Sonntag, 28. März 2010

Erklärungen

Die vergangene Woche war eine Woche der Erklärungen ;-)

Nummer 1:
Wir haben unsere Steuern erklärt, was bedeutend einfacher ist als in Deutschland - die Steuererklärung passt, wenn auch nicht auf einen Bierdeckel, so doch immerhin auf eine(!) DIN-A4-Seite.

Etwas komplizierter wird es, wenn es ans Bezahlen geht. Die Steuern werden hier nicht gleich abgezogen wie in Deutschland, sondern erst mit der Erklärung fällig. Die muss man bis zum 31.03. des Jahres erledigt und auch den fälligen Betrag bezahlt haben. Aber online überweisen? Disculpa, Senora, das geht leider nicht! Bareinzahlung bei der Bank ist angesagt, denn die stempeln dann auch das entsprechende Formular für die eigenen Unterlagen, mit denen man die Zahlung nachweisen kann. Oder man kauft einen speziellen Scheck, ein normaler geht nicht, mit dem man den entsprechenden Betrag entrichtet..Irgendwo muss es ja verkompliziert werden ;-)

Nummer 2:
Hugo Chávez hat am Mittwoch Nachmittag erklärt, dass die semana santa, die Osterwoche, dieses Jahr verlängert wird. Normalerweise sind in Venezuela der Donnerstag und der (Kar)Freitag Feiertage. Dieses Jahr ist das etwas anders - auch der Montag, Dienstag und Mittwoch sind nach Hugos Willen und Gesetz nächste Woche frei. Hätte er sich das nicht eher einfallen lassen können? Dann wären wir bereits auf dem Weg nach Deutschland! Die Idee, die dahinter steckt? Energie sparen und Wählerstimmen sammeln. Es hat noch nicht geregnet, der Guri Stausee trocknet mehr und mehr aus. Und im Herbst sind Wahlen. Die zweite Maßnahme wird sicher Erfolg haben, sehr viele Menschen sind natürlich total begeistert, eine ganze Woche frei "geschenkt" zu bekommen. Ob die Idee des Energiesparens allerdings Früchte trägt? Eher kaum, denn wenn auch die Firmen und Geschäfte schließen, verlängert das die Frist bis zum Kollaps nur unwesentlich. Es muss schon einige Monate regnen, um den Wasserstand des Stausees wieder auf ein ausreichendes Maß zu bringen...

Nummer 3:
War die Erklärung des Dirigenten, dass das heutige Konzert der "festivales cabriales" das letzte der am 01. November begonnenen Reihe sei. Wir waren heute Vormittag im Park, der nicht weit von unserem Haus entfernt ist. Um 11 Uhr begann besagtes Konzert und wir waren wirklich sehr angetan. Verdi wurde zum Auftakt gespielt, Saint Saens Sinfonie folgte und zum Abschluß gab es Beethoven im Doppelpack. Die Ouvertüre Egmont und anschließend "Ode an die Freude". Wir waren vom gesamten Konzert begeistert, aber die Ode an die Freude war das Glanzstück der Vorstellung! Zum Orchester ein 40, 50 Mann starker Chor sowie ein Sopran, ein Mezzosopran, ein Tenor und ein Bariton. Eine tolle Darbietung unter freiem Himmel - wir sind wieder dabei, wenn im November in die neue Saison gestartet wird!



Mit Kollegin Astrid im Park

Samstag, 13. März 2010

Es war einmal...

...ein junger Mann, der lebte weit entfernt in einem kleinen Dorf. Jeder kannte jeden, er angelte und badete mit seinen Freunden im Fluss, spielte unbeschwert und wuchs glücklich und zufrieden auf. Irgendwann stellte er fest, dass die Welt ausserhalb seines Dorfes noch eine Menge zu bieten hatte, so zog er in die Stadt und ging auf die Universität, um seinen Traum zu verwirklichen, Ingenieur zu werden. Er lernte ein junges Mädchen kennen, ehrgeizig wie er, sie heirateten und um sich eine kleine Wohnung leisten zu können, ging der junge Mann neben seinem Studium noch arbeiten. Sie waren glücklich und zufrieden, so oft es ging, besuchte der junge Mann seine Familie in dem kleinen Dorf und traf dort auch oft die alten Freunde.

Eines Tages, als er zu Besuch war in dem kleinen Dorf, ging er durch die Strassen und begegnete einem der Freunde aus seiner Kindheit. "Komm, sagte der, "lass uns gemeinsam in die Dorfkneipe fahren und bei einem Bier über die alten Zeiten sprechen." Der junge Mann stieg in das Auto des alten Freundes und sie fuhren los. Eine Polizeistreife stoppte sie auf ihrem Weg, nur eine Routinekontrolle. Dabei stellte sich heraus, dass der alte Freund eine Waffe im Auto hatte, was natürlich streng verboten ist. Deswegen wurden beide jungen Männer verhaftet und eingesperrt. In dem Land, in dem der junge Mann lebt, geht es nicht immer sehr gerecht zu. Manchmal muss man sehr lange warten, bis über Recht und Unrecht entschieden wird. Es sei denn, man hat genügend Geld, wie die Familie seines alten "Freundes". Die hat den richtigen Menschen gegeben, was sie verlangten und mirnichts, dirnichts, war der "Freund" wieder frei.

Der junge Mann hatte nicht so viel Geld, seine Familie auch nicht. Und auch die Kollegen, die für ihn gesammelt haben, konnten nur den Anwalt bezahlen, der ihn vertreten hat bei der ersten Verhandlung, 4 Monate, nachdem er eingesperrt wurde, weil er zu seinem alten Freund ins Auto gestiegen war...

6 Jahre Haft hat er bekommen, weil man einen Schuldigen brauchte und der "Freund" hat sich ja freigekauft. 6 Jahre, weil er mit einem alten "Freund" ein Bier trinken wollte. Und der Traum vom Ingenieur ist ausgeträumt, das Leben kaputt und sein Lachen hat er lange verloren. Vielleicht, ganz vielleicht, weil er sich noch nie in seinem Leben etwas zuschulden kommen lassen hat, darf er nach einem Jahr auf Probe wieder raus.

Und dann?

Freitag, 5. März 2010

Abschied

gehört auf einer Baustelle auch dazu und ich gebe zu, es fällt mir nicht leicht.

Letzten Freitag haben wir unseren civil engineer Stephan verabschiedet. Sein Part ist erledigt, sein Vertrag beendet, es geht jetzt weiter auf die nächste Baustelle. Schade, er fehlt schon ein bißchen mit seinem frechen Mundwerk!

Und noch mehr unser reformer specialist, der ganz plötzlich wegen Krankheit nach Deutschland zurück musste und auch nicht mehr zurückkehren wird. Ich vermisse ihn sehr, unsere nachmittägliche Kaffeerunde ist um einen lieb gewonnenen Gesprächspartner ärmer geworden und auch in den Samstagabendrunden, bei den Feiern und Unternehmungen fehlt er einfach. Ich wünsche ihm sehr, dass er wieder vollkommen gesund wird und hoffe, wir bleiben in Kontakt!

Sicher, ich höre immer wieder, so ist das nun mal auf einer Baustelle, noch dazu im Ausland. Einer geht, der nächste kommt. Ein Gewerk ist abgeschlossen, der Verantwortliche wird nicht mehr gebraucht, ein neues beginnt, der nächste Kollege kommt. Und wird auch wieder gehen. Weiß ich alles, aber trotzdem muss es mir nicht gefallen, oder?

Sonntag, 7. Februar 2010

Was sonst noch passierte...

Letzten November hatte ich für einige Wochen einen heimlichen Freund. Genau genommen hatte ich sogar zwei, der eine hat mich beschenkt und dem anderen habe ich - ganz untypisch - Geschenke gemacht. Ganz offiziell, mit Ulis Wissen ;-) Das gesamte Büro hat's gewusst (ok, nicht, wer es war), und fast alle haben das gleiche Spielchen getrieben wie ich auch...

In der Weihnachtszeit spielt man in Venezuela, ich glaube, überall in Südamerika, in Schulen, Büros, Vereinen, Clubs, wo auch immer, "amigo secreto" (heimlicher Freund) und das funktioniert so:

Gestartet wird das Spiel meistens Mitte, Ende November. Man zieht ein Los, auf dem der Name des heimlichen Freundes steht, den man in den nächsten Wochen beschenken wird. Bei uns in der Büroküche stand eine großer, bunt beklebter Karton, in den hat man, möglichst jeden Tag, ein Geschenk für seinen amigo secreto gelegt. Nichts Großes, eine Süßigkeit, einen Apfel, eine weihnachtliche Kerze...Der ein oder andere hat auch schon mal eine Dose Bier gefunden oder ein "Herrenmagazin" ;-) Oft genug gab's großes Hallo, wenn jemand das Päckchen mit seinem Namen versehen aus der Box geholt und vor allen anderen ausgepackt hat!

