Mittwoch, 4. Februar 2009

Die ersten Wochen...

oder besser gesagt, die ersten 3 Monate sind wie im Flug vergangen.

Einen kurzen Anflug von Heimweh habe ich bereits hinter mir, das war ganz am Anfang. Durch die Umstellung der Zeit, des ganzen Umfeldes etwas angeschlagen, hat der erste Brief meiner Mutter (eingescannt und mir per E-Mail gesendet von meiner Freundin) mich erst einmal in Tränen ausbrechen lassen und ich hätte am liebsten sofort wieder die Koffer gepackt. War das überhaupt Heimweh oder vielleicht doch eher überreizte Nerven und leichte Panik vor dem, was mich erwartet? Ich kann es nicht genau sagen...Ich glaube, für „echtes" Heimweh bin ich noch nicht lang genug weg! Und natürlich hilft es, dass ich nicht alleine hier bin, sondern Uli bei mir habe.

Der ein oder andere mag so seine Zweifel gehabt haben (oder noch haben), ob das funktioniert - so lang kennen wir uns noch nicht und jetzt verbringen wir nicht nur die freie, sondern auch unsere Arbeitszeit miteinander...Keine Sorge ;-) Tagsüber im Büro sehen wir uns (fast) nur zur Pause, nur die freie Zeit verbringen wir – bisher – ausschliesslich gemeinsam. Erste Kontakte werden gerade geknüpft, von meiner Seite aus mit einer venezonlanischen und einer kolumbianischen Kollegin (beide auch englischsprachig) und von seiner Seite aus durch sein Hobby mit einem peruanischen, in Valencia beheimateten Fotografen, gemeinsame mit unserem Spanischlehrer (doppelter Nutzen ;-)) und seiner Frau.

Da es für uns beide aber noch viel zu erfahren und zu entdecken gibt, ist das quasi 24/7-Zusammensein ein Muss (im positiven Sinn) und somit fallen wir uns nicht einmal in der Freizeit auf die Neven ;-) So viel davon haben wir allerdings auch gar nicht – in der Woche sind wir kaum vor 18 Uhr zu Hause und dann ist es hier dunkel. Dann wiederum unterwegs zu sein, ist nicht so ratsam. Wenn überhaupt, zu zweit und mit dem Auto. Ein abendlicher Spaziergang – kein Gedanke! Und wenn spazierengehen, dann im bewachten Park oder auf jeden Fall dort, wo sich viele Menschen aufhalten.

Ruhe und Ungestörtheit sind hier nicht gefragt, ein Beispiel: Es gibt an der nördlichen Stadtgrenze von Valencia, einen Berg oder besser, eine kleine Erhebung, ein beliebtes Ziel für die Valencianer am Wochenende. Eine halbe Stunde hinauf, eine halbe wieder hinunter, oben eine kleine Rast, unten einen frischgepressten Saft. Man hat uns dringend geraten, diesen Berg nur am Wochenende morgens oder am frühen Nachmittag aufzusuchen, wenn viele Menschen dort sind. Leert es sich, ist die Gefahr, überfallen zu werden, zu gross. Wobei man davor nie sicher sein kann: Die Familie eines Kollegen ist letzte Woche in der Nacht von Sonntag auf Montag zu Hause überfallen worden. Alle Familienmitglieder gefesselt und alles mitgenommen, was nicht niet- und nagelfest war. Es ist niemand zu körperlichem Schaden gekommen, aber solche Geschehnisse gehören hier mehr oder minder zur Tagesordnung. Wir sind sehr froh, dass wir in einem mehrstöckigen Haus wohnen und weder die Kameras in den Fluren noch die vergitterte Eingangstür geben mir ein Gefühl von ausspioniert werden oder eingesperrt sein, sondern beruhigen mich vielmehr.

Politik ist hier natürlich Thema, gerade jetzt, wo das zweite Referendum ansteht, mit dem Chávez seine zeitlich unbegrenzte Präsidentschaft zu sichern (offiziell die Möglichkeit zur Wiederwahl, klar), aber eher hinter vorgehaltener Hand. Wir als Expats mussten uns vertraglich verpflichten, uns aus allem Politischen rauszuhalten. Natürlich kommt aber immer die Frage: Und was hältst du von Chavéz? Bei den Venezolanern ist er ab Mittelschicht aufwärts kaum gut gelitten, klar, als Verfechter des Sozialismus. Nichts desto trotz halten wir uns mit Meinungen und Ansichten eher zurück. Man weiss nie so genau und noch dazu ist unser Auftraggeber ein halb staatlicher Betrieb...

Über Deutschland selbst wissen die meisten Menschen nicht viel; gelegentlich trifft man auf Venezolaner (Oberschicht), die schon mal in München oder Düsseldorf waren, wobei München überwiegt und dann das Gesamtbild prägt. Die vorherrschende Meinung über die Deutschen ist, wie so oft zu finden, „fleissig, sauber, ordentlich, organisiert, pünktlich, zuverlässig"...
Das Arbeiten hier ist anders als in Deutschland, ich hab den Eindruck, der Umgang ist herzlicher und es gibt mehr Mit- als Gegeneinander. Manchmal können die Leute einen (Deutschen) mit ihrer, nennen wir es mal Ruhe, aber auch in den Wahnsinn treiben; wenn man nach einer Sache fragt, muss man am Ball bleiben und wieder und wieder nachfragen, sondern bekommt man nie eine Antwort. Gibt natürlich auch hier Ausnahmen, wie eben überall. Was mir sehr positiv aufgefallen ist: Es wird viel mehr gelacht. Kurz vor Weihnachten wurde in der Firma gewichtelt (wir waren leider zu spät dran und noch nicht dabei) und ich hab mich lang nicht so amüsiert wie beim Zuschauen an diesem Wichtelnachmittag, obwohl ich kaum ein Drittel verstanden habe....

Mein (oder vielmehr unser) Fazit nach den ersten Wochen: Man kann hier (gut) leben. Aber muss man sich arrangieren: Es gibt nicht immer überall alles, man kann nicht überall (und schon gar nicht allein) hingehen. Auf Zeit ist das für mich kein Problem, aber dauerhaft würde ich nicht hierbleiben wollen.

4 Kommentare:

  1. Ein "Hallo" in die Ferne ... Gute Idee mit dem Blog. So ist man immer up-to-date. ;-)) Hört sich ja echt spannend an. Freue mich schon auf mehr. LG, Frank L.

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  2. Ich finde die Idee mit dem Blog fantastisch! Y quiza escriben ustedes algo mas en espanol o habeis olvidado el espanol y de mi tambien? es una pena!
    Besos....

    Sylvia Weber

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  3. Ich vermisse euch sehr! Ich wurde mich freue euch wieder zu sehen

    Saludo caluroso desde la ciudad del frio (Wuppertal)

    Sylvia

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  4. Sylvia, nunca olvidé de escribir en español y ni a ti ;-) pero el blog es para nos familias y amigos alemanes, por eso en aleman, vale?
    Entonces es un ejercicio aleman por ti :-P

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