Samstag, 21. März 2009

Morgens um 7...

...ist die Welt noch in Ordnung! Jedenfalls am Samstag, denn um 7 wach zu werden, bedeutet am Samstag ausschlafen ;-)

Während der Woche klingelt der Wecker um fünf und wer mich kennt, weiss, das ist Quälerei! Aber nach der Dusche geht es und ich bin halbwegs ansprechbar. Wenn ich aus dem Bad komme (Stunden später...), hat Uli bereits Kaffee gemacht und unser Frühstück für's Büro verpackt. Beim Kaffee noch mal kurz ins Internet, nach E-Mails gucken und in "mein" Forum (im Büro haben wir seit Wochen kein Netz), dann zusammenpacken, die Tassen abspülen - ganz wichtig, denn wir sind hier ziemlich ameisengeplagt (und das im 9. Stock) und lassen nichts, was irgendwie mit Nahrung zu tun hat, offen stehen - und los geht's. Mit dem Fahrstuhl in die Tiefgarage, dort wartet meist schon unser Kollege, der ein Stockwerk über uns wohnt und mit dem wir uns im Moment das Auto teilen.

In der Früh fahre ich die 52 km bis Morón. Die ersten Wochen hab ich mich nicht getraut, aber irgendwann hab ich mir gedacht, ok, mach es einfach. Morgens ist der Verkehr noch nicht ganz so chaotisch wie am Nachmittag, scheinbar hören zwar alle zur gleichen Zeit auf, fangen aber nicht gleichzeitig an ;-) Vor der Peaje, der Mautstation, staut es sich allerdings immer. Völlig überflüssig, diese Einrichtung, die meisten sind inzwischen bereits stillgelegt. Aber auf unserer Strecke ist viel LKW-Verkehr unterwegs, die Autopista führt nach Puerto Cabello, dem wichtigsten Hafen des Landes und in den Industriegürtel, in dem sich unsere Baustelle und gleichfalls das alte, noch laufende Werk unseres Auftraggebers befindet. Wegen des hohen Verkehrsaufkommens mag es hier also noch lohnend sein, wir rätseln jeden Tag aufs Neue. Gerade diese Woche ist es sehr amüsant: In Richtung Valencia/Caracas stehen vor der Peaje 2 LKW mit grossen Bohrköpfen, wie sie für den Tunnelbau verwendet werden. Der Durchmesser LKW + Bohrkopf ist > Durchfahrt Peaje und wir sind gespannt, wie lange die Fracht dort stehen wird und hoffen, dass wir mitbekommen, wie das Ganze aufgelöst wird...

Nach der Peaje geht es auf die Autopista, die in 70er Jahren gebaut wurde und deren Belag immer nur fleckenweise erneuert wird. Die rechte Spur, auf der die LKW fahren, ist mehr eine Buckelpiste mit vielen Schlaglöchern; man fährt hier am besten so, wie es in Deutschland verpönt ist: Stur linke Spur! Und wenn man überholt, dann eben rechts, das ist völlig normal. Die Fahrt verläuft ereignislos, nur in El Palito ist es immer noch mal spannend. El Palito ist ein ca. 1,5 km langer Strassenzug, gehört zwar eigentlich zu Puerto Cabello, liegt aber einige Kilometer vor der Stadt. Nur eine Durchgangsstrasse, aber rechts und links ein Gewusel von Bistros, Restaurant, Coco-frio- und Empanadaständen und donnerstags und freitags am Nachmittag frischer Fisch. Doch, der ist frisch, so schön, wie er da in der warmen Nachmittagssonne glänzt, ganz bestimmt ;-)))
Aber jetzt ist es noch früh am Morgen und viele der Truckfahrer und andere Berufstätige halten an den Empanadaständen, um sich mit einem (ziemlich fettigen) Frühstück zu versorgen.