Mein amigo secreto hat sich Zeit gelassen, 4 Tage lang habe ich jeden Morgen vergeblich in den Karton geschaut und nie war etwas für mich dabei. Die venezolanischen Kollegen haben mich schon bedauert, weil mein Gesicht jeden Tag ein bißchen länger wurde - ich hatte mich doch so auf das Spiel gefreut!
Am 5. Tag dann endlich war es soweit und ich habe ein hübsch verpacktes kleines Päckchen aus der Box gezogen und mich wie ein kleines Kind über den (Kinder)Ring mit dem rosa Steinchen gefreut. Ein bißchen was zum Naschen gab es auch noch dazu.

So geht es in den nächsten Wochen weiter. Eine Schokolade, ein Lesezeichen, ein frecher Spruch (der die venezolanischen Mädels höchst empört hat!) - ich habe jeden Tag auf's Neue meinen Spaß daran, in den großen Karton zu gucken und begeistert meine "Beute" herumzuzeigen. Oder einen Flunsch zu ziehen, weil nichts für mich dabei war ;-)

Der 11. Dezember ist der Tag der Auflösung und des großen Wichtelns! Venezolanisch fröhlich-laut-bunt und mit Geschenken, die sich gegenseitig an Witz und auch an Wert übertreffen. Lustig ist es und das hübsche kleine Armband, das mein (expat) Kollege Uli mir geschenkt, gefällt mir sehr gut. Ich staune über die Präsente, die manch einer auspackt; die Venezolaner schenken zu solchen Anlässen durchaus (und gern) Kleidung wie Hosen, Hemden oder T-Shirts und keiner findet etwas dabei, wenn unser Küken William (23) unserer Reinigungskraft Hilda (48) eine schicke Umhängetasche schenkt, aus der sie noch 2 Jeans zieht. Parfüms, Alkohol, Modeschmuck - man ist großzügig untereinander und ich frage mich schon, wie der ein oder andere sich das finanziell erlauben kann. Die Gehälter stehen in ihrer Höhe in keinem Verhältnis zu den - ständig steigenden - Preisen und wenn unserer Firma hier auch überdurchschnittlich gut bezahlt, verdienen doch die wenigsten unserer locals Reichtümer.

Aber für den Moment schiebe ich den Gedanken an die soziale und wirtschaftliche Lage der lokalen Kollegen, des Landes beiseite und freue mich einfach über die ausgelassene Stimmung! Am Sonntag (13.) ist Weihnachtsfeier und da geht es sicher noch einmal so hoch her ;-)

Montag, 25. Januar 2010

Unruhig

war unser Heimweg heute. Den ersten Stau gab es bereits auf der Autopista zwischen Morón und Valencia, die Ursache harmlos. Eine neue Baustelle, ein Stück Straße wird aufgerissen, die Spuren von drei auf eine verengt. Keine große Sache, es geht schon im Schritttempo die meiste Zeit, hat uns aber doch eine halbe Stunde gekostet.

Hinter der Peaje, der ehemaligen Mautstation dann die nächsten Warnblinker vor uns und wieder stehen. Dieses Mal geht gar nichts, wir stehen und können vor uns nicht viel mehr erkennen als die Rücklichter der anderen Autos. Die Leute beginnen, aus den Autos auszusteigen, immer ein schlechtes Zeichen. Immerhin tauchen keine Straßenverkäufer auf (vielleicht wegen der einsetzenden Dunkelheit?) und unser Mitfahrer findet in der Tasche des Fahrersitzes sogar noch eine Flasche Bier, die wir erst einmal vor der Aircondition kühlen und dann brüder- und schwesterlich teilen ;-)

Als wir eine weitere halbe Stunde später auf die nächste Autobahn wechseln, läuft zunächst alles reibungslos, sogar zügiger als gewohnt und wir sind der einhelligen Meinung, dass wir mit einer knappen Stunde Verspätung doch noch relativ gut durchkommen werden. Denken wir. Die Abfahrt vor unserer Ausfahrt ist gesperrt von der Guardia Nacional. Auf der Brücke über die Autobahn erkennen wir schemenhaft einen LKW mit offener Ladefläche, auf der Menschen stehen. Wir fahren die Ausfahrt runter, auf die Brücke und sind plötzlich fast mittendrin. Knapp zweihundert Meter vor uns brennen Reifen, die Autos stehen hupend in der Schlange, kein Gedanke daran, den gewohnten Weg auch wie gewohnt zu fahren. Die ersten Rücklichter leuchten auf, es ist kein Durchkommen und die Menschen wollen umdrehen, um wie auch immer vorwärts zu kommen. Denn in die andere Richtung, in die Stadt hinein, geht es auch nicht, dort ist ebenfalls gesperrt.

Plötzlich hören wir Schüsse, ich sehe einen jungen Mann davonlaufen, einen von der Guardia Nacional mit dem Gewehr im Anschlag hinterher. Beide verschwinden im Dunkel, ich weiß nicht, ob der junge Mann getroffen wurde, ob mit "echten" Kugeln oder "nur" mit Gummigeschossen geschossen wurde...Wir drehen jetzt ebenfalls um, irgendwie müssen wir hier weg und zwar zügig. Nach dem Wechsel der Fahrtrichtung aber auch dort Chaos und nun sehen wir im Rückspiegel, dass es in Richtung unseres Hauses wieder relativ frei ist. Die Guardisten stehen noch dort, aber die brennenden Reifen und die Menschentraube sind verschwunden, wohin auch immer. Also wieder wenden und ein neuer Versuch. Bis über die Kreuzung geht es auch ganz gut, aber an der nächsten Ecke ist es wieder vorbei. Hier bewegt sich gar nichts mehr, nur Hupen, Geschrei und aus vielen Häusern ringsum der Klang von Topfschlagen, was hier die Solidarisierung mit der Opposition bedeutet. Die Autos stehen dicht an dicht, die Nerven liegen blank, und die Leute gehen nicht gerade freundlich miteinander um.

Wir kommen in 20 Minuten ungefähr 250 Meter voran und beschließen, das Auto in einer der Einfahrten zu einer der privaten, d. h. abgesperrten Wohnstraßen abzustellen und die restlichen 500 Meter nach Hause zu laufen. Mehr als Verkehrchaos tobt hier nicht, wir müssen uns keine Sorgen machen, heute Abend ist der Weg unbedenklich und kurze Zeit später sind wir sicher in unserem Appartement.

Grund für die Unruhen heute war die erneute Schließung von TV- und Kabelsendern durch die Regierung. Außerdem hat der Vizepräsident abgedankt, angeblich aus persönlichen Gründen, aber nicht wegen Differenzen mit dem Präsidenten, so heißt es.

Es ist unruhig, und nicht nur die Maßnahmen des Präsidenten im Bezug auf Regierungsgegner oder auch nur Kritiker sorgen dafür. Inzwischen sind wir alle 3 Tage für 2 Stunden ohne Strom, vorerst. Da es nicht regnet und des Wasserpegel des Staudamms, der das Kraftwerk, das für 70 % der Stromversorgung des Landes sorgt, immer weiter sinkt, gehen wir davon aus, das demnächst der Zeitraum verkürzt und die Dauer der Abschaltung verlängert wird. Alle hoffen auf Regen zum Beginn der Regenzeit Ende März, denn was ohne Strom und Wasser passieren wird, möchten wir uns nicht vorstellen.

Mittwoch, 6. Januar 2010

Wenn einer eine Reise tut...

Valencia/Caracas, 18.12.2009:
Um 9 Uhr holt der Fahrer uns ab. Bis Caracas/Flughafen sind es zwar nur rund 160 km und unser Flieger geht erst um 17:30 Uhr, aber man darf nienienie den Fehler machen, den venezolanischen Verkehr zu unterschätzen, schon gar nicht zum Wochenende und erst recht nicht, wenn Feiertage/Ferien vor der Tür stehen. Prompt geraten wir auch noch in der Stadt in den ersten kleineren Stau. Dann geht es aber ganz gut weiter, wie üblich stellenweise etwas zäh fließend, aber wir haben immer noch genug Zeit. Unser Flieger geht um 17:20 Uhr, aber wiederum sollte man WE/Ferien/Feiertage beachten, da ist am Flughafen eine Menge los. Gegen 12 Uhr sind wir da, eigentlich öffnet der Lufthansaschalter auch erst um 12, aber wegen des zu erwartenden Ansturms hat man heute wohl eine Ausnahme gemacht, also auch hier schon "Stau". Rund eine Stunde Wartezeit später sind wir unsere großen Koffer los und zockeln mit Bordkarten und Handgepäck zum nächsten Schalter, an dem wir die Flughafensteuer bezahlen müssen.

