Bevor wir von unserem Wochenende in den Anden berichten, hier Ulis ganz besonderes Einkaufsvergnügen ;-)
Wenn es alles gäbe, würde es ja richtig Spass machen. Aber Einkaufen in einem Land auf dem Weg zur real-existierenden Mangelwirtschaft hat auch viel mit Glück zu tun.
Ok, die Regale in den Supermärkten sind gefüllt, auf den ersten Blick. Auf den zweiten Blick fällt auf, dass es Kaffee nicht immer gibt. Warum denn das? Ist nicht Venezuela Kaffeeland? Oder zumindest doch Kolumbien, das Nachbarland. Da sollte es doch kein Problem sein, immer und überall Kaffee anzubieten. Ist es aber. Warum weiß der Henker. Wir haben es öfters erlebt, dass zwar Kaffee da war, aber nur max. 1 kg pro Person eingekauft werden durfte. Die ersten vier Wochen haben wir mit Zuckerersatzstoff überbrückt, weil es keinen Zucker zu kaufen gab. Dafür gab es Wachteleier im Überfluss. Äußerst merkwürdig.
Die Essgewohnheiten passen sich sehr schnell den lokalen Möglichkeiten an. Aufschnitt oder Salami? Das lässt man besser bleiben, denn das magere Angebot gibt nicht viel her und wenn es dann doch mal Aufschnitt gibt, kauft man ihn besser nicht. Sieht weder appetitlich aus, noch hat er Geschmack. Salami ist nur gut, wenn importierte Ware angeboten wird. Die dann aber zu hohen Importpreisen. Käse schmeckt leider auch nicht, hat eigentlich gar keinen Eigengeschmack, kann man also auch bleiben lassen. Es sei denn, importierteter Edamer oder Leerdamer. Der schmeckt wie zu Hause, kein Wunder, der kommt ja auch daher.
Es gibt aber auch leckere Sachen, die es in Europa nur selten oder gar nicht gibt. Z.B. Papaya. Die sind süss und saftig. Oder Melonen. Früchte überhaupt sind reichlich vorhanden. Viele davon haben wir zum ersten Mal hier gesehen. Die haben so wohlklingende Namen wie Guayaba oder Parchita und sind wirklich lecker. Andere waren so hart oder sauer, dass wir sie gar nicht essen konnten. Vielleicht muss man die erst kochen oder reifen lassen. Wir werden es herausfinden.
Gutes Brot scheint ein Geheimnis deutscher Bäcker zu bleiben. Denn ausserhalb der Grenzen deutschsprachiger Länder haben wir bisher weder Vollkornbrot noch Schwarzbrot gefunden, es sei denn ein deutscher Bäcker hat sich irgendwo in der Fremde nieder gelassen. Nach Valencia ist noch keiner gekommen, sonst wüssten wir das. Hier gibt es nur weiches, weisses Gummitoastbrot. Das Bedürfnis, in ein Vollkornbrot zu beissen, hat uns soweit getrieben, dass wir mittlerweile unser Brot selbst backen. Das ist auch nicht schwerer als Kuchen backen, vorausgesetzt man hat die geeigneten Zutaten. Da Hefe zu bekommen fast unmöglich ist, haben wir anfangs mit Sauerteig gebacken. Leider ging das Brot nicht soweit auf und blieb relativ klein und hart. Mit der Trockenhefe, die uns eine Arbeitskollegin aus Kolumbien mitbrachte, geht es schon besser. Mit jedem Backvorgang nähern wir uns dem Idealziel eines deutschen Brotes und bringen, wenn wir eingeladen sind, auch schon mal ein Exemplar unserer neu gewonnenen Backkünste mit.
Die Kosten für Lebensmittel sind sehr unterschiedlich. Alles Importierte ist teuer und das sind über 90% der Regalinhalte. Nur lokale Produkte wie Obst, Gemüse und Fisch sind wirklich günstig. Zu Silvester haben wir uns ein importiertes Schwarzbrot aus Deutschland geleistet. Das war ebenso teuer wie das ½ Kilo Gambas, das es dazu gab.
Wer denkt, dass Deutschland eine Servicewüste mit meist unwilligem und unfreundlichem Verkaufpersonal ist, der wird spätestens an der Kasse eines venezolanischen Supermarktes vom Gegenteil überzeugt. Dazu kommt noch eine venezolanische Besonderheit. Wer die Unverfrorenheit besitzt, die Kassiererin mit einem gefüllten Einkaufswagen zu belästigen, wird zuerst nach seiner RIF-Nummer gefragt. RIF-Nummer? Das hab ich mich auch das erste Mal gefragt. Das ist die Steuernummer, die vor jedem Bezahlvorgang, sei es in einem Supermarkt oder sonst wo, in den Kassencomputer eingegeben werden muss. Dann erscheint auf dem Display sofort die Identität des Einkaufenden mit Name, Adresse und Telefonnummer. Soviel zum lokalen Datenschutz. Als Fremder habe ich keine Steuernummer. Also fragt mich die Kassiererin nach meiner Ausweisnummer, Adresse und Telefonnummer. Ich habe aber keine Lust, meine persönlichen Daten rauszugeben, wer weiss, ob das nicht in einem Einbruch oder im schlimmsten Fall in einer Entführung endet. Also entscheide ich mich zu Fantasiedaten. Ich nenne eine achtstellige Nummer und behaupte, das sei meine Ausweisnummer. Das reicht in der Regel. Als Namen gebe ich an Hugo Habicht, Daniel Duesentrieb oder was mir sonst in dem Moment einfällt. Kontrolliert wird nicht und ich darf bezahlen. Der Sinn dieser Datenerfassung hat sich mir bis heute nicht erschlossen. Das ist aber noch nicht alles. Am Ausgang wartet schon die nächste Kontrolle. Bevor ich den Supermarkt verlassen darf, wird mein Kassenbon mit dem Inhalt meines Einkaufswagens verglichen und abgestempelt. Jetzt erst darf ich zum Auto...
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