war unser Heimweg heute. Den ersten Stau gab es bereits auf der Autopista zwischen Morón und Valencia, die Ursache harmlos. Eine neue Baustelle, ein Stück Straße wird aufgerissen, die Spuren von drei auf eine verengt. Keine große Sache, es geht schon im Schritttempo die meiste Zeit, hat uns aber doch eine halbe Stunde gekostet.
Hinter der Peaje, der ehemaligen Mautstation dann die nächsten Warnblinker vor uns und wieder stehen. Dieses Mal geht gar nichts, wir stehen und können vor uns nicht viel mehr erkennen als die Rücklichter der anderen Autos. Die Leute beginnen, aus den Autos auszusteigen, immer ein schlechtes Zeichen. Immerhin tauchen keine Straßenverkäufer auf (vielleicht wegen der einsetzenden Dunkelheit?) und unser Mitfahrer findet in der Tasche des Fahrersitzes sogar noch eine Flasche Bier, die wir erst einmal vor der Aircondition kühlen und dann brüder- und schwesterlich teilen ;-)
Als wir eine weitere halbe Stunde später auf die nächste Autobahn wechseln, läuft zunächst alles reibungslos, sogar zügiger als gewohnt und wir sind der einhelligen Meinung, dass wir mit einer knappen Stunde Verspätung doch noch relativ gut durchkommen werden. Denken wir. Die Abfahrt vor unserer Ausfahrt ist gesperrt von der Guardia Nacional. Auf der Brücke über die Autobahn erkennen wir schemenhaft einen LKW mit offener Ladefläche, auf der Menschen stehen. Wir fahren die Ausfahrt runter, auf die Brücke und sind plötzlich fast mittendrin. Knapp zweihundert Meter vor uns brennen Reifen, die Autos stehen hupend in der Schlange, kein Gedanke daran, den gewohnten Weg auch wie gewohnt zu fahren. Die ersten Rücklichter leuchten auf, es ist kein Durchkommen und die Menschen wollen umdrehen, um wie auch immer vorwärts zu kommen. Denn in die andere Richtung, in die Stadt hinein, geht es auch nicht, dort ist ebenfalls gesperrt.
Plötzlich hören wir Schüsse, ich sehe einen jungen Mann davonlaufen, einen von der Guardia Nacional mit dem Gewehr im Anschlag hinterher. Beide verschwinden im Dunkel, ich weiß nicht, ob der junge Mann getroffen wurde, ob mit "echten" Kugeln oder "nur" mit Gummigeschossen geschossen wurde...Wir drehen jetzt ebenfalls um, irgendwie müssen wir hier weg und zwar zügig. Nach dem Wechsel der Fahrtrichtung aber auch dort Chaos und nun sehen wir im Rückspiegel, dass es in Richtung unseres Hauses wieder relativ frei ist. Die Guardisten stehen noch dort, aber die brennenden Reifen und die Menschentraube sind verschwunden, wohin auch immer. Also wieder wenden und ein neuer Versuch. Bis über die Kreuzung geht es auch ganz gut, aber an der nächsten Ecke ist es wieder vorbei. Hier bewegt sich gar nichts mehr, nur Hupen, Geschrei und aus vielen Häusern ringsum der Klang von Topfschlagen, was hier die Solidarisierung mit der Opposition bedeutet. Die Autos stehen dicht an dicht, die Nerven liegen blank, und die Leute gehen nicht gerade freundlich miteinander um.
Wir kommen in 20 Minuten ungefähr 250 Meter voran und beschließen, das Auto in einer der Einfahrten zu einer der privaten, d. h. abgesperrten Wohnstraßen abzustellen und die restlichen 500 Meter nach Hause zu laufen. Mehr als Verkehrchaos tobt hier nicht, wir müssen uns keine Sorgen machen, heute Abend ist der Weg unbedenklich und kurze Zeit später sind wir sicher in unserem Appartement.
Grund für die Unruhen heute war die erneute Schließung von TV- und Kabelsendern durch die Regierung. Außerdem hat der Vizepräsident abgedankt, angeblich aus persönlichen Gründen, aber nicht wegen Differenzen mit dem Präsidenten, so heißt es.
Es ist unruhig, und nicht nur die Maßnahmen des Präsidenten im Bezug auf Regierungsgegner oder auch nur Kritiker sorgen dafür. Inzwischen sind wir alle 3 Tage für 2 Stunden ohne Strom, vorerst. Da es nicht regnet und des Wasserpegel des Staudamms, der das Kraftwerk, das für 70 % der Stromversorgung des Landes sorgt, immer weiter sinkt, gehen wir davon aus, das demnächst der Zeitraum verkürzt und die Dauer der Abschaltung verlängert wird. Alle hoffen auf Regen zum Beginn der Regenzeit Ende März, denn was ohne Strom und Wasser passieren wird, möchten wir uns nicht vorstellen.
Montag, 25. Januar 2010
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... und dann regen wir uns über streikende Bus- und Straßenbahnfahrer auf, weil die mehr Gehalt haben wollen. Da möchte ich nicht mit euch tauschen. LG, Frank
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