Hier geht es schnell, aber das tut es eigentlich immer. Um rund 140 Bolivares (44 Euro) erleichtert, geht es weiter zur Handgepäckkontrolle und in die nächste Schlage zur Emigración, zur "Auswanderung", wo wir neben unseren Pässen und dem Nachweis über die bezahlte Flughafensteuer auch noch ein weiteres Zettelchen vorzeigen und abgeben, auf dem steht, wo wir wohnen, wohin wir fliegen, was wir machen, ob wir wiederkommen usw. usf. Es lebe der Datenschutz Es gibt übrigens hier Schalter für die Extranjeros, die Ausländer, und Schalter für die Venezolanos. Brav deutsch, wie wir sind, stellen wir uns in die Schlange für "unseren" Schalter und lauschen dem eindeutig venezolanischen Geplapper der Leute vor und hinter uns. So sind sie halt...

1,5 Stunden später ist auch das geschafft und wir haben HUNGER! Für mich schon Ritual, in Caracas am Flughafen esse ich bei Burger King und ich liebe es ;-) Es ist 15 Uhr und wir haben immer noch gut 2,5 Stunden bis zum Abflug vor uns - wenn die Maschine pünktlich startet (starten kann). Angeblich soll das zu den Feiertagen klappen, aber das glauben wir erst, wenn wir in der Luft sind! Aber jetzt erstmal flughafenbummeln. Nicht, dass der Flughafen so viel zu bieten hätte und wir nicht so ziemlich jeden Shop schon in- und auswendig kennen würden. Nur sitzen werden wir noch lange genug, also wird hin- und herflaniert und außerdem habe ich meiner Freundin Silvia versprochen, eine Stange Zigaretten mitzubringen. Rein in den duty free und zum Tabakwarenregal und erstmal große Augen gemacht! Ganze DREI Sorten werden dort angeboten und zwei davon sind mir im Leben noch nicht begegnet. Also die Luckys eingepackt und hoffen, dass die den richtigen Qualm machen!

Boarding beginnt heute schon mal pünktlich, aber wir sind immer noch skeptisch. Oft genug fällt es der Guardia Nacional ein, noch mal Fluggäste rauszurufen, eine Etage tiefer zum Gepäck zu bringen und die Koffer öffnen zu lassen. Aber heute geht tatsächlich alles zügig, schon sitzen wir im Flieger und mit nur 10 Minuten Verspätung starten wir Richtung Frankfurt...

Frankfurt, 19.12.2009 (8:30 Uhr)
Ich freu mich, nicht nur, wieder in Deutschland zu sein, sondern vor allem, weil es noch früh genug ist, so dass wir die Maschine nach Düsseldorf um kurz nach elf heute sicher erreichen werden. Die bekommen wir sonst nie und müssen immer umbuchen auf die Mittagsmaschine. Heute allerdings nicht *motz* Die freundliche Lufthansa-Dame in Caracas hat uns direkt auf die späte Maschine gebucht und ich bin stinksauer. Auf den früheren Flieger umbuchen geht nämlich nicht so einfach und dafür sei es auch schon zu spät, wie man uns mitteilt, also müssen wir warten. Ich stürme den duty free und 1 Parfum, 2 Cremes sowie 2 weitere Kosmetikprodukte später geht es mir besser ;-) Als wir dann noch lesen, dass der frühe Flug 2 Stunden Verspätung hat, kann ich schon wieder grinsen. Die knappe Stunde, die unsere Maschine dann auch noch verspätet ist, nehmen wir mit einem Achselzucken hin. Immer noch alles in der Zeit, ich hab doch am Nachmittag um 16 Uhr einen Friseurtermin in Leverkusen. Ein bisschen gereizt werde ich dann allerdings doch wieder, als wir noch eine ganze Weile in der (Außen)Parkposition herumstehen und keiner so recht weiß, warum. Die Damen und Herren Flugbegleiter sind auch nicht besonders auskunftsfreudig und ich beginne bereits zu überlegen, ob ich wohl am Montag vor Weihnachten noch einen neuen Termin zur Verschönerung meines Haupthaars bekommen kann...Aber dann geht es doch endlich los und wir landen nach etwas mehr als einer halben Stunde in

Düsseldorf, 19.12.2009 (14:50 Uhr)
Ok, es wird ein wenig eng, aber wenn ich eine viertel Stunde später komme, ist das sicher noch kein Problem! Wir stehen am Gepäckband und nach einigen Minuten purzeln die ersten Koffer auf's Band. Da ist schon meiner, wow, SO schnell ging das noch nie. Jetzt nur noch der von Uli, ab zur S-Bahn und wir sind schon fast bei Mamiin Leverkusen! Ungefähr 10 Minuten später hält das Band plötzlich an. Ulis Koffer und die von einigen Mitreisenden fehlen allerdings immer noch...Also, ab zur Gepäckermittlung und wieder in die Schlange stellen. Ich überlege kurz, ob ich toben soll oder ob doch ein bisschen von der venezolanischen Gelassenheit, die ich inzwischen gelernt habe, überwiegt und entscheide mich für letzteres. Rufe beim Friseur an, lasse mich von der Schnepfe (ja, sie ist eine!) an der Rezeption mit "meinem" Friseur verbinden und der rettet - im wahrsten Sinne des Wortes - meinen Kopf ;-) Er hat zwar Urlaub ab Montag, aber Kollege Andreas übernimmt, kein Problem. Oder anders, selbst wenn es eines ist, ist mir das gerade ziemlich egal...

Die Dame bei der Gepäckermittlung teilt uns freundlich mit, dass die Maschine, die uns von Frankfurt nach Düsseldorf gebracht hat, eine kleinere Ersatzmaschine war, die nicht alles Gepäck aufnehmen konnte und das Ulis Koffer noch in Frankfurt auf dem Gepäckwagen liegt. Aha, vielen Dank und jetzt? Ok, der Koffer kommt mit der Abendmaschine und wird per shuttle wenn möglich noch heute nach Leverkusen gebracht. Na dann - wir sind gespannt!

Jetzt also Aufbruch zum Flughafenbahnhof, rein in den Skytrain und an der letzten Station wieder raus, durch die Glastür und *brrrrrrrrrrrrrrrrrrrr* erstmal wie angewurzelt stehen bleiben!! Sch****, ist das kalt! Wir sind bei +30 Grad in Venezuela losgeflogen und frieren gerade bei -13 Grad in Düsseldorf fest. Ich hab ja wenigstens meinen Mantel dabei und Haare auf dem Kopp, aber Uli trägt nur einen dicken Pullover, eine Fleecejacke drüber und die Haare? Naja, er trägt jetzt halt immer Sommerfrisur *lol* Die bedecken wir mit meinem Basecap, das ich glücklicherweise im Koffer finde. Endlich, endlich kommt die S-Bahn, ein paar Stationen nur bis Leverkusen-Mitte und da steht Mami und hat das Auto schon vorgeheizt! Reicht aber nicht, wir sind durchgefroren und so ist die erste Aktion nach dem Ankommen Schuhe aus, Socken runter, Hosenbeine hoch und die Eisfüße in ein heißes Fußbad gesteckt! Funktioniert wunderbar und wir tauen langsam wieder auf. Heißer Ingwertee "oben" reingeschüttet hilft auch gut dabei.

Jetzt ist erstmal Ausspannen, Ruhe und Erholen und Erzählen und Weihnachtsnaschen und -Essen und Familie angesagt! Erst seine, dann am 26.12. meine und bei der bleibe ich, allerdings ohne Uli, der mit seinem Sohn verabredet ist, bis zum

31.12.2009 (Osnabrück, 8:30 Uhr)
Es schneit. Dicke weiße Flocke tanzen vor dem Fenster, so richtig hell will es auch nicht werden und wenn ich mir auch Winterwetter gewünscht habe, zum Reisen finde ich das eher lästig! Naja, denke ich mir, Schnee ist nicht so schlimm. Gestern Abend war es zwar glatt, aber du fährst ja mit der Bahn. Vielleicht das Taxi eine Viertelstunde eher bestellen, schon zu 10 Uhr. Es ist nicht so weit zum Bahnhof, aber bei dem Wetter lieber auf Nummer Sicher. Gedacht, getan und unterwegs erzählt mir der mitteilungsfreudige Taxifahrer bereits Dinge, die ich gar nicht hören will. Von einem Ehepaar, die eigentlich mit dem ICE nach Aachen fahren wollten, aber dann wieder heimgefahren sind, weil der ICE nicht fährt. Aachen und Leverkusen ist die gleiche Richtung, verflixt! Am Bahnhof verabschiedet er mich fröhlich "Gute Fahrt oder vielleicht bis gleich" *Aaaargh* Ich ziehe meinen viel zu schweren (1. bin ich Frau, 2. hab ich noch Einkäufe für VEN (und für mich) gemacht) Koffer durch den Schnee, betrete die Bahnhofshalle und schaue auf die Anzeigetafel. 10:37 Uhr, das ist meiner. Oder vielmehr, wäre meiner gewesen. Fällt aus. So wie noch 5 oder 6 oder 7 andere ICE's. Der leichte Regen gestern Abend und die Minustemperaturen in der Nacht haben die Oberleitungen vereist und damit kommen die neumodischen Züge nicht mehr zurecht. Nichts geht mehr und ich bin versucht, gleich wieder umzudrehen, Uli herzubeordern und Silvester in Osnabrück zu feiern.

