber Einkaufen in einem Land auf dem Weg zur real-existierenden Mangelwirtschaft hat auch viel mit Glück zu tun.
Ok, die Regale in den Supermärkten sind gefüllt, auf den ersten Blick. Auf den zweiten Blick fällt auf, dass es Kaffee nicht immer gibt. Warum denn das? Ist nicht Venezuela Kaffeeland? Oder zumindest doch Kolumbien, das Nachbarland. Da sollte es doch kein Problem sein, immer und überall Kaffee anzubieten. Ist es aber. Warum weiß der Henker. Wir haben es öfters erlebt, dass zwar Kaffee da war, aber nur max. 1 kg pro Person eingekauft werden durfte. Die ersten vier Wochen haben wir mit Zuckerersatzstoff überbrückt, weil es keinen Zucker zu kaufen gab. Dafür gab es Wachteleier im Überfluss. Äußerst merkwürdig.
Die Essgewohnheiten passen sich sehr schnell den lokalen Möglichkeiten an. Aufschnitt oder Salami? Das lässt man besser bleiben, denn das magere Angebot gibt nicht viel her und wenn es dann doch mal Aufschnitt gibt, kauft man ihn besser nicht. Sieht weder appetitlich aus, noch hat er Geschmack. Salami ist nur gut, wenn importierte Ware angeboten wird. Die dann aber zu hohen Importpreisen. Käse schmeckt leider auch nicht, hat eigentlich gar keinen Eigengeschmack, kann man also auch bleiben lassen. Es sei denn, importierteter Edamer oder Leerdamer. Der schmeckt wie zu Hause, kein Wunder, der kommt ja auch daher.
Es gibt aber auch leckere Sachen, die es in Europa nur selten oder gar nicht gibt. Z.B. Papaya. Die sind süss und saftig. Oder Melonen. Früchte überhaupt sind reichlich vorhanden. Viele davon haben wir zum ersten Mal hier gesehen. Die haben so wohlklingende Namen wie Guayaba oder Parchita und sind wirklich lecker. Andere waren so hart oder sauer, dass wir sie gar nicht essen konnten. Vielleicht muss man die erst kochen oder reifen lassen. Wir werden es herausfinden.
Gutes Brot scheint ein Geheimnis deutscher Bäcker zu bleiben. Denn ausserhalb der Grenzen deutschsprachiger Länder haben wir bisher weder Vollkornbrot noch Schwarzbrot gefunden, es sei denn ein deutscher Bäcker hat sich irgendwo in der Fremde nieder gelassen. Nach Valencia ist noch keiner gekommen, sonst wüssten wir das. Hier gibt es nur weiches, weisses Gummitoastbrot. Das Bedürfnis, in ein Vollkornbrot zu beissen, hat uns soweit getrieben, dass wir mittlerweile unser Brot selbst backen. Das ist auch nicht schwerer als Kuchen backen, vorausgesetzt man hat die geeigneten Zutaten. Da Hefe zu bekommen fast unmöglich ist, haben wir anfangs mit Sauerteig gebacken. Leider ging das Brot nicht soweit auf und blieb relativ klein und hart. Mit der Trockenhefe, die uns eine Arbeitskollegin aus Kolumbien mitbrachte, geht es schon besser. Mit jedem Backvorgang nähern wir uns dem Idealziel eines deutschen Brotes und bringen, wenn wir eingeladen sind, auch schon mal ein Exemplar unserer neu gewonnenen Backkünste mit.
Die Kosten für Lebensmittel sind sehr unterschiedlich. Alles Importierte ist teuer und das sind über 90% der Regalinhalte. Nur lokale Produkte wie Obst, Gemüse und Fisch sind wirklich günstig. Zu Silvester haben wir uns ein importiertes Schwarzbrot aus Deutschland geleistet. Das war ebenso teuer wie das ½ Kilo Gambas, das es dazu gab.