Das Besondere an El Palito: Die Strasse ist in jede Richtung 2spurig und dann gibt es noch eine Mittelspur. Die wiederum ist am Morgen nur in Richtung Norden und am Abend in Richtung Süden zu befahren. Bzw. gilt diese Regelung - ungefähr - ab Mittag. Wenn man dann falsch herum unterwegs ist, muss man eben den Rückwärtsgang einlegen und Platz machen! Das Einfädeln am Ende der Spur zurück auf die reguläre Fahrbahn hat immer ohne Probleme geklappt, bis ein schlauer Mensch eine Schranke aufgestellt hat. Die hat die Autofahrer in den Gegenverkehr gezwungen, dann musste man einen kleinen Schlenker machen und hinter der Schranke darauf hoffen, dass man a) gesehen und b) zügig wieder reingelassen wird. Der morgendliche Verkehr, ohnehin schon zähfliessend in El Palito, wurde durch diese Neuerung erst richtig ins Stocken gebracht. Ziemlich beschränkte Idee und dem Himmel sei Dank, hatte letzte Woche endlich jemand ein Einsehen. Wir konnten beobachten, dass die Schranke mit Hilfe eines Schneidbrenners fein säuberlich zerlegt wurde und alles läuft wieder so wie vorher.

Kurz vor der Baustelle gibt es noch ein weiteres Nadelöhr, eine Brücke, über die der Verkehr einspurig geleitet wird. Ist man nur einige Minuten später als sonst, kann es passieren, dass man rund 20 Minuten braucht, um über die Brücke und wieder auf die 2spurige Fahrbahn zu kommen. Interessant ist, wenn sich die 2 Spuren zu einer verjüngen: Am besten fährt man langsam weiter, nur nicht ausweichen, dann wird man garantiert beiseite gedrängt. Alles nicht mit böser Absicht, nur frei nach dem Motto "Wer zuerst kommt,..."
Dann haben wir die Einfahrt zur Baustelle erreicht. Rechts abbiegen von der Strasse über den kleinen Platz vor dem Bauzaun. Im Moment staubt es hier ordentlich, dieses Stück ist nicht geteert oder wenigstens mit Kies aufgefüllt, nur der Sandboden. Der Ausbau lässt auf sich warten, Sache des Auftraggebers, der es damit nicht eilig hat. Sollte er bis zur Regenzeit nicht fertig sein, wird es es eine lustige Schlammschlacht mit den dann ca. 1.500 Fahrzeugen, PKW und LKW, die darüber fahren ;-)

Durch das offene Tor, vorbei an den Wachposten. Die Autos der Mitarbeiter auf der Baustelle sind mit einem Schild gekennzeichnet, alle anderen werden erst einmal kontrolliert. Uns kennt man sowieso schon, wir werden freundlich gegrüsst. Während wir die letzten paar Hundert Meter fahren, können wir sehen, wie die Baustelle wächst. In der "Laydown Area" liegt immer mehr Material, blanke Edelstahlrohre, aber auch schon sehr rostige aus Schwarzstahl, das dem Klima hier, dem hohen Salzgehalt in der feuchten Seeluft nicht standhält. Verbaut werden sie trotzdem, einmal sandgestrahlt, sehen sie wieder aus wie neu ;-) Neue Gerüste sind zu sehen, Wände wachsen stetig, Kräne haben jeden Tag eine neue Position.

Wir haben das einstöckige Bürogebäude erreicht, ich parke das Auto wie vorgeschrieben rückwärts ein. Sollte es, aus welchen Gründen auch immer, einmal passieren, dass wir die Baustelle schnell verlassen müssen, muss das Auto bereits in Fahrtrichtung stehen, um keine Zeit zu verlieren. Ammoniakalarm könnte ein Grund sein, wenn unser Auftraggeber gegenüber seinen Tank auswäscht und das Abwasser durch den offenen Kanal an unserem Büro vorbei ins Meer leitet. Die ekligen, brechreizerregenden Dämpfe machen das Atmen unmöglich. Einmal ist das bisher vorgekommen, seit wir hier sind. Das war gleich in der Früh und wir sind gar nicht erst aus dem Auto gestiegen...

Heute ist aber nichts weiter zu riechen als die salzige Seeluft und wir nehmen unsere Laptop-Taschen aus dem Kofferraum, ein paar Stufen zur Eingangstür, ein "Buenas Dias" für das auch hier präsente Wachpersonal und wir betreten das Büro.

So - nun wollte ich eigentlich über einen Arbeitstag berichten und bin doch gerade erst im Büro angekommen ;-) Also, demnächst mehr und dann mit Fotos, die ich sowieso noch nicht gemacht habe...Hier schon mal eins zum neugierig machen:

1 Kommentar:

  1. Das ist ein hochinteressanter Blog. Hat spaß gemacht, hier zu lesen. Besonders die Geschichte übers Einkaufen und das Brot hat mir gefallen :-)
    Euch beiden dann mal alles Gute in der Fremde.
    Take care
    Greetz aus Köln
    Uli

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