Dann sehe ich, dass in knapp 15 Minuten der Regionalzug nach Münster fährt. Die guten alten Regiobahnen sind nicht so wetterfühlig, denen macht das bisschen Schnee und Eis nichts aus. Also, erstmal nach Münster, von da weitersehen! Das klappt gut, der Zugbegleiter sagt mir, welche Anschlußbahn ich nehmen kann. Wieder Regio, klar. Dauert zwar länger, fährt aber! Auch in Münster sind zig Züge angeschlagen, die heute nicht fahren. Prost Neujahr, murmle ich, und stehe bald wieder auf dem Bahnsteig in Habachtposition, denn bedingt durch die vielen Ausfälle weichen viele Menschen mit vielen Gepäckstücken auf die wenigen Regionalbahnen aus. Sardinenbüchse trifft es heute wohl eher! Trotzdem schaffe ich es, einen Sitzplatz zu ergattern und habe noch dazu ein nettes Gegenüber, eine Dame aus Bremerhaven, die vor Jahren auch schon mal ein paar Monate in Venezuela verbracht hat. So vergeht die Zeit schnell (trotz Verspätung auch hier) und 10 Minuten vor Leverkusen stehe ich auf und kämpfe mich durch die dicht beieinander stehenden Menschen. Ein paar hilfreiche Fahrgäste reichen meinen Koffer durch (die Frage, ob ich zuhause rausgeflogen bin oder warum ich mit dem Schrank unterwegs sei, überhöre ich) und irgendwie schaffen wir beide es, in Leverkusen-Opladen aus dem Zug zu klettern und Uli in die Arme zu fallen Die letzten Tage in Deutschland verlaufen ruhig, am Nachmittag des 2. packen wir unsere Koffer und bestellen ein Taxi zum Flughafen für den

3.01.2010, 4:30 Uhr (Leverkusen nach Düsseldorf Flughafen)
Es schneit wieder. Die Schneefront hat sich ein paar Tage Zeit gelassen, aber pünktlich zum Abflug ist sie uns nach NRW gefolgt und obwohl es die Nacht von Samstag auf Sonntag ist, sind doch einige Autos auf der Autobahn unterwegs und wir sind - wieder mal - froh, zeitig aufgebrochen zu sein. Um 6:20 Uhr ist Abflug, um viertel vor fünf stehen wir - wieder mal - in der Schlange am check in und kurz darauf in der nächsten in der Kontrolle. Nichts zu meckern, nichts zu kontrollieren, doch, die neu gekauften Boxen müssen einen Extrascan über sich ergehen lassen, aber auch das kein Problem. Wir warten am Gate, die erste Verzögerung wird angezeigt. Klar, bei dem Wetter müssen die ja ständig die Startbahn neu freiräumen. Oder überhaupt erstmal räumen, wie auch immer. 20 Minuten später als geplant steigen wir ein und dann geht los. Das Warten.

Ein LKW soll uns aus der Parkposition schieben, aber die Fahrbahn ist zu glatt, die Reifen drehen durch, er schafft es nicht. Ein anderes Fahrzeug wird geordert. Das dauert und in der Zeit wird einer anderen Maschine der Vortritt gewährt. Endlich klappt es mit dem Schubsen, aber jetzt ist die Startbahn für den Moment geschlossen, das Schneetreiben ist zu heftig. Macht nichts, wir müssen erst noch enteist werden. Da steht aber auch schon ein Flieger in Position, also - warten. Frisch enteist bringt der Kapitän die Maschine in Richtung Startbahn und....hält an. Der arme Kerl hat sich bereits zigfach entschuldigt (er kann doch auch nix für's Wetter!) und jetzt klingt er ziemlich fassungslos, als er uns mitteilt, dass er gerade Order bekommen hat, das Flugzeug wieder in die Parkposition zu bringen. Chaos in Frankfurt, zuviel Schnee auch in Düsseldorf. Unser Flug ist gestrichen *g* Wenigstens können wir (vorerst) den Flieger in FFM nicht verpassen, da geht ja auch nichts. Also, erstmal wieder das Gepäck einsammeln, was eine Weile dauert. Wegen der Glätte kommen die Gepäckwagen nicht an den Flieger, außerdem sind vier große Maschinen auf Düsseldorf ausgewichen und sowieso gerade alles durcheinander und dann verschwindet plötzlich unser Flieger von der Anzeigetafel über dem Gepäckband und der nächste taucht auf, ohne dass wir alle bereits unsere Koffer hätten...Wieder Aufregung, Nachfrage bei der Gepäckermittlung. Missverständnis "draußen", geht gleich *hüstel* weiter. Rund 1,5 Stunden später rauf in die Halle zum Ticketschalter und..na? Richtig, in die Schlange stellen, denn wir sind bei weitem nicht die einzigen, die heute Früh nicht wohin auch immer starten.

Kein Gedanke mehr daran, heute noch nach Frankfurt zu kommen geschweige denn Richtung Caracas zu starten. Montag Früh von Düsseldorf nach Paris und dann mit der Air France weiter. Sei's drum, wir nicken und werden von der netten Lufthansa-Mitarbeiterin im Maritim am Flughafen einquartiert (hat doch alles immer was Gutes, gell?), wo wir lecker brunchen, ich mir nachmittags ein ausgiebiges Bad gönne und von wo wir am nächsten Morgen zwar früh, aber doch ziemlich ausgeschlafen die paar Schritte zum check in marschieren. Wir starten pünktlich (oh Wunder) und die eine Stunde Verspätung wegen technischer Probleme nachher in Paris lässt uns ziemlich kalt In Caracas wartet unser Fahrer auf uns und zwei Kollegen, die mit der Lufthansa (auch verspätet) eingetroffen sind. In der Rekordzeit von nicht ganz 2 Stunden geht es von Caracas nach Valencia und hier sitze ich jetzt am

6.01.2010, 9:30 Uhr (Morón)
an unserem zweiten Arbeitstag. Etwas müde wegen der Zeitverschiebung, etwas traurig, weil die Zeit in Deutschland irgendwie so kurz war und auch etwas froh, wieder zuhause zu sein :-)

Ich wünsche euch allen ein frohes, erfolgreiches, glückliches, entspanntes und harmonisches 2010!

PS: Ich weiss, ich habe mich hier in den letzten Monaten etwas rar gemacht. Viel Arbeit (inzwischen auch samstags) und entsprechend weniger Zeit sowie leider zu wenig schöne Dinge, die es hätte zu berichten geben, haben mich vom Schreiben abgehalten. Aber wozu gibt es Neujahrsvorsätze? ;-) Also - ich gelobe Besserung!

Mittwoch, 12. August 2009

Nachbarschaftsstreit

Es ist ein seltsames Gefühl, in einem Land zu leben, in dem der Präsident so ganz offen über einen möglichen Krieg mit dem Nachbarland spricht. Ich hätte erwartet, dass hier alle den Atem anhalten, alles (wenigstens für einen Augenblick) still steht, irgendeine sicht- und/oder fühlbare Reaktion der Menschen um uns herum. Gut, mag sein, dass sie untereinander eher darüber sprechen, als das sie uns Expats, Fremde, einbeziehen. Aber der Eindruck, der sich eher aufdrängt, ist der, dass alles seinen gewohnten Gang nimmt.

Also doch nur Säbelrasseln, Machtdemonstration von Chávez? So richtig konnten weder Kollege Guillermo noch Büromitbewohner Francisco mir eine Antwort darauf geben. Besorgt schienen sie beide, aber WIE ernst die Androhung von Chávez ist, Krieg gegen Kolumbien zu führen, zu nehmen ist, das vermögen sie nicht zu beurteilen. Dass sich im Falle des Falles aber auch die jetzt noch Venezuela wohlgesonneren Nachbarstaaten wie z. B. Ecuador und Bolivien zurückziehen werden, vermuten beide. Brasilien und Argentinien kochen sowieso mehr ihre eigene Suppe und sind zu gross, als dass sie sich nach Hugo richten müssten.

Bleibt abzuwarten, wie sich das Verhältnis Kolumbien (mit den USA im Rücken) und Venezuela (mit einem Präsidenten, der sich für den Befreier des südamerikanischen Kontinents und die USA nicht nur für den größten Drogenabnehmer sondern überhaupt für die schlechteste Nation von allen hält - was ihn nicht daran hindert, Geschäfte mit den Yanks zu machen) entwickelt.