Wer denkt, dass Deutschland eine Servicewüste mit meist unwilligem und unfreundlichem Verkaufpersonal ist, der wird spätestens an der Kasse eines venezolanischen Supermarktes vom Gegenteil überzeugt. Dazu kommt noch eine venezolanische Besonderheit. Wer die Unverfrorenheit besitzt, die Kassiererin mit einem gefüllten Einkaufswagen zu belästigen, wird zuerst nach seiner RIF-Nummer gefragt. RIF-Nummer? Das hab ich mich auch das erste Mal gefragt. Das ist die Steuernummer, die vor jedem Bezahlvorgang, sei es in einem Supermarkt oder sonst wo, in den Kassencomputer eingegeben werden muss. Dann erscheint auf dem Display sofort die Identität des Einkaufenden mit Name, Adresse und Telefonnummer. Soviel zum lokalen Datenschutz. Als Fremder habe ich keine Steuernummer. Also fragt mich die Kassiererin nach meiner Ausweisnummer, Adresse und Telefonnummer. Ich habe aber keine Lust, meine persönlichen Daten rauszugeben, wer weiss, ob das nicht in einem Einbruch oder im schlimmsten Fall in einer Entführung endet. Also entscheide ich mich zu Fantasiedaten. Ich nenne eine achtstellige Nummer und behaupte, das sei meine Ausweisnummer. Das reicht in der Regel. Als Namen gebe ich an Hugo Habicht, Daniel Duesentrieb oder was mir sonst in dem Moment einfällt. Kontrolliert wird nicht und ich darf bezahlen. Der Sinn dieser Datenerfassung hat sich mir bis heute nicht erschlossen. Das ist aber noch nicht alles. Am Ausgang wartet schon die nächste Kontrolle. Bevor ich den Supermarkt verlassen darf, wird mein Kassenbon mit dem Inhalt meines Einkaufswagens verglichen und abgestempelt. Jetzt erst darf ich zum Auto...
Wenn es alles gäbe, würde es ja richtig Spass machen. Aber Einkaufen in einem Land auf dem Weg zur real-existierenden Mangelwirtschaft hat auch viel mit Glück zu tun.
Ok, die Regale in den Supermärkten sind gefüllt, auf den ersten Blick. Auf den zweiten Blick fällt auf, dass es Kaffee nicht immer gibt. Warum denn das? Ist nicht Venezuela Kaffeeland? Oder zumindest doch Kolumbien, das Nachbarland. Da sollte es doch kein Problem sein, immer und überall Kaffee anzubieten. Ist es aber. Warum weiß der Henker. Wir haben es öfters erlebt, dass zwar Kaffee da war, aber nur max. 1 kg pro Person eingekauft werden durfte. Die ersten vier Wochen haben wir mit Zuckerersatzstoff überbrückt, weil es keinen Zucker zu kaufen gab. Dafür gab es Wachteleier im Überfluss. Äußerst merkwürdig.
Die Essgewohnheiten passen sich sehr schnell den lokalen Möglichkeiten an. Aufschnitt oder Salami? Das lässt man besser bleiben, denn das magere Angebot gibt nicht viel her und wenn es dann doch mal Aufschnitt gibt, kauft man ihn besser nicht. Sieht weder appetitlich aus, noch hat er Geschmack. Salami ist nur gut, wenn importierte Ware angeboten wird. Die dann aber zu hohen Importpreisen. Käse schmeckt leider auch nicht, hat eigentlich gar keinen Eigengeschmack, kann man also auch bleiben lassen. Es sei denn, importierteter Edamer oder Leerdamer. Der schmeckt wie zu Hause, kein Wunder, der kommt ja auch daher.
Es gibt aber auch leckere Sachen, die es in Europa nur selten oder gar nicht gibt. Z.B. Papaya. Die sind süss und saftig. Oder Melonen. Früchte überhaupt sind reichlich vorhanden. Viele davon haben wir zum ersten Mal hier gesehen. Die haben so wohlklingende Namen wie Guayaba oder Parchita und sind wirklich lecker. Andere waren so hart oder sauer, dass wir sie gar nicht essen konnten. Vielleicht muss man die erst kochen oder reifen lassen. Wir werden es herausfinden.
Gutes Brot scheint ein Geheimnis deutscher Bäcker zu bleiben. Denn ausserhalb der Grenzen deutschsprachiger Länder haben wir bisher weder Vollkornbrot noch Schwarzbrot gefunden, es sei denn ein deutscher Bäcker hat sich irgendwo in der Fremde nieder gelassen. Nach Valencia ist noch keiner gekommen, sonst wüssten wir das. Hier gibt es nur weiches, weisses Gummitoastbrot. Das Bedürfnis, in ein Vollkornbrot zu beissen, hat uns soweit getrieben, dass wir mittlerweile unser Brot selbst backen. Das ist auch nicht schwerer als Kuchen backen, vorausgesetzt man hat die geeigneten Zutaten. Da Hefe zu bekommen fast unmöglich ist, haben wir anfangs mit Sauerteig gebacken. Leider ging das Brot nicht soweit auf und blieb relativ klein und hart. Mit der Trockenhefe, die uns eine Arbeitskollegin aus Kolumbien mitbrachte, geht es schon besser. Mit jedem Backvorgang nähern wir uns dem Idealziel eines deutschen Brotes und bringen, wenn wir eingeladen sind, auch schon mal ein Exemplar unserer neu gewonnenen Backkünste mit.