Amüsiert hat mich der Bericht, den ich kürzlich in einer Zeitschrift gelesen habe: Ein deutscher Süßwarenhersteller will ein Werk in Venezuela aufmachen, von dem aus er die USA zu beliefern gedenkt. Auf die Frage des Journalisten, ob er denn keine Sorge hätte ob der Launenhaftigkeit des Präsidenten (und seines Verstaatlichungswahns), antwortete er, er habe Sicherheit durch eine staatliche Finanzierungsgarantie. Ein Paradoxon in diesem Land, die Sicherheit durch staatliche Garantien. Ich hoffe, die Erfahrung wird nicht allzu schmerzhaft für den Gummibärchenproduzenten (nein, es ist nicht Haribo!)

Mittwoch, 5. August 2009

last news

Heute Früh auf dem Weg zur Autopista sahen wir eine dicke schwarze Rauchsäule eben in dieser Richtung. Unsere Auffahrt war frei, die Bahn selbst in Richtung Morón auch - aber hinter uns und in Richtung Caracas lagen über beide Fahrbahnen brennende Reifen. Diesmal wahrscheinlich kein Protest aus den Barrios, sondern von Studenten, Jugendlichen, Reportern, Journalisten. Der Präsident hat 36 mehr oder minder regierungskritische Radio- und Fernsehsender verboten, weil die - angeblich - ohne Lizenz gesendet haben. Rund 200 Sender werden noch folgen, eine deutliche Demonstration seiner Willkür und leider auch seiner Macht.

Weiterhin hat er zwei der grössten Kaffeeröster des Landes "vorübergehend" verstaatlicht, weil die - auch wieder angeblich - heimliche Deals mit Kolumbien machen und der Preistreiberei verdächtigt werden.

Im grössten Hafen des Landes (in dem auch unser Baustellenmaterial ankommt) sind letzte Woche in zwei bis dahin noch privaten Lagerhäusern Drogen gefunden worden, was es dem Staat einfacher macht, sich auch diese Lagerhäuser zu schnappen. Der Hafen ist ab jetzt komplett verstaatlicht und der grösste Clou: Angeblich wird kurzerhand das Personal ausgetauscht. 3.000 Venezolaner gegen 3.000 Kubaner (weil billiger). DAMIT allerdings tut er sich nun gar keinen Gefallen. Gab er sich bis jetzt als Freund und Wohltäter des kleinen Mannes, geht er ihnen nun an die Kragen, sprich, an die Existenz. Noch ist es relativ ruhig, Protestaktionen wie die heute Früh sind noch nichts kritisches. Aber es brodelt unter der Oberfläche, das steht fest.

Anekdötchen: Am Montag war ich mit zwei Kollegen unterwegs, auf der Autobahn sahen wir einen Polizeiwagen (Pick up) mit zwei Beamten und einem Verhafteten auf der Ladefläche. Der war mit Handschellen an einer Halterung angekettet, daher leicht zu erkennen. Auf meine Frage, was denn cuffs/Handschellen auf Spanisch heisst, bekam ich zur Antwort "Esposas". Humor haben sie ja: Esposa bedeutet ins Deutsche übersetzt "Ehefrau" ;-)

Montag, 27. Juli 2009

LKW und andere Laster

Wir sind zwar gerade aus dem Österreich-Urlaub zurück, aber die Bilder, die ich für euch habe, sind hier aus Venezuela - zu kurios, um sie euch vorzuenthalten.

Zu den Preisangaben noch eine Info: Offizieller Wechselkurs Dollar zum Bolivares fuerte 1 : 2,15...
















Mittwoch, 8. Juli 2009

Sag mir, wie du heisst und ich sag dir,

woher du kommst! Ok, ganz so einfach ist es nicht, auch hier in Venezuela gibt es so ganz normale Namen wie Pedro, Francisco, Maria und Anna.

Aber die Venezolaner sind erfindungsreich und vor allem, sie sind nicht festgelegt auf “eindeutig als weiblich oder männlich zu erkennende Vornamen” wie bei uns in Deutschland. So werden von stolzen Eltern, um den Grosseltern eine Ehre zu erweisen, schon mal deren Vornamen zerpflückt, um aus den – wenigstens – halbwegs zueinanderpassenden Hälften einen neuen Namen zu kreieren. Unsere Kollegin Eulimir hat dieser “Bastelwut” ihren Namen zu verdanken. Oder die Cousine des Kollegen Eladio, sie heisst Jescarli. Na, wer kommt drauf? Richtig. Der Grossvater Jesus und die Grossmutter Caroline.

Ist doch ganz einfach, oder? Weitere Kreationen, die uns anfangs Schwierigkeiten, wenn nicht schon beim Aussprechen, dann spätestens beim Merken, gemacht haben: Ivarmen, Yuslenis, Viagnelis oder Egvilio. Ist man weniger kreativ, muss auch schon mal der Nachname eines Grosselternteils herhalten. Unsere Kollegin Eglee führt damit den Mädchennamen der Grossmutter weiter, so stirbt der Name wenigstens nicht aus.

Wer beim ersten Hören glaubt, einen schlichten Reiner gefunden zu haben, wird beim Schreiben eines Besseren belehrt. Rhayner heisst der Kollege hier und irgendwie klingt es auch ganz anders, wenn ein Venezolaner das ausspricht.

Und der könnte sicherlich, ohne dass es ihn zum Lachen reizt, die Platznachbarin auf Ulis erstem Flug hierher ansprechen: Die junge Dame hiess Backstreeboys (ohne T!) und ist somit unverkennbar ein Kind der 90er Jahre.

Einen besonderen Namen hat auch mein Lieblingskollege, wie ich kürzlich herausgefunden habe. Er heisst Guillermo, hat mir das ins Englische mit William übersetzt, ergo zu deutsch Wilhelm…oder auch Willi/y.

Kein Wunder, dass ich den Mann so gut leiden kann, nicht wahr, Papi? ;-)

Sonntag, 5. Juli 2009

Behördengang auf venezolanisch

Letzte Woche Donnerstag war ich in Caracas.
Für uns Expats wurden Arbeitsvisa beantragt sowie die Ausstellung einer Cedula, der venezolanischen ID. Wir haben einen Antrag ausgefüllt und unsere Pässe zu diesem Zweck einem „seriösen“ Herrn übergeben, der vor Ort die notwendigen Formalien erledigt bzw. vorbereitet hat, denn für die Ausstellung des Visums ist persönliches Erscheinen nicht notwendig, aber für die Cedula hat man bei der Behörde in Caracas vorstellig zu werden, sich fotografieren zu lassen und seine Unterschrift auf der ID in Gegenwart eines Bediensteten des Ministerium zu leisten. Im Grunde genommen nicht viel anders als die Ausstellung eines Personalausweises in Deutschland, mit nur ein paar kleinen Unterschieden in der Abwicklung...

Uli war, als die Anträge eingereicht wurden, gerade in Deutschland, somit sind seine Papiere noch nicht fertig und ich muss alleine in die Hauptstadt. Natürlich nicht ganz alleine! Einige Kollegen unserer Schwesterfirma, die aus Trinidad, Peru, Chile...stammen, müssen das gleiche Procedere durchlaufen und somit werde ich kurzerhand zu Pat (aus Trinidad) und dem venezolanischen Fahrer Louis gesetzt. Morgens um 5 Uhr starten wir in Valencia, treffen uns mit 15 Personen auf 4 Autos verteilt vor einer Farmatodo, die nahe der Autobahnauffahrt liegt. Um halb neun sind wir in Caracas mit dem „Vermittler“ verabredet, das könnte knapp werden. Es sind zwar nur 160 km, aber die letzten 60 führen durch den Berufsverkehr und der ist in Caracas ein Chaos. Louis fragt sich, wie wir es in dem Verkehrsgewühl der Stadt überhaupt schaffen sollen, uns nicht zu verlieren - und er ist der einzige, der sich in der Stadt auskennt und weiß, wo der Treffpunkt ist. Mich erleichtert es ungemein, dass ich in seinem Auto sitze ;-)

An der Peripherie der Stadt angekommen, staune ich wie immer über das Gewusel, die Blechlawinen und mache drei Kreuze, dass wir in Valencia und nicht Caracas wohnen! Diese Stadt mit ihren – offiziell – ca. 6 Millionen Einwohnern ist ein Moloch und Berlin mutet dagegen wie eine Kleinstadt an. Ich schaue auf die Barrios und frage mich wie jedes Mal, wie es möglich ist, dass Menschen dort leben oder besser, existieren können. Notdürftige zusammengeschusterte Behausungen aus Backsteinen, Wellblech, Holz und was eben gerade zu bekommen war. Eng nebeneinander, übereinander gebaut, hat man den „besten“ Blick kurz vor einem Tunnel, der sinnigerweise „El Paraiso“ (Das Paradies) heißt. Erstaunt es jemanden, dass die Menschen, die hier ihr Dasein fristen, den Versprechungen des Präsidenten Glauben schenken (wollen), dass er ihre Lage verbessert? Und dass die, die schon zu lange vergeblich darauf warten, zu Gewalt und Waffen greifen, um zu Geld oder Wertgegenständen zu kommen? Man sagt, wenn man einer dieser Banden in die Finger gerät, soll man ohne Gegenwehr rausgeben, was man hat und nur keine Heldentaten versuchen, da die Frustrationsgrenze dieser meist noch jungen Menschen sehr niedrig ist. Was Wunder...!



Wir fahren, immer noch im Convoi, im Stop-and-Go-Tempo weiter Richtung Zentrum, wo wir in der Nähe des Ministerio Público unseren Kontaktmann treffen wollen, der schon angerufen hat und ungeduldig auf uns wartet. Klar, wir haben uns durch den Verkehr verspätet, 3 Stunden rechnet man normalerweise für die Fahrt, 3,5 haben wir geplant und gebraucht haben wir heute 4,5 Stunden. Und ich habe, gelinde gesagt, gerade ziemlich die Schn**** voll von der Fahrerei. Louis telefoniert aufgeregt, wir halten mitten im Gewimmel in dritter Reihe und ein Minute später erscheint, ich nenn ihn mal Pedro, aus dem Nichts, steigt zu uns in den Wagen und lotst uns zu einem Parkplatz. Von dort aus geht es im Eilschritt zu einem kleinen Kopiergeschäft, dort müssen wir unsere Pässe kopieren, das Arbeitsvisum und unsere ID. Pedro erklärt zwar, warum, aber er spricht so schnell, noch dazu mit dem Dialekt der Caracenos, dass ich mal wieder kein Wort verstehe. Und eigentlich ist es mir im Moment sowieso egal, ich fühle mich trotz der großen Gruppe nicht besonders wohl, wie üblich habe ich die Aufmerksamkeit der Menschen, weil ich durch Größe, Haar- und Hautfarbe auffalle. Ich halte mich eng an Pat und Pedro, als es weitergeht zum Ministerio und schaue nicht nach rechts und links, bis wir den Innenhof des Ministeriums erreicht haben. Da bleibt mir allerdings erstmal der Mund offen stehen: Ungefähr 300 – 400 Menschen stehen in einer langen Schlange und warten darauf, dass sie ihren neuen Ausweis bekommen bzw. ihren Ausweis verlängern und was sonst noch so an Formalitäten hier erledigt werden kann. Es ist kurz nach zehn, die Behörde öffnet um acht und ich vermute, dass bereits um sechs in der Früh die ersten hier Stellung beziehen. Viele haben kleine Plastikhocker dabei und auch Schirme – der Hof ist nicht überdacht und es beginnt gerade zu tröpfeln. Ich freue mich über die kleine Erfrischung, lange hab ich allerdings nichts davon. Pedro lotst uns unter den überdachten Vorplatz des Gebäudes. Dieser Teil ist mit gelben Absperrband versehen, hier stehen zwei mal zwei Campingtische mit Stühlen, auf denen die Mitarbeiter des Ministeriums sitzen. Pedro hat unsere Passkopien an einen anderen Mann gegeben, der jetzt hinter einem der Tische verschwindet, auf einen der Beamten einredet und mit dem Papier wedelt. Schlußendlich wechseln wohl ein paar Scheine den Besitzer, ein Schulterklopfen und unsere Gruppe von 15 ist plötzlich eine eigene kleine Schlange an dem Stuhl vor dem weißen Hintergrund, wo die Fotos für die Cedula gemacht werden.

Von jetzt an geht es (relativ) zügig, wir werden geknipst, geben unsere Fingerabdrücke ab (soviel zum Thema Datenschutz...), warten wieder, bis der Name aufgerufen wird (meiner nicht, auf mich wird mit dem Finger gezeigt, Name zu schwierig auszusprechen) und unterschreiben bei einer schlecht gelaunten Mitarbeiterin des Ministerium, der das Eingeben der Daten und das Herüberreichen des Papiers zur Unterschrift unheimlich viel Mühe zu machen scheint. Wenn sie diese schwierige Aufgabe bewältigt hat, gibt sie das Blatt an den nächsten Kollegen, der die Cedula zurecht schneidet und dem letzten in der Reihe hinterm Tisch überreicht, der das jetzt auf 10 x 5 zurechtgestutzte Dokument laminiert und uns überreicht. Listo (fertig)! Ich bin jetzt Besitzerin einer venezolanischen ID, die neben meinem Namen, Geburtsdatum und –land meinen Familienstand, meinen Berufsstand, meinen Daumenabdruck und meine Unterschrift zeigt und zudem noch in Großbuchstaben mit dem Hinweis „EXTRANJERO“ versehen ist, was mich als Ausländer ausweist, was wiederum notwendig macht, dass ich diese Prozedur in 11 Monaten wiederholen muss, da wir ja noch eine Weile im Land bleiben. Ich freue mich schon heute auf den Ausflug in die Hauptstadt, die wir jetzt so schnell wie möglich wieder hinter uns lassen, alle geschafft von der Fahrt, der Hitze, der Warterei. Kurz hinter Caracas machen wir Halt an einer Art Autobahnraststätte und Pat und ich stoßen erst einmal mit einem Bier (light!) auf unsere neue „Identität“ an.

Ulis Papiere sind nun auch so weit und er fährt morgen.
Unsere Sekretärin Eglee hat mir angeboten, ihn zu begleiten, aber ehrlich? Ich gehe lieber arbeiten!

Sonntag, 21. Juni 2009

baby:shower und wer ist eigentlich Paul?

Nein, das ist keine spezielle Dusche für die Kleinsten. Und es regnet auch keine Babies ;-) Obwohl man das gerade fast denken könnte, in meinem direkten und näheren Umfeld: Kollegin Sandra hat eröffnet, dass sie uns in ca. 6 Monaten für eine Weile verlässt, Kollegin Eliana hat letzte Woche einen kleinen Enrique zur Welt gebracht und Maria hat sich vor 14 Tagen in den Mutterschutz verabschiedet. Und für sie werden wir nächstes oder übernächstes Wochenende „baby showern“.

Der Begriff und die Idee kommen, wie sollte es anders sein, aus den Estados Unidos, den Vereinigten Staaten. Ein paar Wochen vor der Geburt werden die Frauen aus dem Familien-, Freundes-, Kollegenkreis eingeladen, normalerweise nicht von der werdenden Mutter selbst, sondern von einer Freundin oder Verwandten. Die baldige Mama schreibt auf, was sie für das Baby noch benötigt oder sich wünscht und die Liste wird unter den Gästen verbreitet. Eingeladen werden übrigens üblicherweise nur Frauen! Höre ich da einen erleichterten Seufzer aus der Herrenwelt? ;-) Ich glaube, Männer haben wenig Sinn für diese Art von weiblichen Zusammenkünften (und Frauen wenig Lust, augenrollende Partner an ihrer Seite sitzen zu haben) und so hat Frau klugerweise von vornherein beschlossen – Väter und solche, die es werden wollen, bleiben draußen!

Ich bin schon sehr gespannt auf diesen Nachmittag, der wahrscheinlich üblich venezolanisch sehr laut und fröhlich, mit viel Gekicher und Geschwätz, verlaufen wird und werde auf jeden Fall anschließend darüber berichten!

Aber nicht nur hier ist Schnulleralarm, auch in Deutschland gibt es Nachwuchs zu begrüßen: Meine Cousine Melanie hat einen kleinen Matti geboren, herzlichen Glückwunsch und alles Gute für euch!

Und für alle, die sich immer schon gefragt haben, wer ist eigentlich Paul (sorry Tina, aber bei DER Vorlage kann man gar nicht anders!):



Das ist der neue Wecker meiner Großcousine Tina und ihres Mannes Thorsten – Paul, geboren am 04.06.2009. Bienvenidos und ich hoffe, ich hab im September Gelegenheit, dich kennen zu lernen!

Montag, 25. Mai 2009

Kaum zu glauben...

...ich bin bereits über 3 Wochen wieder hier - die Zeit vergeht wie im Flug! Fast kommt es mir so vor, als wäre ich gar nicht weg gewesen. Aber nur fast ;-)

Der Alltag hat mich schnell wieder eingeholt. "Buenos dias, Chama, como te va?" hat mein Kollege Guillermo mich am ersten Wiederarbeitstag begrüßt. Die Frage, wie es mir geht, konnte ich nur mit "Bien, muy bien" - gut, sehr gut - beantworten. Ich war zwar sehr müde, aber hatte die gute Zeit in Deutschland noch in Gedanken und war auch froh, wieder hier zu sein. Nach einer kleinen Viertelstunde Urlaubsbericht und Fragen beantworten zur Familie geht es ans Tagesgeschäft: Welche Schiffe sind eingetroffen, welches Material ist bereits vom Zoll abgefertigt, was schon auf der Baustelle angekommen? Was auf anderen Baustellen ganz einfach und unkompliziert abläuft, ist in Venezuela, wie könnte es anders sein, eine oft schleppende Angelegenheit, begleitet von vielen großen und kleinen Hürden.