Die Kosten für Lebensmittel sind sehr unterschiedlich. Alles Importierte ist teuer und das sind über 90% der Regalinhalte. Nur lokale Produkte wie Obst, Gemüse und Fisch sind wirklich günstig. Zu Silvester haben wir uns ein importiertes Schwarzbrot aus Deutschland geleistet. Das war ebenso teuer wie das ½ Kilo Gambas, das es dazu gab.
Wer denkt, dass Deutschland eine Servicewüste mit meist unwilligem und unfreundlichem Verkaufpersonal ist, der wird spätestens an der Kasse eines venezolanischen Supermarktes vom Gegenteil überzeugt. Dazu kommt noch eine venezolanische Besonderheit. Wer die Unverfrorenheit besitzt, die Kassiererin mit einem gefüllten Einkaufswagen zu belästigen, wird zuerst nach seiner RIF-Nummer gefragt. RIF-Nummer? Das hab ich mich auch das erste Mal gefragt. Das ist die Steuernummer, die vor jedem Bezahlvorgang, sei es in einem Supermarkt oder sonst wo, in den Kassencomputer eingegeben werden muss. Dann erscheint auf dem Display sofort die Identität des Einkaufenden mit Name, Adresse und Telefonnummer. Soviel zum lokalen Datenschutz. Als Fremder habe ich keine Steuernummer. Also fragt mich die Kassiererin nach meiner Ausweisnummer, Adresse und Telefonnummer. Ich habe aber keine Lust, meine persönlichen Daten rauszugeben, wer weiss, ob das nicht in einem Einbruch oder im schlimmsten Fall in einer Entführung endet. Also entscheide ich mich zu Fantasiedaten. Ich nenne eine achtstellige Nummer und behaupte, das sei meine Ausweisnummer. Das reicht in der Regel. Als Namen gebe ich an Hugo Habicht, Daniel Duesentrieb oder was mir sonst in dem Moment einfällt. Kontrolliert wird nicht und ich darf bezahlen. Der Sinn dieser Datenerfassung hat sich mir bis heute nicht erschlossen. Das ist aber noch nicht alles. Am Ausgang wartet schon die nächste Kontrolle. Bevor ich den Supermarkt verlassen darf, wird mein Kassenbon mit dem Inhalt meines Einkaufswagens verglichen und abgestempelt. Jetzt erst darf ich zum Auto...
Dienstag, 17. Februar 2009
Autofahren (von Uli)
Oh ja, Autofahren. Eine tolle Sache in Venezuela, die nicht viel gemeinsam hat mit dem Autofahren in Deutschland. Der Verkehr fließt hier ganz natürlich und lässt sich kaum durch Verkehrschilder, rote Ampeln oder Fußgänger beeindrucken. Schilder, Ampeln und Fahrbahnmarkierungen haben hier nur Richtliniencharakter. Eine rote Ampel ist in Deutschland Gesetz, auch auf einer einsamen Landstraße um 2 Uhr morgens. Nicht so in Venezuela. Sie wird zwar wahrgenommen, aber nur beachtet, wenn auch wirklich Gegenverkehr kommt. Es ist schon öfter vorgekommen, dass ich an einer roten Ampel stehe und ein Linienbus direkt hinter mir hält. Busfahrer gehören zu der Spezies, die am wenigsten Rücksicht auf andere Verkehrsteilnehmer nimmt. Der Busfahrer wartet nicht ab, bis die Ampel auf grün schaltet, sondern hupt, um mir zu klar zu machen, dass ich doch bitte losfahren soll. Schließlich hat er ja einen Zeitplan einzuhalten. Rote Ampeln scheinen da nicht eingeplant zu sein.
Staus gehören zum Alltag. Die Autoschlangen sind länger, häufiger und hartnäckiger als in Deutschland. Der extreme Autoverkehr hat vor allem zwei Gründe. Erstens gibt es kaum einen öffentlichen Nahverkehr. Valencia baut gerade ein U-Bahnnetz, um die Lage zu verbessern. Aber gerade die Baustellen führen zurzeit zu weiteren Staus. Zweitens ist Benzin nicht nur billiger als in Deutschland, der Preis ist, glaube ich, Weltrekord. Ein Liter Benzin kostet umgerechnet ca. 4 Euro cent. Das sind ca. 50 cent für eine Tankfüllung. Damit ist natürlich kein finanzieller Anreiz gegeben, das Auto mal stehen zu lassen.
Das eigentlich teure am Autofahren ist die Anschaffung eines Autos. Der Mittelklassewagen Chevrolet Optra kostet umgerechnet EUR 40.000. Da verwundert es nicht, dass die Autos gefahren werden, bis sie auseinanderfallen oder nur noch durch Seile notdürftig zusammen gehalten werden. Etwas Vergleichbares zum TÜV gibt es nicht.
Schnelles Fahren empfiehlt sich nicht. Die Geschwindigkeitsbeschränkung findet zwar ebenso wenig Beachtung, wie alle anderen Verkehrsregeln, dem schnellen Fahren wird aber eine andere natürlich Grenze gesetzt: Der Zustand der Strassen. Schlaglöcher finden sich überall und in jeder Größe, selbst auf der Autopista (Autobahn). Ich habe schon Schlaglöcher gesehen in denen sich der Müll zusammen rottete oder aus denen Bäume wuchsen. Da schwindet alle Hoffnung, dass jemand das Loch mal zumachen könnte. Die Schlaglöcher auf unserer täglichen Strecke zur Arbeit kenne ich bereits alle mit Vornamen. Eines fällt mir immer besonders auf. Es ist groß wie ein Autoreifen, befindet sich auf einer Dorfstrasse und lässt sich nur im Schritttempo umfahren. Alle 14 Tage ist dieses Loch mit grobem Sand zugeschüttet. Die Erleichterung hält nicht lange an. Nach zwei Tagen ist das Loch wieder bis zu seiner natürlichen Größe und Tiefe ausgefahren.
In Wohngebieten wird das langsame Fahren durch diese Art von künstlichen Bodenwellen erzwungen, die bei zu schnellem Überfahren die Karrosserie zerlegen. Damit meinen sie es wirklich ernst. Erschwert wird es noch dadurch, dass weder Signalfarbe noch Hinweisschilder eine Vorbereitung auf das Hindernis erlauben.
Der schlechte Zustand der Strassen hindert die Verantwortlichen nicht daran, für das Befahren auch noch Geld zu nehmen. Zahlstellen für die Autopistas, die sog. „Peajes“, sind im ganzen Land verstreut. Die Bezahlung ist immer Anlass für einen weiteren Stau. Wer stets Kleingeld dabei hat, ist gut beraten. Mit umgerechnet 50 cent hat man eine Durchfahrt geschafft. An Sonn- und Feiertagen ist die Durchfahrt sogar frei.
Wenn Verkehrsregeln auch kein Anlass zum langsamer Fahren sind, die ständigen Kontrollen durch die Guardia National sind es. Auf Autopistas und auf Landstrassen stehen unvermittelt links und rechts diese roten Verkehrshütchen. Ein unverwechselbares Anzeichen für die nächste Kontrolle durch die Nationalgarde, meist bestehend aus zwei oder mehr jungen Männern mit vorgehaltener Maschinenpistole. Man wird allerdings nur in sehr seltenen Fällen angehalten. Meist haben sie es auf Lkw abgesehen. Damit wir nicht Opfer einer sinnlosen Befragung werden, unterhalten wir uns beim Passieren der Kontrollposten immer betont auffällig und vermeiden jeglichen Augenkontakt mit den „Wächtern der Strasse“. Das hilft. Bisher sind wir erst ein einziges Mal kontrolliert worden. Die Nationalgarde hilft nicht nur Schmuggler zu enttarnen, sondern assistiert auch bei der Verkehrsführung. Bei Staus bildet sie Streckenposten und weist dem Autofahrer durch wildes Gestikulieren mit der Hand die Richtung, in die er bitte und vor allem schnell zu fahren hat. Im stop-and-go-Verkehr ein ziemlich sinnloses Unterfangen. Ist aber lustig und vertreibt die Zeit.
Staus gehören zum Alltag. Die Autoschlangen sind länger, häufiger und hartnäckiger als in Deutschland. Der extreme Autoverkehr hat vor allem zwei Gründe. Erstens gibt es kaum einen öffentlichen Nahverkehr. Valencia baut gerade ein U-Bahnnetz, um die Lage zu verbessern. Aber gerade die Baustellen führen zurzeit zu weiteren Staus. Zweitens ist Benzin nicht nur billiger als in Deutschland, der Preis ist, glaube ich, Weltrekord. Ein Liter Benzin kostet umgerechnet ca. 4 Euro cent. Das sind ca. 50 cent für eine Tankfüllung. Damit ist natürlich kein finanzieller Anreiz gegeben, das Auto mal stehen zu lassen.
Das eigentlich teure am Autofahren ist die Anschaffung eines Autos. Der Mittelklassewagen Chevrolet Optra kostet umgerechnet EUR 40.000. Da verwundert es nicht, dass die Autos gefahren werden, bis sie auseinanderfallen oder nur noch durch Seile notdürftig zusammen gehalten werden. Etwas Vergleichbares zum TÜV gibt es nicht.