Ein Schiff mit Containerfracht, das am Tag X im Hafen Puerto Cabello erwartet wird, ändert die Route, weil der venezolanische Hafen meldet, das kein Platz mehr ist, keine Cargo gelöscht werden kann. Also steuert das Schiff erstmal Cartagena, Kolumbien oder Point Lisas, Trinidad an und wird ungefähr eine Woche später als geplant in Venezuela eintreffen. Um das genau zu erfahren, müssen wir hinter der zuständigen Shipagency hertelefonieren, nur die kann uns sagen, ob das Schiff bereits im Hafen liegt und die Ladung gelöscht ist. Ist der Hafen immer noch zu voll, kann es vorkommen, dass das Schiff noch 2 Tage vor Anker liegt - eine weitere Verzögerung.

Nach dem Löschen der Ladung werden die Container per LKW in ein Warehouse gebracht, hier beginnt der Prozeß der Entzollung, der in die Zuständigkeit unseres Auftraggebers fällt. Leider, muss man manchmal sagen, denn es gibt Zeiten, da spielen für den halbstaatlichen Betrieb andere Dinge eine übergeordnete Rolle: Anfang des Jahres die Vorbereitung auf die "Enmienda" z. B., die Abstimmung darüber, ob Präsident Chavez demnächst unbegrenzt wiedergewählt werden darf. Da kamen die Angestellten morgens ins Büro, haben 1 Stunde lang vielleicht ein paar Mails gelesen und dann wurde politisch gearbeitet - Propaganda! Dass ein Bauprojekt dadurch in arge Terminverzüge geraten kann, weil nicht da ist, was gebraucht wird, ist dann Nebensache...

Im Idealfall dauert die Entzollung 10 Tage, der Kunde informiert uns rechtzeitig, wann wir den Transporteur mit den LKW schicken sollen, denn der Transport der Ware vom Hafen auf die Baustelle ist unsere Sache. Wenn wir die Spedition beauftragen, wird es wieder spannend, ob zum bestellten Zeitpunkt ausreichend LKW zur Verfügung stehen, für manchmal 6 oder 8 Container oder auch einige Dutzend Rohre verschiedenen Durchmessers, die sorgsam auf den LKW verstaut werden müssen.

Wenn alles reibungslos läuft, wird der LKW am Morgen in Puerto Cabello beladen und ist gegen Mittag auf der Baustelle. Hier wird die Fracht noch vor dem Abladen von meinem Kollegen Eladio inspiziert und fotografiert, für den Fall, dass es zu Transportschäden gekommen ist und wir einen Schaden melden müssen. Dann erst wird vom Personal unserer Lagerhäuser abgeladen und registriert und verstaut, ein Beleg ausgefüllt und eingescannt und bis zum Erhalt der Rechnung des Transporteurs ist diese Verschiffung erst einmal abgeschlossen.

Wie gesagt...Wenn alles reibungslos läuft und das ist hier selten der Fall. Neben bevorstehenden Volksabstimmungen, Wahlen oder überfüllten Häfen sind übereifrige Zollbeamte, nachlässige Zollagenten, unzuverlässige Transporteure oder korrupte Nationalgardisten einige von vielen kleinen Stolpersteinchen auf dem Weg der Fracht von Deutschland, China oder Amerika nach Venezuela.

Das macht es nicht immer einfach, klar, aber (für mich) auch interessant und spannend. Guillermo erklärt mir alles und berichtet gern von seinen Erfahrungen, die er in 35 Jahren im Beruf schon gemacht hat. Am Ende weist er auf sein schon recht ergrautes Haupthaar und sagt augenzwinkernd "Remember: This is not painted!"

Ich werde mir weiter die Haare färben! ;-)

Donnerstag, 30. April 2009

Home is

where your heart is, sagt man ja...

Und somit sage ich, ich bin wieder Zuhause!

Danke für zwei schöne Wochen an Mutz, Papi, Irmtraut, Burkhard, Mami, Tinchen, Anja, Heidi, Kikki, Tina, Volker (x 2), Konny, Peter, Norma, Pia, Hendrik & Band, Silvia, CK, Manolo, Steffi, Simone und alle, die ich vergessen habe, zu nennen.

Alle konnte ich nicht treffen, die Zeit war einfach zu knapp. Aber ich komm wieder und sooooooo lange dauert es gar nicht mehr bis dahin ;-)

Die Begrüssung im Büro war sehr herzlich, das Mail-Postfach sehr voll und die Müdigkeit heute Abend sehr gross...

In den nächsten Tagen wieder mehr!

Dienstag, 14. April 2009

Urlaub!

Bis zum 29. April verabschiede ich mich erst mal in den "Heimaturlaub"!

Ich freu mich schon sehr auf meine Familie, Freunde, viele Treffen, Mutz' 60. Geburtstag, Tinas -sag ich nicht wievielten-, Körnerbrot, ne Bratwurst, ausführliches Ratschen und Tratschen, Ausgehen, Bluesjam und Kammerkonzert...

Die Zeit wird viel zu kurz sein, das weiß ich jetzt schon!

Aber ganz ehrlich:
Ich freue mich auch schon ein bißchen darauf, wieder hierher zu kommen. Weil ich dann Uli nach drei ziemlich langen Wochen endlich wiedersehe (Zeit ist nicht immer gleich lang, aber wer wüsste das nicht? ;-)) und auch auf die Arbeit. Der Job ist toll, meine/unsere Kollegen sind klasse und ich bin gerne hier und auch ein wenig stolz, in diesem Projekt mitzuarbeiten.

Und ja, wenn ich zurück bin, schreibe ich endlich mal was zum Job, zu den Kollegen, zum Arbeitsalltag eben.

Versprochen!

Hasta pronto...

Freitag, 10. April 2009

Ich wünsche euch



...und dass sich das gute Wetter halten möge bis und solange ich in Deutschland bin! Also, esst schön alle eure Ostereier auf ;-)

Samstag, 4. April 2009

Geburtstag auf venezolanisch

Am Donnerstag hatte Uli Geburtstag, seinen xx. ;-)

Bevor wir morgens zur Arbeit gefahren sind, gab es ein kleines Geschenk von mir und im Büro folgte am Nachmittag das übliche Prozedere:

Die Personalleiterin, Viagnelis, bestellt eine Torte. Das Geburtstagskind hat natürlich üüüüüberhaupt keine Ahnung (ich bin extra noch mal von ihr zum Schweigen verdonnert worden!), dass es am Nachmittag Kuchen geben wird. Gegen viertel nach vier geht Viagnelis dann zu den Kollegen (wer gerade nicht da ist, hat Pech gehabt oder wird mit ein bisschen Glück von anderen informiert) und kündigt für halb fünf das Treffen im Besprechungsraum, oder, falls der besetzt ist, in der Küche an.

Gegen halb fünf trudeln nach und nach alle ein; es wird Cola und Limo ausgeschenkt und der Kuchen angeschnitten. Die Stücke legt man auf eine Serviette, die gibt’s in die Hand und fertig. Kein Besteck, keine Teller, das muss nur gespült werden und das macht unnötige Arbeit. Wir haben inzwischen gelernt, unfallfrei Torte „aus der Hand“ zu essen! Und gesungen wird, natürlich: Cumpleaño feliz, die spanische Version von Happy Birthday. Gesungen wird sowieso sehr viel, aus irgendeiner Ecke hört man eigentlich immer jemanden singen. Und sie können es irgendwie alle (Gottseidank!)
Um viertel vor fünf löst sich die Runde zügig auf, es ist schließlich Feierabend und alle wollen nach Hause.

Uli und ich haben abends noch einen venezolanischen Likör getrunken (Rum mit Passionsfrucht, sehr lecker) und werden heute gebührend nachfeiern: Es geht zum Essen auf die Terrasse des Interconti.

Nächste Woche freue ich mich ab Mittwoch über viel Post von euch; Uli fliegt nach Deutschland und ich bin erst am 16.04. dran ;-) Also, vertreibt mir die Zeit bis dahin – hier ist Semana Santa, die Heilige (Oster)Woche, ab Mittwoch Mittag bis einschließlich Sonntag hab ich Osterferien...



Von links nach rechts: Jairo, der EDV-Mann, Uli, das Geburtstagskind, Rosario, die Betriebsärztin, Eulimir, Ulis Assistentin und Sandra, die Assistentin unseres Procurement Managers (auch ein Uli, derzeit im Osterurlaub)

Sonntag, 29. März 2009

Schreibfaul

mag ich ja sein, untätig deswegen noch lange nicht:

Wir sind früh aufgestanden, waren bereits auf dem Casupo (dem kleinen Berg am Stadtrand) und ich hab gebacken - hier das Ergebnis:



Lecker, hm? Und das riecht so gut!