Schnelles Fahren empfiehlt sich nicht. Die Geschwindigkeitsbeschränkung findet zwar ebenso wenig Beachtung, wie alle anderen Verkehrsregeln, dem schnellen Fahren wird aber eine andere natürlich Grenze gesetzt: Der Zustand der Strassen. Schlaglöcher finden sich überall und in jeder Größe, selbst auf der Autopista (Autobahn). Ich habe schon Schlaglöcher gesehen in denen sich der Müll zusammen rottete oder aus denen Bäume wuchsen. Da schwindet alle Hoffnung, dass jemand das Loch mal zumachen könnte. Die Schlaglöcher auf unserer täglichen Strecke zur Arbeit kenne ich bereits alle mit Vornamen. Eines fällt mir immer besonders auf. Es ist groß wie ein Autoreifen, befindet sich auf einer Dorfstrasse und lässt sich nur im Schritttempo umfahren. Alle 14 Tage ist dieses Loch mit grobem Sand zugeschüttet. Die Erleichterung hält nicht lange an. Nach zwei Tagen ist das Loch wieder bis zu seiner natürlichen Größe und Tiefe ausgefahren.
In Wohngebieten wird das langsame Fahren durch diese Art von künstlichen Bodenwellen erzwungen, die bei zu schnellem Überfahren die Karrosserie zerlegen. Damit meinen sie es wirklich ernst. Erschwert wird es noch dadurch, dass weder Signalfarbe noch Hinweisschilder eine Vorbereitung auf das Hindernis erlauben.
Der schlechte Zustand der Strassen hindert die Verantwortlichen nicht daran, für das Befahren auch noch Geld zu nehmen. Zahlstellen für die Autopistas, die sog. „Peajes“, sind im ganzen Land verstreut. Die Bezahlung ist immer Anlass für einen weiteren Stau. Wer stets Kleingeld dabei hat, ist gut beraten. Mit umgerechnet 50 cent hat man eine Durchfahrt geschafft. An Sonn- und Feiertagen ist die Durchfahrt sogar frei.
Wenn Verkehrsregeln auch kein Anlass zum langsamer Fahren sind, die ständigen Kontrollen durch die Guardia National sind es. Auf Autopistas und auf Landstrassen stehen unvermittelt links und rechts diese roten Verkehrshütchen. Ein unverwechselbares Anzeichen für die nächste Kontrolle durch die Nationalgarde, meist bestehend aus zwei oder mehr jungen Männern mit vorgehaltener Maschinenpistole. Man wird allerdings nur in sehr seltenen Fällen angehalten. Meist haben sie es auf Lkw abgesehen. Damit wir nicht Opfer einer sinnlosen Befragung werden, unterhalten wir uns beim Passieren der Kontrollposten immer betont auffällig und vermeiden jeglichen Augenkontakt mit den „Wächtern der Strasse“. Das hilft. Bisher sind wir erst ein einziges Mal kontrolliert worden. Die Nationalgarde hilft nicht nur Schmuggler zu enttarnen, sondern assistiert auch bei der Verkehrsführung. Bei Staus bildet sie Streckenposten und weist dem Autofahrer durch wildes Gestikulieren mit der Hand die Richtung, in die er bitte und vor allem schnell zu fahren hat. Im stop-and-go-Verkehr ein ziemlich sinnloses Unterfangen. Ist aber lustig und vertreibt die Zeit.
Sonntag, 15. Februar 2009
Wo wir sind...
Wenn wir zum Supermarkt fahren, gibt es an der Parkplatzeinfahrt einen Kontrolleur, der drückt uns einen Zettel in die Hand, auf dem er unser Kennzeichen vermerkt hat. Beim Rausfahren geben wir diesen Zettel an seinen Kollegen. Wozu das Ganze? Um Autodiebstahl zu verhindern – kein Zettel, kein Verlassen des Parkplatzes möglich. Warum allerdings der Kassenbon am Ausgang gestempelt wird, hat sich uns noch nicht erschlossen, die Tüten werden auf jeden Fall nicht kontrolliert bzw. nur ab und an kurze Blicke reingeworfen. Andere Länder, andere Sitten! An den Kassen steht immer ein junger Mann, der einem die Einkäufe einpackt, sehr praktisch. Gut, der Verbrauch von Plastiktüten ist inflationär, andererseits müssen wir so keine Müllbeutel kaufen ;-)
Unsere Wohnung ist schön, der Ausblick über die Stadt bis hin zu den Bergen im Hintergrund ist toll. Ein bisschen wohnlicher hab ich es auch schon gemacht, ein paar Bücher und Fotos haben wir mitgenommen und noch ein bisschen anderen Kram. ZU häuslich einrichten ist auch nicht gut, wir müssen ja irgendwann auch wieder einpacken! Was ein wenig stört, sind die Gitter vor den Fenstern und das Summen der Klimaanlage des Nachbarn nachts. Aber irgendwann wird uns auch das nicht mehr auffallen! Außerdem entschädigt mich die Küche (jahaaa, mich), ich hab nämlich hier einen Gasherd mit sechs Platten zur Verfügung, da macht Kochen richtig Spass! Abends koche ich vor für den nächsten Tag, wir haben in der Büroküche eine Mikrowelle zum Aufwärmen. Lust hab ich (trotz Gasherd) nicht immer zum Kochen, aber die Alternativen wären belegte Brote oder mittags was vom Takeaway...Auch nicht ideal, zumal wir mit den Sandwiches vom Takeaway schon so unsere Erfahrungen gemacht haben und die waren nicht eben gut.
Die Tage sind schon lang: Um kurz nach fünf klingelt der Wecker, um kurz nach sechs treffen wir unseren Kollegen und fahren ins Büro. Da kommen wir gegen sieben, halb acht Uhr an – je nach Verkehr (der ist hier ein echtes Erlebnis: Rechts überholen, hupen, zu schnell fahren, rote Ampeln sind meist nur Farbtupfer in der Landschaft - aber zu diesem Thema kommt von Uli noch mehr ;-)) Von zwölf bis eins ist Mittagspause und gegen viertel vor fünf geht es wieder Richtung Valencia, wo wir meistens gegen sechs, halb sieben eintreffen. Wenn wir dann noch einkaufen müssen, dauert es noch etwas länger, zumal der Feierabendverkehr noch abenteuerlicher ist (gefühlt) als tagsüber...
Mittwoch, 4. Februar 2009
Die ersten Wochen...
oder besser gesagt, die ersten 3 Monate sind wie im Flug vergangen.
Einen kurzen Anflug von Heimweh habe ich bereits hinter mir, das war ganz am Anfang. Durch die Umstellung der Zeit, des ganzen Umfeldes etwas angeschlagen, hat der erste Brief meiner Mutter (eingescannt und mir per E-Mail gesendet von meiner Freundin) mich erst einmal in Tränen ausbrechen lassen und ich hätte am liebsten sofort wieder die Koffer gepackt. War das überhaupt Heimweh oder vielleicht doch eher überreizte Nerven und leichte Panik vor dem, was mich erwartet? Ich kann es nicht genau sagen...Ich glaube, für „echtes" Heimweh bin ich noch nicht lang genug weg! Und natürlich hilft es, dass ich nicht alleine hier bin, sondern Uli bei mir habe.
Der ein oder andere mag so seine Zweifel gehabt haben (oder noch haben), ob das funktioniert - so lang kennen wir uns noch nicht und jetzt verbringen wir nicht nur die freie, sondern auch unsere Arbeitszeit miteinander...Keine Sorge ;-) Tagsüber im Büro sehen wir uns (fast) nur zur Pause, nur die freie Zeit verbringen wir – bisher – ausschliesslich gemeinsam. Erste Kontakte werden gerade geknüpft, von meiner Seite aus mit einer venezonlanischen und einer kolumbianischen Kollegin (beide auch englischsprachig) und von seiner Seite aus durch sein Hobby mit einem peruanischen, in Valencia beheimateten Fotografen, gemeinsame mit unserem Spanischlehrer (doppelter Nutzen ;-)) und seiner Frau.
Da es für uns beide aber noch viel zu erfahren und zu entdecken gibt, ist das quasi 24/7-Zusammensein ein Muss (im positiven Sinn) und somit fallen wir uns nicht einmal in der Freizeit auf die Neven ;-) So viel davon haben wir allerdings auch gar nicht – in der Woche sind wir kaum vor 18 Uhr zu Hause und dann ist es hier dunkel. Dann wiederum unterwegs zu sein, ist nicht so ratsam. Wenn überhaupt, zu zweit und mit dem Auto. Ein abendlicher Spaziergang – kein Gedanke! Und wenn spazierengehen, dann im bewachten Park oder auf jeden Fall dort, wo sich viele Menschen aufhalten.
Ruhe und Ungestörtheit sind hier nicht gefragt, ein Beispiel: Es gibt an der nördlichen Stadtgrenze von Valencia, einen Berg oder besser, eine kleine Erhebung, ein beliebtes Ziel für die Valencianer am Wochenende. Eine halbe Stunde hinauf, eine halbe wieder hinunter, oben eine kleine Rast, unten einen frischgepressten Saft. Man hat uns dringend geraten, diesen Berg nur am Wochenende morgens oder am frühen Nachmittag aufzusuchen, wenn viele Menschen dort sind. Leert es sich, ist die Gefahr, überfallen zu werden, zu gross. Wobei man davor nie sicher sein kann: Die Familie eines Kollegen ist letzte Woche in der Nacht von Sonntag auf Montag zu Hause überfallen worden. Alle Familienmitglieder gefesselt und alles mitgenommen, was nicht niet- und nagelfest war. Es ist niemand zu körperlichem Schaden gekommen, aber solche Geschehnisse gehören hier mehr oder minder zur Tagesordnung. Wir sind sehr froh, dass wir in einem mehrstöckigen Haus wohnen und weder die Kameras in den Fluren noch die vergitterte Eingangstür geben mir ein Gefühl von ausspioniert werden oder eingesperrt sein, sondern beruhigen mich vielmehr.
Politik ist hier natürlich Thema, gerade jetzt, wo das zweite Referendum ansteht, mit dem Chávez seine zeitlich unbegrenzte Präsidentschaft zu sichern (offiziell die Möglichkeit zur Wiederwahl, klar), aber eher hinter vorgehaltener Hand. Wir als Expats mussten uns vertraglich verpflichten, uns aus allem Politischen rauszuhalten. Natürlich kommt aber immer die Frage: Und was hältst du von Chavéz? Bei den Venezolanern ist er ab Mittelschicht aufwärts kaum gut gelitten, klar, als Verfechter des Sozialismus. Nichts desto trotz halten wir uns mit Meinungen und Ansichten eher zurück. Man weiss nie so genau und noch dazu ist unser Auftraggeber ein halb staatlicher Betrieb...
Über Deutschland selbst wissen die meisten Menschen nicht viel; gelegentlich trifft man auf Venezolaner (Oberschicht), die schon mal in München oder Düsseldorf waren, wobei München überwiegt und dann das Gesamtbild prägt. Die vorherrschende Meinung über die Deutschen ist, wie so oft zu finden, „fleissig, sauber, ordentlich, organisiert, pünktlich, zuverlässig"...
Das Arbeiten hier ist anders als in Deutschland, ich hab den Eindruck, der Umgang ist herzlicher und es gibt mehr Mit- als Gegeneinander. Manchmal können die Leute einen (Deutschen) mit ihrer, nennen wir es mal Ruhe, aber auch in den Wahnsinn treiben; wenn man nach einer Sache fragt, muss man am Ball bleiben und wieder und wieder nachfragen, sondern bekommt man nie eine Antwort. Gibt natürlich auch hier Ausnahmen, wie eben überall. Was mir sehr positiv aufgefallen ist: Es wird viel mehr gelacht. Kurz vor Weihnachten wurde in der Firma gewichtelt (wir waren leider zu spät dran und noch nicht dabei) und ich hab mich lang nicht so amüsiert wie beim Zuschauen an diesem Wichtelnachmittag, obwohl ich kaum ein Drittel verstanden habe....
Mein (oder vielmehr unser) Fazit nach den ersten Wochen: Man kann hier (gut) leben. Aber muss man sich arrangieren: Es gibt nicht immer überall alles, man kann nicht überall (und schon gar nicht allein) hingehen. Auf Zeit ist das für mich kein Problem, aber dauerhaft würde ich nicht hierbleiben wollen.
Einen kurzen Anflug von Heimweh habe ich bereits hinter mir, das war ganz am Anfang. Durch die Umstellung der Zeit, des ganzen Umfeldes etwas angeschlagen, hat der erste Brief meiner Mutter (eingescannt und mir per E-Mail gesendet von meiner Freundin) mich erst einmal in Tränen ausbrechen lassen und ich hätte am liebsten sofort wieder die Koffer gepackt. War das überhaupt Heimweh oder vielleicht doch eher überreizte Nerven und leichte Panik vor dem, was mich erwartet? Ich kann es nicht genau sagen...Ich glaube, für „echtes" Heimweh bin ich noch nicht lang genug weg! Und natürlich hilft es, dass ich nicht alleine hier bin, sondern Uli bei mir habe.
Der ein oder andere mag so seine Zweifel gehabt haben (oder noch haben), ob das funktioniert - so lang kennen wir uns noch nicht und jetzt verbringen wir nicht nur die freie, sondern auch unsere Arbeitszeit miteinander...Keine Sorge ;-) Tagsüber im Büro sehen wir uns (fast) nur zur Pause, nur die freie Zeit verbringen wir – bisher – ausschliesslich gemeinsam. Erste Kontakte werden gerade geknüpft, von meiner Seite aus mit einer venezonlanischen und einer kolumbianischen Kollegin (beide auch englischsprachig) und von seiner Seite aus durch sein Hobby mit einem peruanischen, in Valencia beheimateten Fotografen, gemeinsame mit unserem Spanischlehrer (doppelter Nutzen ;-)) und seiner Frau.
Da es für uns beide aber noch viel zu erfahren und zu entdecken gibt, ist das quasi 24/7-Zusammensein ein Muss (im positiven Sinn) und somit fallen wir uns nicht einmal in der Freizeit auf die Neven ;-) So viel davon haben wir allerdings auch gar nicht – in der Woche sind wir kaum vor 18 Uhr zu Hause und dann ist es hier dunkel. Dann wiederum unterwegs zu sein, ist nicht so ratsam. Wenn überhaupt, zu zweit und mit dem Auto. Ein abendlicher Spaziergang – kein Gedanke! Und wenn spazierengehen, dann im bewachten Park oder auf jeden Fall dort, wo sich viele Menschen aufhalten.
Ruhe und Ungestörtheit sind hier nicht gefragt, ein Beispiel: Es gibt an der nördlichen Stadtgrenze von Valencia, einen Berg oder besser, eine kleine Erhebung, ein beliebtes Ziel für die Valencianer am Wochenende. Eine halbe Stunde hinauf, eine halbe wieder hinunter, oben eine kleine Rast, unten einen frischgepressten Saft. Man hat uns dringend geraten, diesen Berg nur am Wochenende morgens oder am frühen Nachmittag aufzusuchen, wenn viele Menschen dort sind. Leert es sich, ist die Gefahr, überfallen zu werden, zu gross. Wobei man davor nie sicher sein kann: Die Familie eines Kollegen ist letzte Woche in der Nacht von Sonntag auf Montag zu Hause überfallen worden. Alle Familienmitglieder gefesselt und alles mitgenommen, was nicht niet- und nagelfest war. Es ist niemand zu körperlichem Schaden gekommen, aber solche Geschehnisse gehören hier mehr oder minder zur Tagesordnung. Wir sind sehr froh, dass wir in einem mehrstöckigen Haus wohnen und weder die Kameras in den Fluren noch die vergitterte Eingangstür geben mir ein Gefühl von ausspioniert werden oder eingesperrt sein, sondern beruhigen mich vielmehr.
Politik ist hier natürlich Thema, gerade jetzt, wo das zweite Referendum ansteht, mit dem Chávez seine zeitlich unbegrenzte Präsidentschaft zu sichern (offiziell die Möglichkeit zur Wiederwahl, klar), aber eher hinter vorgehaltener Hand. Wir als Expats mussten uns vertraglich verpflichten, uns aus allem Politischen rauszuhalten. Natürlich kommt aber immer die Frage: Und was hältst du von Chavéz? Bei den Venezolanern ist er ab Mittelschicht aufwärts kaum gut gelitten, klar, als Verfechter des Sozialismus. Nichts desto trotz halten wir uns mit Meinungen und Ansichten eher zurück. Man weiss nie so genau und noch dazu ist unser Auftraggeber ein halb staatlicher Betrieb...
Über Deutschland selbst wissen die meisten Menschen nicht viel; gelegentlich trifft man auf Venezolaner (Oberschicht), die schon mal in München oder Düsseldorf waren, wobei München überwiegt und dann das Gesamtbild prägt. Die vorherrschende Meinung über die Deutschen ist, wie so oft zu finden, „fleissig, sauber, ordentlich, organisiert, pünktlich, zuverlässig"...
Das Arbeiten hier ist anders als in Deutschland, ich hab den Eindruck, der Umgang ist herzlicher und es gibt mehr Mit- als Gegeneinander. Manchmal können die Leute einen (Deutschen) mit ihrer, nennen wir es mal Ruhe, aber auch in den Wahnsinn treiben; wenn man nach einer Sache fragt, muss man am Ball bleiben und wieder und wieder nachfragen, sondern bekommt man nie eine Antwort. Gibt natürlich auch hier Ausnahmen, wie eben überall. Was mir sehr positiv aufgefallen ist: Es wird viel mehr gelacht. Kurz vor Weihnachten wurde in der Firma gewichtelt (wir waren leider zu spät dran und noch nicht dabei) und ich hab mich lang nicht so amüsiert wie beim Zuschauen an diesem Wichtelnachmittag, obwohl ich kaum ein Drittel verstanden habe....
Mein (oder vielmehr unser) Fazit nach den ersten Wochen: Man kann hier (gut) leben. Aber muss man sich arrangieren: Es gibt nicht immer überall alles, man kann nicht überall (und schon gar nicht allein) hingehen. Auf Zeit ist das für mich kein Problem, aber dauerhaft würde ich nicht hierbleiben wollen.
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