Eines davon ist für uns, eines werde ich morgen mit ins Büro nehmen und meinem Kollegen Guillermo schenken. Seine Frau ist gerade von ihrem eigentlich gemeinsamen Wohnort nach Valencia umgesiedelt, die beiden haben viel Stress gehabt in den letzten Wochen und zum Einzug verschenkt man doch Brot und Salz (gibt es dazu, klar), nicht wahr? ;-)

Samstag, 21. März 2009

Morgens um 7...

...ist die Welt noch in Ordnung! Jedenfalls am Samstag, denn um 7 wach zu werden, bedeutet am Samstag ausschlafen ;-)

Während der Woche klingelt der Wecker um fünf und wer mich kennt, weiss, das ist Quälerei! Aber nach der Dusche geht es und ich bin halbwegs ansprechbar. Wenn ich aus dem Bad komme (Stunden später...), hat Uli bereits Kaffee gemacht und unser Frühstück für's Büro verpackt. Beim Kaffee noch mal kurz ins Internet, nach E-Mails gucken und in "mein" Forum (im Büro haben wir seit Wochen kein Netz), dann zusammenpacken, die Tassen abspülen - ganz wichtig, denn wir sind hier ziemlich ameisengeplagt (und das im 9. Stock) und lassen nichts, was irgendwie mit Nahrung zu tun hat, offen stehen - und los geht's. Mit dem Fahrstuhl in die Tiefgarage, dort wartet meist schon unser Kollege, der ein Stockwerk über uns wohnt und mit dem wir uns im Moment das Auto teilen.

In der Früh fahre ich die 52 km bis Morón. Die ersten Wochen hab ich mich nicht getraut, aber irgendwann hab ich mir gedacht, ok, mach es einfach. Morgens ist der Verkehr noch nicht ganz so chaotisch wie am Nachmittag, scheinbar hören zwar alle zur gleichen Zeit auf, fangen aber nicht gleichzeitig an ;-) Vor der Peaje, der Mautstation, staut es sich allerdings immer. Völlig überflüssig, diese Einrichtung, die meisten sind inzwischen bereits stillgelegt. Aber auf unserer Strecke ist viel LKW-Verkehr unterwegs, die Autopista führt nach Puerto Cabello, dem wichtigsten Hafen des Landes und in den Industriegürtel, in dem sich unsere Baustelle und gleichfalls das alte, noch laufende Werk unseres Auftraggebers befindet. Wegen des hohen Verkehrsaufkommens mag es hier also noch lohnend sein, wir rätseln jeden Tag aufs Neue. Gerade diese Woche ist es sehr amüsant: In Richtung Valencia/Caracas stehen vor der Peaje 2 LKW mit grossen Bohrköpfen, wie sie für den Tunnelbau verwendet werden. Der Durchmesser LKW + Bohrkopf ist > Durchfahrt Peaje und wir sind gespannt, wie lange die Fracht dort stehen wird und hoffen, dass wir mitbekommen, wie das Ganze aufgelöst wird...

Nach der Peaje geht es auf die Autopista, die in 70er Jahren gebaut wurde und deren Belag immer nur fleckenweise erneuert wird. Die rechte Spur, auf der die LKW fahren, ist mehr eine Buckelpiste mit vielen Schlaglöchern; man fährt hier am besten so, wie es in Deutschland verpönt ist: Stur linke Spur! Und wenn man überholt, dann eben rechts, das ist völlig normal. Die Fahrt verläuft ereignislos, nur in El Palito ist es immer noch mal spannend. El Palito ist ein ca. 1,5 km langer Strassenzug, gehört zwar eigentlich zu Puerto Cabello, liegt aber einige Kilometer vor der Stadt. Nur eine Durchgangsstrasse, aber rechts und links ein Gewusel von Bistros, Restaurant, Coco-frio- und Empanadaständen und donnerstags und freitags am Nachmittag frischer Fisch. Doch, der ist frisch, so schön, wie er da in der warmen Nachmittagssonne glänzt, ganz bestimmt ;-)))
Aber jetzt ist es noch früh am Morgen und viele der Truckfahrer und andere Berufstätige halten an den Empanadaständen, um sich mit einem (ziemlich fettigen) Frühstück zu versorgen.

Das Besondere an El Palito: Die Strasse ist in jede Richtung 2spurig und dann gibt es noch eine Mittelspur. Die wiederum ist am Morgen nur in Richtung Norden und am Abend in Richtung Süden zu befahren. Bzw. gilt diese Regelung - ungefähr - ab Mittag. Wenn man dann falsch herum unterwegs ist, muss man eben den Rückwärtsgang einlegen und Platz machen! Das Einfädeln am Ende der Spur zurück auf die reguläre Fahrbahn hat immer ohne Probleme geklappt, bis ein schlauer Mensch eine Schranke aufgestellt hat. Die hat die Autofahrer in den Gegenverkehr gezwungen, dann musste man einen kleinen Schlenker machen und hinter der Schranke darauf hoffen, dass man a) gesehen und b) zügig wieder reingelassen wird. Der morgendliche Verkehr, ohnehin schon zähfliessend in El Palito, wurde durch diese Neuerung erst richtig ins Stocken gebracht. Ziemlich beschränkte Idee und dem Himmel sei Dank, hatte letzte Woche endlich jemand ein Einsehen. Wir konnten beobachten, dass die Schranke mit Hilfe eines Schneidbrenners fein säuberlich zerlegt wurde und alles läuft wieder so wie vorher.

Kurz vor der Baustelle gibt es noch ein weiteres Nadelöhr, eine Brücke, über die der Verkehr einspurig geleitet wird. Ist man nur einige Minuten später als sonst, kann es passieren, dass man rund 20 Minuten braucht, um über die Brücke und wieder auf die 2spurige Fahrbahn zu kommen. Interessant ist, wenn sich die 2 Spuren zu einer verjüngen: Am besten fährt man langsam weiter, nur nicht ausweichen, dann wird man garantiert beiseite gedrängt. Alles nicht mit böser Absicht, nur frei nach dem Motto "Wer zuerst kommt,..."
Dann haben wir die Einfahrt zur Baustelle erreicht. Rechts abbiegen von der Strasse über den kleinen Platz vor dem Bauzaun. Im Moment staubt es hier ordentlich, dieses Stück ist nicht geteert oder wenigstens mit Kies aufgefüllt, nur der Sandboden. Der Ausbau lässt auf sich warten, Sache des Auftraggebers, der es damit nicht eilig hat. Sollte er bis zur Regenzeit nicht fertig sein, wird es es eine lustige Schlammschlacht mit den dann ca. 1.500 Fahrzeugen, PKW und LKW, die darüber fahren ;-)

Durch das offene Tor, vorbei an den Wachposten. Die Autos der Mitarbeiter auf der Baustelle sind mit einem Schild gekennzeichnet, alle anderen werden erst einmal kontrolliert. Uns kennt man sowieso schon, wir werden freundlich gegrüsst. Während wir die letzten paar Hundert Meter fahren, können wir sehen, wie die Baustelle wächst. In der "Laydown Area" liegt immer mehr Material, blanke Edelstahlrohre, aber auch schon sehr rostige aus Schwarzstahl, das dem Klima hier, dem hohen Salzgehalt in der feuchten Seeluft nicht standhält. Verbaut werden sie trotzdem, einmal sandgestrahlt, sehen sie wieder aus wie neu ;-) Neue Gerüste sind zu sehen, Wände wachsen stetig, Kräne haben jeden Tag eine neue Position.

Wir haben das einstöckige Bürogebäude erreicht, ich parke das Auto wie vorgeschrieben rückwärts ein. Sollte es, aus welchen Gründen auch immer, einmal passieren, dass wir die Baustelle schnell verlassen müssen, muss das Auto bereits in Fahrtrichtung stehen, um keine Zeit zu verlieren. Ammoniakalarm könnte ein Grund sein, wenn unser Auftraggeber gegenüber seinen Tank auswäscht und das Abwasser durch den offenen Kanal an unserem Büro vorbei ins Meer leitet. Die ekligen, brechreizerregenden Dämpfe machen das Atmen unmöglich. Einmal ist das bisher vorgekommen, seit wir hier sind. Das war gleich in der Früh und wir sind gar nicht erst aus dem Auto gestiegen...

Heute ist aber nichts weiter zu riechen als die salzige Seeluft und wir nehmen unsere Laptop-Taschen aus dem Kofferraum, ein paar Stufen zur Eingangstür, ein "Buenas Dias" für das auch hier präsente Wachpersonal und wir betreten das Büro.

So - nun wollte ich eigentlich über einen Arbeitstag berichten und bin doch gerade erst im Büro angekommen ;-) Also, demnächst mehr und dann mit Fotos, die ich sowieso noch nicht gemacht habe...Hier schon mal eins zum neugierig machen: